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Leserbrief
Kanton
14.09.2020
15.09.2020 16:45 Uhr

Kinderabzug: Leserbriefe

Am 27. September wird unter anderem über das Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer (Steuerliche Berücksichtigung der Kinderdrittbetreuungskosten) abgestimmt. Das sind die Meinungen dazu in Ausserschwyz.

Mogelpackung Kinderabzug


Die Erhöhung des Kinderabzuges bei der Bundessteuer tönt zwar verlockend, ist aber eine teure Mogel-packung und ein Steuer-Bschiss auf dem Rücken des Mittelstandes. Von diesem Abzug würden fast ausschliesslich Topverdiener-Familien profitieren, die nur sechs Prozent aller Haushalte ausmachen. Familien mit einem Brutto-Einkommen von weniger als 100' 000 Franken, also jene, die am dringendsten auf Entlastung angewiesen wären, haben nichts davon.

Diese Familien zahlen keine Bundessteuern, weil sie zu wenig verdienen. Sie können daher auch keine Abzüge machen. Erst ab einem Brutto-Einkommen von über 200' 000 Franken kann vom maximalen Abzug profitiert werden. Sogar Bundesrat Ueli Maurer kritisierte im Parlament, dass mit der Vorlage weder der Mittelstand noch Familien, sondern die hohen Einkommen entlastet werden. Das Steuergeschenk kostet die Staatskasse jährlich 370 Millionen Franken. Es wird den reichsten Familien im Land zugeschanzt. Wirksame Familienpolitik geht anders. Ich werde diesen Steuer-Bschiss darum ganz klar ablehnen.

Andreas Marty, SP-Kantonsrat, Arth/Einsiedeln

 

Differenzierte Sichtweise


Zum Leserbrief von Thomas Haas («Mogelpackung Sozialdemokratie»).

Der neue SVP-Fraktionspräsident Thomas Haas wirft der SP in seinem Leserbrief vor, beim Thema «Erhöhung der Kinderabzüge bei der direkten Bundessteuer» eine Mogelpackung zu betreiben. Er fragt sich, weshalb die SP auf kantonaler Ebene eine Erhöhung befürwortet und auf nationaler Ebene die Nein-Parole ergreift. Es sei für ihn ein Geheimnis, warum ein Kind bei den kantonalen Steuern anders behandelt werden soll als bei der Bundessteuer. Diese Aussage überrascht.

Als Fraktionspräsident müsste Kantonsrat Haas eigentlich wissen, dass zwischen den Kantons- und Bundessteuern wesentliche Unterschiede bestehen. Ein differenzierterer Blick auf das Thema zeigt, dass eine Erhöhung der Kinderabzüge auf nationaler und kantonaler Ebene nicht denselben Effekt erzielt. Im Kanton Schwyz müssen bereits Menschen mit sehr tiefen Einkommen Steuern bezahlen. Dies führt dazu, dass fast alle Familien vom Kinderabzug profitieren können.

Ganz anders sieht es bei der Bundessteuer aus. Von den 370 Millionen Franken, die den Bund dieses Steuergeschenk kosten wird, fliessen über zwei Drittel an die reichsten 15 Prozent der Familien. Die einkommensschwächsten 45 Prozent der Familien werden von diesem Steuergeschenk nicht berücksichtigt.

Es ist schade, dass Thomas Hass es bei einer Steuervorlage anscheinend nötig hat, mit solch ungenauen Äusserungen zu argumentieren. Für die politische Zusammenarbeit stünde es dem neuen SVP-Fraktionspräsidenten gut, in Zukunft eine etwas differenziertere Wortwahl zu nutzen.

Jonathan Prelicz, SP-Kantonsrat, Goldau

 

Mogelpackung Sozial-Demokratie


Zum Leserbrief «Mogelpackung Kinder-abzug» von Andreas Marty vom 31. August

SP-Kantonsrat Andreas Marty äussert sich in seinem Leserbrief gegen die Erhöhung der Kinderabzüge bei der direkten Bundessteuer. Der gleiche Andreas Marty hat aber letztes Jahr eine Motion im Schwyzer Kantonsrat eingereicht, welche genau dies fordert: nämlich die Erhöhung der Kinderabzüge. Übrigens die gleiche Forderung, welche die SVP Kanton Schwyz bereits mit ihrer Mittelstandsinitiative eingereicht hat. Wieso ein Kind bei den kantonalen Steuern anders behandelt werden soll als bei der Bundessteuer, bleibt sein Geheimnis.

Dass jemand, der bereits heute keine Steuern bezahlt, logischerweise nicht von einer Steuervorlage profitieren kann, liegt in der Natur der Sache. Aber wir müssen ja auch für diejenigen schauen, welche hart arbeiten und Steuern bezahlen in diesem Land. Von der Vorlage zur Änderung der direkten Bundessteuer profitieren einerseits alle Familien, welche ihre Kinder fremdbetreuen lassen. Diese können ihre effektiven Kosten neu bis 25' 000 Franken geltend machen, bisher war dieser Betrag auf 10' 100 Franken beschränkt.

Andererseits – und dies ist in meinen Augen der wichtigere Teil der Vorlage – profitieren auch alle anderen Mittelstandsfamilien, indem der allgemeine Kinderabzug von 6'500 auf 10' 000 Franken erhöht wird. Dadurch bleibt diesen Familien Ende Jahr etwas mehr Geld im Portemonnaie. Ich stimme deshalb Ja zum höheren Kinderabzug.          

Thomas Haas, Lachen, Fraktionspräsident SVP Kanton Schwyz

Anouk Arbenz, Redaktion March24 und Höfe24