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Leserbrief
Leserbriefe
15.09.2020
15.09.2020 18:16 Uhr

Senevita: Leserbriefe

Am 27. September wird in Freienbach über die «Senevita-Initiative» des Bürgerforums Freienbach abgestimmt.

Ja zur Senevita-Initiative des Bürgerforums

Die Aufnahmebedingungen in unseren gemeindeeigenen Pflegezentren sowie in der Genossenschaft für Alterswohnungen Freienbach sind im Mietreglement AWF, sowie im Reglement Pflegezentren der Gemeinde Freienbach klar geregelt. In beiden Institutionen sind Regulierungsmechanismen eingebaut, die es erlauben, auswärtige Bewerber in schlechten finanziellen Verhältnissen, für die dann der Steuerzahler der Gemeinde Freienbach aufkommen müsste, abzuweisen.

In der geheim abgeschlossenen Leistungsvereinbarung mit der Senevita AG fehlen solche wichtigen Regulierungsmechanismen gänzlich. Wollte der Gemeinderat der Senevita AG vom ersten Tag an ein volles Haus garantieren? Mit gemeinderätlichem Segen könnte die Senevita AG das geplante Alters- und Pflegezentrum Ufenau-Park mit mehr als 200 Sozialhilfeempfängern von auswärts «füllen», für die dann der Steuerzahler der Gemeinde Freienbach laut Gesetz aufkommen müsste. Weshalb hat der Gemeinderat in der Leistungsvereinbarung keine Regulierungsmechanismen für die Senevita AG festgelegt?

In der Leistungsvereinbarung ist eine Auflösung aus wichtigem Grund vorgesehen. Das Bürgerforum hat nun wirklich genügend wichtige Gründe offengelegt, die eine sofortige Kündigung rechtfertigen. Weshalb kündigt der Gemeinderat diese unselige Leistungsvereinbarung nicht unverzüglich?

Der geheime Senevita-Deal des Gemeinderats ist für mich absolut undurchsichtig. Die Kostenwahrheit muss auf den Tisch. Ich unterstütze deshalb die Senevita-Initiative des Bürger-forums mit einem Ja an der Urne.

Beat Weibel, Wilen

 

Ja zur Senevita-Initiative des Bürgerforums

Am 27. September haben die Stimmbürger der Gemeinde Freienbach die Gelegenheit, über die Senevita-Initiative des Bürgerforums abzustimmen. Damit soll die Kostenwahrheit im Zusammenhang mit der Leistungsvereinbarung zwischen dem Gemeinderat Freienbach und der Senevita AG auf den Tisch kommen.

Der Gemeinderat Freienbach war sich bei Unterzeichnung dieser Leistungsvereinbarung offenbar nicht bewusst, welch gewaltige finanzielle Belastung aus diesem Vertrag für die Steuerzahler erwachsen würde.

Das zusätzliche Angebot wäre ohne den geringsten Nutzen für die Bewohner der Gemeinde Freienbach. Wir haben keinen Bedarf. Laut Statistik gibt es in den nächsten Jahrzehnten in der ganzen Schweiz eine Überkapazität an Pflegeplätzen und Alterswohnungen, weil die ältere Bevölkerung dank Spi-tex und barrierefreien Wohnungen viel länger in den eigenen vier Wänden bleiben kann.

Trotzdem hält die Senevita AG an ihrem Projekt fest und will auf Anfrage auch nicht bekanntgeben, woher sie alte und pflegebedürftige Menschen in unsere Gemeinde holen wird.

Wie könnte denn die Senevita AG das geplante Alters- und Pflegezentrum doch randvoll besetzen und ein Bomben-Geschäft für ihre Aktionäre machen? Es würden einfach rückkehrwillige Auslandschweizer angeworben. Viele kommen im Alter aus finanziellen und auch medizinischen Gründen gerne wieder in ihr Heimatland zurück. Vor allem, wenn sie schon im Ausland unter der Armutsgrenze leben, da sie die AHV nicht voll einzahlen konnten und ihr Pensionskassengeld vorbezogen und verbraucht haben. Im Ausland bekommen Schweizerbürger weder Ergänzungsleistungen noch Hilflosenentschädigung und auch keine Sozialhilfe.

Eine Einladung der Senevita für ein sorgenfreies Alter in der reichen Gemeinde Freienbach würden viele Auslandschweizer bestimmt gerne annehmen. Wären sie erst einmal bei der Senevita AG eingezogen, könnte sich diese private Firma alle ungedeckten Kosten durch die Steuerzahler des Kantons und der Gemeinde zahlen lassen. Für die Senevita AG ein gutes Geschäft ohne das geringste Risiko, denn laut Gesetz müssten «dank» der Leistungsvereinbarung mit dem Gemeinderat unsere Ergänzungs- und Sozialleistungskassen für sämtliche Kosten von schätzungsweise 20 Millionen pro Jahr aufkommen.

Nur mit einem Ja zur Initiative kann ein finanzielles Debakel in der Gemeinde Freienbach noch abgewendet werden.

