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Leserbrief
Kanton
14.09.2020
22.09.2020 11:30 Uhr

Neues Jagdgesetz: Leserbriefe

Am 27. September wird unter anderem über die Änderung des Jagdgesetzes abgestimmt. Das sind die Meinungen dazu in Ausserschwyz.

Lappi, tue d’Auge uf


«Töten statt schützen» Mit diesen Schlagworten zielen militante Natur- und Tierschützer gegen das neue
Jagdgesetz, über welches wir am 27. September zu befinden haben. Ein Satz, welcher gleichsam für die erst kürzlich in der March gerissenen Schafe stehen könnte – und ein Schlag ins Gesicht für deren Besitzer, welche nun ihre toten Tiere zu beklagen haben. Bund und Kanton haben in einem 46-seitigen Wolfskonzept festgehalten, wie Menschen, Nutztiere und eben auch Wölfe im friedlichen Beisammensein mit- und nebeneinander leben können oder besser gesagt leben sollten. Hunderte von (Steuer-)Millionen werden so in Schutzmassnahmen, Schadensregulierungen und Subventionen gesteckt – genannt Wolfsmanagement.

Liest man besagtes Wolfskonzept – insbesondere jenen Teil des Bundes – durch, so kommt man nicht drum-herum zu glauben, dass dieses Konzept durch städtische Beamte, in gut geschützten Bürogebäuden, mit nicht zu weitem Blick in die reale Aussenwelt verfasst wurde. Die Ängste und Sorgen der Direktbetroffenen auf dem Lande, welche mit dieser Gefahr leben müssen, lassen sich weder durch ein Konzept noch durch ein Management schönreden beziehungsweise wegdiskutieren. Lapidar gesprochen: «Die Letzten beissen die Hunde» oder wie in aktuellen Fällen die Wölfe.

Nach aktueller Gesetzeslage aber ist der «Lappi» jener, welcher für solche schöngeistigen Liebesschwärmereien vom friedlichen Zusammenleben zwischen Menschen, Nutztieren und Wölfen alljährlich einen Teil seiner Steuern abzuliefern hat. «Lappi, tue d’Auge uf», kann ich da nur zurufen – mit der Hoffnung verbunden, dass eine Mehrheit der Stimmbürger die realen Gefahren einer steigenden Wolfspopulation erkennt und den Kantonen – analog zur Jagd auf Wildtiere – die Möglichkeit und Kompetenz gibt, diese auch entsprechend zu regulieren – mit einem gezielten Ja zum Jagdgesetz.

Bernhard Diethelm Vorderthal, SVP-Kantonsrat

 

Neues Jagdgesetz ist ein «Wolf im Schafspelz»


Unser Land hat die Berner Konvention über den Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen 1992 ratifiziert. Demnach ist der Bund schon seit beinahe 30 Jahren für deren Schutz zuständig und hat dies gut gemeistert. Es gibt somit keinen Grund, dass er nun diesen Schutz lockert und die Bestandesregulierung geschützter Tiere den Kantonen delegiert.

Es ist einleuchtend, dass das ver-altete Jagdgesetz neuen -Gegebenheiten angepasst werden muss. Leider hat eine starke Lobby dabei ein «No go» einbauen lassen, und das ist der präventive Abschuss geschützter Tiere durch die Kantone, einzig aufgrund der Tatsache, dass sie Schaden anrichten könnten. Dies ist vordergründig auf den Wolf bezogen worden, trifft aber auch die andern geschützten Arten. Vermutlich sind die nächsten «Ziel-objekte» der Luchs, der Biber und der Bär.

Die Begründung für diesen vorbeugenden Abschuss ist primär landwirtschaftlich bedingt: Der Wolf reisst Schafe (94  Prozent der Wolfsrisse an Nutztieren sind Schafe), ebenso der Luchs und Bär. Biber fällen Bäume. Dabei ist aber der grösste Teil der Landwirte von der Existenz des Wolfes, des Luchses und weiterer geschützten Tierarten nicht bedroht.

