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Siebnen
30.09.2021

Es ist vollbracht: Atzeni holt seinen zehnten Steher-Titel

Zuoberst auf dem Podest: Giuseppe Atzeni zusammen mit Schrittmacher Mathias Luginbühl.
Zuoberst auf dem Podest: Giuseppe Atzeni zusammen mit Schrittmacher Mathias Luginbühl. Bild: zvg
Mit vielen Nebengeräuschen auf und neben der Offenen Rennbahn holt der Siebner Giuseppe Atzeni spät am Dienstagabend seine zehnte Schweizer Stehermeisterschaft. Das hat es noch nie gegeben.

Zuerst das Sportliche: Vor zwei Jahren holte der Siebner Radrennfahrer Giuseppe Atzeni seinen neunten Titel. Das wollte er damals unbedingt, denn damit hatte er sich in die Schweizer Radsport-Geschichtsbücher eingetragen. Neun Schweizer Steher-Titel hatte vor ihm noch niemand geschafft. Nun, nach einem Jahr Unterbruch und einer wegen des Wetters verkorksten Bahn-Saison, setzte sich der 43-Jährige mit seinem Schrittmacher Mathias Luginbühl erneut durch.

Auf der Offenen Rennbahn in Oerlikon war das Rennen am Dienstagabend auf 120 Runden angesetzt. Als einziger richtiger Herausforderer erwies sich ausgerechnet Atzenis Zögling, der Reichenburger Jan Freuler, der nach der Zielflagge als einziger Rennfahrer ohne Rundenverlust auf Atzeni bleiben sollte. Die restlichen drei Rennfahrer verloren auf den ambitionierten Siebner zehn und mehr Runden. Vor einer Woche waren es noch zwei Bahnrunden gewesen.

Diesen zehnten Meistertitel hat Atzeni mit aller Kraft gewollt – und auch erreicht. Das ist ihm zu gönnen. Er will auf jeden Fall noch so lange weiterfahren und junge Fahrer nachziehen, bis ihm der Spass am Stehersport vergeht. Dass er momentan in der Schweiz einer der ganz wenigen ist, der die aussterbende Sportart noch mit grösstem Herzblut verfolgt, dafür kann er nichts.

Finanzielle Basis fehlt

Atzeni glaubt nicht, dass der Stehersport am Aussterben ist. Er sieht einen Silberstreifen am Horizont. «Es gibt wieder mehr Junge, die sich für den Stehersport interessieren.» Das habe sich in den letzten Rennen gezeigt. In Italien werden zudem neue Bahnen gebaut, auf denen Rennen stattfinden sollen. «Ich sehe die Sportart nicht aussterben, sondern eher wieder ein wenig im Aufwind», sagt der Siebner. Trotzdem fehlt es dem Sport mit dem Verschwinden der Sechstagerennen schlichtweg europa- und weltweit an einer soliden finanziellen Basis. Zudem kommen keine Fördergelder aus der Kasse von Swiss Cycling, weil die Sportart nicht olympisch ist.

Wieso nicht schon vorher?

Atzenis zehnter Meistertitel am Dienstagabend wirft zudem einige kritische Fragen auf. Für die Schweizer Meisterschaften gibt es ein Reglement, das besagt, dass für ein gültiges Resultat an mindestens sechs Fahrer antreten müssen (wir berichteten). Allerdings gibt es offenbar auch einen Passus, dass mindestens 90 Prozent davon am Start sein müssen. Nimmt man die fünf Gestarteten auf der Offenen Rennbahn, wären dies etwas knapp über 80 Prozent.

Warum am letzten Dienstag das Rennen trotzdem als Schweizer Meisterschaft gewertet worden ist, bleibt das Geheimnis von Swiss Cycling und dessen an der Rennbahn in Oerlikon anwesenden Funktionärs. Denn: Genau das gleiche Szenario hat sich vor Wochenfrist schon präsentiert. Logischerweise hätte also bereits jenes Rennen nachträglich als Schweizer Meisterschaft gewertet und der «rote Sack» mit dem Schweizer Kreuz sowie die Goldmedaille nachträglich an Atzeni überreicht werden müssen.

Trotz aller Nebengeräuschen: Der Sieg und der Rekord von Giuseppe Atzeni ist definitiv verdient, nur schon für seinen Einsatz für den Stehersport.

Franz Feldmann, Redaktion March24 & Höfe24