Iris Syfrig, Wilen

 

Alles spricht für die Senevita-Initiative

Weckruf und Kehrtwende vom grenzenlosen Wachstum zu dringend notwendiger Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen. Die Alterspflege befindet sich in einem raschen Strukturwandel. Inzwischen besteht weitgehend Konsens darüber, dass es vielfach sowohl erstrebenswerter als auch volkswirtschaftlich sinnvoller ist, leicht pflegebedürftige Klienten daheim ambulant statt im Heim zu betreuen. Laut Bundesamt für Gesundheit sinkt die Auslastung der Pflegeheime dadurch kontinuierlich, weil andererseits der Spitex-Bereich markant wächst.

Seit dem globalen «Corona-Experiment» verstärkt sich dieser Trend noch ausgeprägter: Die wegen Lockdown oder Quarantäne eingesperrten Bewohner fühlen sich wie im Gefängnis und die ausgesperrten Angehörigen hadern mit ihrem Gewissen, falls sie bei der Heimplatzierung involviert waren.

Urteilsfähige Menschen mit Pflegebedarf werden sich ergo noch länger als sonst zu Hause ambulant betreuen lassen. Dem Risiko einer plötzlichen, «willkürlichen» Quarantäne will sich wohl niemand freiwillig aussetzen.

Für mich alles stichhaltige Gründe für ein klares Ja zur Senevita-Initiative in Freienbach. Die Abstimmung ist für unsere Gemeinde von fundamentaler Bedeutung, kann doch damit ein sich abzeichnender, finanzieller Kollaps verhindert werden.

Martin von Wartburg, Pfäffikon

 

Weshalb der Senevita nicht kündigen?

Mit grossem Interesse habe ich den Flyer des Bürgerforums Freienbach zur Senevita-Initiative studiert. Es ist kaum zu glauben, dass unser Gemeinderat mit der Senevita AG im April 2017 eine Leistungsvereinbarung für den Betrieb von 84 Alterswohnungen und 75 Pflegeplätzen abgeschlossen hat, obwohl schon absehbar war, dass in der Gemeinde Freienbach für die nächsten 20 Jahre weder ein Bedarf an Pflegeplätzen noch an Alterswohnungen besteht (Quelle Somed, BAG, Stand 2016).

Laut Bürgerforum will die Senevita AG offenbar nicht bekannt geben, woher sie die künftigen Bewohner des Ufenau-Parks holen will. Da hier gar keine Nachfrage besteht, werden sie wohl ausschliesslich von auswärts kommen. Die Senevita AG habe auch nicht garantieren können, dass sie zum Füllen des unnötigen Zusatzangebots keine Ergänzungsleistungs- und Sozialhilfebezüger anwerben würde, für die dann wir Steuerzahler aufkommen müssten.

Obwohl nur die wenigsten Bewohner Selbstzahler wären, verspricht die Senevita satte Aktionärsgewinne. Für mich ist klar, hier will die Senevita AG – mit gemeinderätlichem Segen – die Steuerzahler via Leistungsvereinbarung und gesetzlicher Pflicht zur Restzahlung aus öffentlichen Geldern kräftig abkassieren. Mittlerweile unterstützt ja sogar der Gemeinderat die Sene-vita-Initiative. Weshalb er die Leistungsvereinbarung nicht einfach kündigt, wie dies laut Vertrag möglich wäre, ist für mich unbegreiflich.

Die Senevita-Initiative des Bürger-forums Freienbach werde ich mit einem Ja an der Urne unterstützen.

Beat Weibel, Wilen

 

Was ist das für eine Altersheim-Planung?

Was ist das für eine Planung, wenn der Gemeinderat Freienbach zwar Landreserven für die öffentlichen Altersheime / Pflegeplätze anschaffen will – was ich vernünftig finde – gleichzeitig aber den Ausverkauf unserer öffentlichen Institutionen riskiert, indem er gemäss Beschluss zur Altersstrategie vom 7. November 2019 an der Leistungsvereinbarung mit der privaten Senevita AG festhält? Das Delegieren an diesen Konzern gelte «als fester Bestandteil», obwohl inzwischen klar ist, dass kein Bedarf dafür besteht.

Für eine Erweiterung des Pflegezentrums Pfarrmatte besitzt die Gemeinde schon Reserveland im Nordwesten des bestehenden Gebäudes KTN 1558 (838 m2). Gemäss offizieller Auskunft besteht zudem ein Kaufrecht für die angrenzende Parzelle KTN 1557 (427 m2), sodass wir insgesamt 1265 m2 öffentliche Landreserven sichern konnten. Das Sachgeschäft für den Kauf dieser zusätzlichen Reserve soll an der Gemeindeversammlung vom 9. April 2021 beraten werden. Abstimmungstermin ist der 13. Juni 2021.

Mit dem beabsichtigten Reserve-Kauf wäre bis weit über das Jahr 2050 hinaus kein Senevita-Angebot nötig. Es macht keinen Sinn, dass dieses unnötige private Angebot wegen der Leistungsvereinbarung in Konkurrenz zu unseren guten bestehenden Pflegezentren öffentliche Gelder anzapfen könnte.

Ich finde es wichtig, dass Klarheit über diese Widersprüche und die finan-ziellen Auswirkungen geschaffen wird. Die Stimmbürger geben mit einem Ja zur Senevita-Initiative auch ihrem Willen Ausdruck, dass unsere Pflegezentren grundsätzlich öffentlich, transparent und qualitativ gut geführt werden sollen.

Luciano Ascenzi, Pfäffikon

Redaktion March24 &Höfe24