Welche Gefahren müssen deshalb die Kantone durch vorbeugende Abschüsse verhindern? Der Bund kann dies besser und sicherer. Die Delegation an die Kantone führt zu Koordinationsproblemen (Corona-Massnahmen lassen grüssen), vor allem da die Tiere die Kantonsgrenzen nicht kennen. Leider steht im Mittelpunkt der Diskussion um das neue Jagdgesetz diese kantonale «Regelung» der Bestände an geschützten Tieren, und damit vor allem Wolf und Schaf.

Im Jahr 2019 wurden in der Schweiz insgesamt 343' 581 Schafe als Nutztiere gehalten, auf Alpen gesömmert werden rund 200' 000. Verlustig gehen 4'700 Tiere, der Wolf reisst circa 400, Luchs und Bär etwa 70. Da stellt sich mir die grundsächliche Frage: Wozu die vielen Schafe in unserem Land? Der Verdacht lässt mich nicht mehr los, dass es da vor allem um Subventionen geht. 21 Millionen leistet der Steuerzahler via Bundessubventionen an die Schafhaltung. Dazu kommen noch 40 Millionen für Offenhaltungs-, Hang-, Steil-lagenbeiträge, graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion, Tierwohlbeiträge, Zucht, Wollverwertung und Käse-herstellung. Was ist der ökologische Nutzen dieser Masse an Schafen? Oder ist der Schaden nicht grösser und eine Reduktion der Bestände wäre sowieso angebracht?

Für mich ist leider einmal mehr ein im Grunde gutes, notwendiges Gesetz durch einige politisch starke Kräfte zur Makulatur gemacht worden – mein Nein zum neuen Jagdgesetz ist sicher.

Robert Bachmann, Wollerau

 

Schützen statt schiessen


Geschützte Tiere sollen durch die Kantone zum Abschuss freigegeben werden können, ohne dass sie einen Schaden angerichtet haben. Mit dem bisherigen Gesetz durften geschützte Arten nur durch den Bund zum Abschuss freigegeben werden, wenn sie grössere Schäden an Nutztieren verursachten oder sich auffällig verhielten.

Bei der Abstimmung vom 27. September wird darüber beschlossen, ob nun geschützte Tiere wie Feldhasen, Birkwild, Biber, Höckerschwäne, Wölfe, Bären oder Luchse, vorbeugend durch Entscheid eines Kantons abgeschossen werden können, ohne dass das Tier einen Schaden angerichtet hat. Diese Tierarten müssen gemäss der von der Schweiz unterzeichneten Berner Artenschutzkonvention geschützt werden. Das neue Jagdschutzgesetz würde das Gegenteil ermöglichen.

Bedrohte Tierarten wie der Feldhase oder das Birkhuhn, welche keinerlei Schaden anrichten, zusammen mit dem Bär und dem Wolf in derselben Abstimmung zum Abschuss freizugeben, kann unmöglich der richtige Weg sein. Das heutige Parlament würde dieses neue JSG gar nicht mehr verabschieden und es wäre kein Urnengang nötig.

Sämtliche Naturschützer sind gegen dieses Gesetz. Ein Grund auch für mich, im Namen aller bedrohten Tierarten, die leider selber keine Stimme haben, am 27. September ein Nein in die Urne zu legen.

Sandra Mächler, Lachen

 

Eine Ohrfeige für alle Naturschützer


Seit zwei Jahren bin ich in der Klimabewegung aktiv. Wir befinden uns momentan nicht nur in einer sich gefährlich erwärmenden Welt, sondern auch mitten im Massensterben der Tierwelt. Gefährdete Tierarten müssten wir eigentlich mit allen Mitteln schützen. Doch was tut der Bund? Mit dem neuen Jagdgesetz hat er es nicht nur verpasst, gefährdete Arten besser zu schützen, er ermöglicht auch, dass bedrohte Tierarten auf Vorrat abgeschossen werden können. Angesichts einer Biodiversitätskrise unvergleichlichen Ausmasses eine Ohrfeige für alle -Naturschützer. Wir können uns am 27. September mit einem Nein zum revidierten Jagd- und Schutzgesetz wehren.

Fabia Hultin, Bäch

 

Ausgewogenes neues Jagdgesetz


Liebe Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, Sie können am 27. September darüber entscheiden, ob ein nicht mehr zeitgemässes Jagdgesetz bestehen bleiben soll oder ob ein ausgewogenes, revidiertes und für die Zukunft der Natur wichtiges Jagdgesetz angenommen wird.

Die Revision war nötig, weil das seit 34 Jahren bestehende Jagdgesetz die Anforderungen an den Tier- und Naturschutz nicht mehr erfüllt. Zudem haben sich die Bestände geschützter Arten wie Wolf, Biber oder Höckerschwan in den letzten Jahren stark vermehrt. Während es 1986 in der Schweiz keinen einzigen Wolf mehr gab, streunten im Jahr 2010 wieder fünf Wölfe durch unser Land und 2019 waren bereits 80 Tiere unterwegs – die Tendenz ist durch die vermehrte Rudelbildung weiter exponentiell steigend.

Die Raubtiere kehren aber nicht in eine unberührte Wildnis zurück, sondern in die vom Menschen dominierte Landschaft mit vielfältigen Ansprüchen und Nutzern. Dies führt zu Konflikten. Vor allem die Präsenz des Wolfes bringt grosse und teils unzumutbare Herausforderungen für die Landwirtschaft, zumal ein geeigneter Herdenschutz nicht überall möglich oder Unverhältnismässig und Untragbar sind. Und die Erfahrung zeigt immer mehr, dass auch Herdenschutzhunde und Zäune keinen sicheren Herdenschutz darstellen, sondern die Massnahmen lediglich der Schadensminderung dienen. Die Wölfe haben gelernt, Schutzmassnahmen zu umgehen. Vermehrte Attacken von Herdenschutzhunde an Erholungssuchende und Wildtiere die sich an Schutzzäunen verletzen, verursachen weitere ungelöste Probleme. Der Wolf bleibt auch mit dem revidierten Jagdgesetz eine geschützte Tierart und darf nicht gejagt werden.

Die Kantone sollen den wachsenden Bestand der Rudel künftig vorausschauend regulieren dürfen, um Schäden bei Schafherden oder den Verlust der natürlichen Scheu vor dem Menschen zu verhindern. Dies etwa, wenn Wölfe gelernt haben, den Herdenschutz zu umgehen oder wenn sie in Siedlungen auftauchen.

Die Lebensräume von freilebenden Wildtieren werden verbessert: Zugvogelreservate, Schutzgebiete und Wildtierkorridore werden dank dem fortschrittlichen Gesetz unterstützt. Das stärkt die Artenvielfalt. Diese
wiederum stabilisiert die Ökosysteme und trägt zum Schutz des Klimas bei.

Ein hoher Wildverbiss verhindert die Verjüngung bestehender und das Nachwachsen junger Wälder. Eine kontrollierte Wildregulierung schützt unsere Wälder vor übermässigen Schäden. Die Pflicht zur Verjüngung der Wälder sowie die nachhaltige Bewirtschaftung mit standortgerechten Baumarten sind im Gesetz enthalten. Die Alp und Berglandwirtschaft kann ihre Aktivitäten dank dem revidierten Jagdgesetz fortführen und weiterhin zu einer für Einheimische und Gäste attraktiven und gepflegten Kulturlandschaft beitragen.

Das revidierte Jagdgesetz ist fortschrittlich, fördert die Artenvielfalt, schützt die Kulturlandschaft, ermöglicht die Pflege der Traditionen und bringt Sicherheit für Menschen, Tiere und Landschaften. Darum sagen wir am 27. September Ja zum revidierten Jagdgesetz.

Hans Marty, Präsident, Hermann Bruhin, Aktuar und Schafzuchtverein March-Höfe, Wangen

 

Ja zum fortschrittlichen Jagdgesetz


Das bestehende Gesetz ist 34 Jahre alt und erfüllt die heutigen Anforderungen nicht mehr. Der Bundesrat hat deshalb – ausgehend von zahlreichen parlamentarischen Vorstössen – ein revidiertes Gesetz vorgelegt, welches vom National- und Ständerat deutlich angenommen wurde. Seit Inkrafttreten des Jagdgesetzes im Jahr 1986 haben sich die Bestände verschiedener Arten wie Biber, Höckerschwan oder Wolf deutlich erhöht. Dadurch kommt es vermehrt zu Konflikten mit der Land- und Alpwirtschaft. Durch die Revision wird das Gesetz mit Augenmass an die jüngsten Entwicklungen angepasst. Spielregeln zur Regulation von geschützten Arten, wie auch dem Wolf, werden klar definiert und dadurch für Rechtssicherheit gesorgt. Deshalb sage ich mit Überzeugung Ja zu diesem zeitgemässen Jagdgesetz.

Albin Fuchs, Euthal, Präsident Bauernvereinigung des Kantons Schwyz

 

Gewehrkugel ist eben billiger als Herdenschutz


Ginge es nach dem neuen Jagdgesetz, so können Wölfe und Biber auf Verdacht hin abgeknallt werden, ohne dass sie Schaden angerichtet haben. Die Befürworter schreiben, die Biber hätten sich enorm vermehrt. Dann solle mir doch einmal einer dieser Unbelehrbaren erklären, wo wir eine Überbevölkerung an Bibern haben, und wieviele es in der Schweiz gibt – 1'000 oder 5'000? Ich vermute höchstens ein paar hundert. Und wo richten sie Schaden an? Fressen sie junge Forellen oder fällen sie ein Bäumchen, das einem Bauern gehört?

Da weiss man über den Wolf schon sehr viel mehr: 2019 wurden 400 Wolfsrisse gezählt. Ganz nebenbei verendeten in der gleichen Zeit 4'200 Schafe an Abstürzen, Steinschlag usw. Noch Fragen? Ich bin sprachlos! Zudem wird dem Schafhalter jedes gerissene Schaf finanziell entschädigt. Da muss der Wolfshass ja riesengross sein. Für eine grössere geschützte Schafherde erhält er 30 '000 Franken vom Bund. Aber eine Gewehrkugel ist eben billiger als ein Herdenschutz-Hund.

Zugegeben, ich verstehe die Bauern, wenn sie sagen, die Stadtmenschen betrachten den Wolf durch eine rosarote Brille, denn sie, die Bauern, müssten ja die toten Tiere entsorgen. Nun, wenn ich mir vorstelle, wie so ein totes Schaf im Schlachthaus mit aufgeschlitzter Kehle an einem Haken aufgehängt zum Ausbluten auch nicht gerade schön aussieht, fehlt mir das Verständnis für die Aufgeregtheit der Bauern.

Die Befürworter erklären, das neue Gesetz bringe mehr Tierschutz und Rechtssicherheit. Also wenn ein
geschütztes Tier auf Verdacht hin abgeknallt werden kann, ist dieser Spruch geradezu ein Hohn. Rechtssicherheit haben nur die Töter, weil sie sich dann bei einer Beschwerde auf das Gesetz berufen können, welches ihnen erlaubt, den geschützten Wolf auf Verdacht hin zu erschiessen – und ein Wolf ist doch immer verdächtig!

Den Abschuss bestimmen dann die Kantone, nicht mehr der Bund. Wenn ich da so an einen Walliser SVP-Regierungsrat denke, welcher öffentlich sagte, Ziel sei die Ausrottung des Wolfes, weiss man, was die Stunde geschlagen hat. Im Wallis läuft sogar eine Initiative mit dem Motto: Das Wallis ohne Grossraubtiere. Sie wollen also auch noch den Luchs ausrotten.

Nicht der Wolf mit seiner Rückkehr ist das Problem, sondern die uneinsichtigen Jäger, Bauern und rechtskonservativen Politiker. Deshalb stimme ich mit einem wuchtigen Nein gegen das neue Jagdgesetz.

Leo Kuoni, Pfäffikon

 

Lassen wir die Vernunft siegen


Die Revision des Jagdschutzgesetzes erhitzt nicht nur die Gemüter von Bauern, Schafhirten und Jagdbegeisterten. Auch in der übrigen Gesellschaft findet das Thema grossen Anklang, wie ich bereits bei einer Unterschriftensammlung für das Zustandekommen eines Referendums im Herbst 2019 feststellen durfte. Interessant, aber an sich wenig überraschend war für mich, dass der Wolf an diesem Tag sehr oft zur Sprache kam. Dabei zielt die Gesetzesrevision gar nicht nur auf den Wolf ab. Mit der künftigen Gesetzgebung kann der Bundesrat selbst geschützte Tierarten wie den Höckerschwan, den Fischotter oder den Biber auf die Liste der regulierbaren Arten setzen. Und dies ganz ohne Zustimmung des Volkes oder des Parlaments.

Das Prekärste an dieser Revision ist für mich der Fakt, dass die Tiere, welche nach Durchkommen dieser Gesetzesänderung zum Abschuss freigegeben werden können, keine Schäden angerichtet haben müssen. Die alleinige Anwesenheit des Tiers reicht völlig aus. Dies übrigens auch dann, wenn keine zumutbaren Massnahmen wie Herdenschutz oder Ähnliches getroffen wurden. Dies darf nicht sein. Wir haben innert des letzten Jahrhunderts viele Arten schon beinahe oder komplett ausgerottet. Daraus sollten wir gelernt haben.

Bei einem Ja zum neuen Jagdschutzgesetz haben Tiere einmal mehr das Nachsehen. Als wären ein stetig schwindender Lebensraum und immer weniger Rückzugsorte nicht schon genug. Lassen wir es nicht so weit kommen, lassen wir die Vernunft siegen.

Ich setze mit einem Nein am kommenden 27. September ein wichtiges Zeichen – nicht nur für den Wolf – sondern für eine Vielzahl an Tierarten und unsere wunderbare heimische Natur.

Corinne Bamert, Rapperswil

 

Nein zum Jagdgesetz


Zum Sommer gehören neben dem Geruch von Sonnencreme auch durch die Lüfte jagende Schwalben. Jedes Jahr fliegen sie Tausende Kilometer aus ihren Afrikanischen Winterquartieren zu uns, um hier zu brüten. Nun kann es aber sein, dass sie bei ihrer Rückkehr nächstes Jahr ihr kunstvoll gebautes Nest nicht mehr finden. Denn der Bundesrat will ihren Schutz in der Verordnung zum Jagdgesetz schwächen. Er legt fest, dass der momentan bestehende ganzjährige Schutz der Schwalbennester aufgehoben werden soll.

Warum er dies tut, bleibt schleierhaft. Schliesslich wird er nicht müde zu betonen, dass das Jagdgesetz positiv für die Natur sei. Die Umweltorganisationen konnte er davon nicht überzeugen, sie sind alle unisono gegen das Gesetz. Die Jagdverordnung macht endgültig klar, welchen «Geist» das Jagdschutzgesetz tatsächlich verkörpert. Daher sage ich – im Interesse der Schwalben – am 27. September klar «Nein» zum neuen Jagdgesetz.

Vera Ziltener, Lachen

 

Herdenschutz statt Wolfsabschuss


Das revidierte Jagdgesetz schiesst weit über das Ziel hinaus. Unsere Parlamentarier haben den Schutz des Wolfes viel stärker gelockert, als der Bundesrat ursprünglich vorgeschlagen hat. Aus einem Jagdschutzgesetz wurde nun ein Abschussgesetz, das dem heute so dringlichen und unerlässlichen Arten- und Naturschutz in keiner Art und Weise gerecht wird.

Nach dem neuen Jagdgesetz dürften Wolfsrudel reguliert werden, sobald nur schon ein Schaden droht, das heisst ohne dass sie Schaden angerichtet haben und ohne dass vorgängig zumutbare Herdenschutzmassnahmen umgesetzt werden.

Gemäss Bund hat eine Untersuchung gezeigt, dass Herdenschutzmassnahmen zu einem 98%-igen Schutz der Tiere gegen Raubtierangriffe führen. Und genau solche wirksame Herdenschutzmassnahmen müssen nach neuem Jagdgesetz NICHT mehr umgesetzt werden. Doch ohne Herdenschutz droht logischerweise immer Schaden. Das revidierte Jagdgesetz wäre quasi ein Freipass für die Kantone, um jährlich die Hälfte der geborenen Jungtiere eines Wolfsrudels über den Regulierungspassus abschiessen zu können. 

Eine solche Lockerung der Herdenschutzverpflichtung ist völlig unverständlich. Denn gerade in Rudelgebieten ist es enorm wichtig, dass wirksame Herdenschutzmassnahmen umgesetzt werden, damit die jungen Wölfe von Beginn an lernen, dass Schafe und Ziegen keine einfache Beute sind. Dass Herdenschutz funktioniert, beweisen alle Alpen, welche zum Teil schon seit Jahren sehr erfolgreich Herdenschutzmassnahmen umsetzen. Wie beispielsweise die Alpen in der Calanda-Region, wo das ansässige Wolfsrudel praktisch keine Nutztierschäden mehr verursacht. Was beim Calanda-Rudel funktioniert, funktioniert auch bei anderen Rudeln, sofern die Massnahmen lückenlos umgesetzt werden. Herdenschutz ist jedoch eine Willens- und Einstellungssache und beginnt im Kopf! Dazu sind leider viele noch nicht bereit.

Jährlich werden rund 400 Schafe vom Wolf gerissen. Es sterben aber viel mehr Schafe während des Alpsommers durch Krankheiten, Abstürze, Stein- oder Blitzschlag und weiteres. Früher starben bis 10' 000 Schafe auf den Schweizer Alpen. Seit wieder vermehrt Herdenschutz betrieben wird, sank die Zahl der sogenannten «natürlichen Abgänge» auf circa 4'000 Schafe. Durch die Behirtung können viele Unfälle und Abstürze verhindert und Krankheiten frühzeitig behandelt werden und somit überleben dank Herdenschutz generell mehr Schafe den Sommer auf der Alp.

Um Schäden zu vermeiden, braucht es wirksamen Herdenschutz und keine Wolfsabschüsse. Nur so funktioniert ein langfristiges Nebeneinander von Mensch, Wolf und Nutztieren.

Christina Steiner, Präsidentin Verein CHWOLF, Einsiedeln

Jagdgesetz ist eine Mogelpackung

Die Befürworter des neuen Jagdgesetzes erwähnen nur die Möglichkeit, den Wolf zu schiessen. Tatsächlich können aber mit dem neuen Gesetz irgendwelche Tiere und Vögel zum Abschuss freigegeben werden. Würde der Bundesrat nach Annahme des Gesetzes beschliessen, eine bestimmte Art zu töten, kann weder das Parlament noch das Volk etwas dagegen unternehmen. Eine Mogelpackung, die der Willkür Tür und Tor öffnet. Daher ist für mich ein kräftiges Nein zum neuen Jagdgesetz die einzige Antwort.

Kuno Jäggi, Präsident BirdLife, Freienbach

 

 

 

Und wenn man Wölfe nicht mag?

Der Schwendeler Wolf hat zugebissen. Ja, tatsächlich. Er hat Schafe gerissen und Schaden angerichtet. Das ist unschön, aber der Wolf ist und bleibt ein Grossraubtier. Bis jetzt entschied der Bund, wie viele und welche Tiere abgeschossen werden durften.

Im neuen Vorschlag sollen nun die Kantone entscheiden, wie gross der Bestand an (Gross-)Raubtieren in ihrem Gebiet sein soll. Welcher Wolf kennt schon die Kantonsgrenzen? Zusätzlich bringt die Revision Verschlechterungen generell im Artenschutz, denn seltene, geschützte Tierarten (Biber, Graureiher, Luchs, Steinbock usw.) können jederzeit auf die Liste der regulier-baren Arten gelangen und somit zum Abschuss freigegeben werden.

Ich kann nachvollziehen, dass der Wolf Ängste hervorruft, aber eine Abdelegation an die Kantone ist definitiv fehl am Platz. Aus diesen Gründen sage ich nein zum neuen Jagdgesetz.

Verena Vanomsen, Freienbach

Anouk Arbenz, Redaktion March24 und Höfe24