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Lifestyle
03.07.2021
02.07.2021 15:27 Uhr

Folge 2: An den schönsten Orten dieser Erde einschlafen

In unserer Serie erfahrt ihr von Pam & Angi alles rund um das Campen.
In unserer Serie erfahrt ihr von Pam & Angi alles rund um das Campen. Bild: zvg
Das Camping Einmaleins – Sobald man unabhängig von Campingplätzen sein möchte, begibt man sich in vielen Ländern auf unwegsames Gelände. Denn das «Wildcampen» oder «Freistehen» ist nicht überall erlaubt – aber auch nicht überall direkt verboten. In diesem zweiten Teil des «Camping 1x1» widmen wir uns dem Thema «Schlafen im Campervan».

Was ist denn nun «Wildcampen» und was wird als «Freistehen» bezeichnet? Das ist leider nicht eindeutig definiert. Grundsätzlich kann man allerdings sagen, dass das Freistehen eher einer Übernachtung gleicht, bei der man sich grösstenteils im Büssli aufhält und keine erkenntlichen Camping-Utensilien vor dem Van stehen hat.

Beim Wildcampen hingegen begibt man sich schon eher in eine Grauzone, da man hier abseits gekennzeichneter Plätze wirklich am Campieren ist – Markise ist ausgeklappt, der Tisch und die Stühle sind parat und der Grill geht seiner gewohnten Arbeit nach. Allerdings ist das reine Ansichtssache. Es gibt keine festgelegte Definition der Begriffe und daher auch keine definitive Aussage, was nun noch erlaubt und was verboten ist. 

In der Schweiz hat man Recht

Die Grundlage zum Wildcampen in der Schweiz bildet das sogenannte «Jedermannsrecht» respektive das «Jedermannszutrittsrecht». Dies erlaubt es grundsätzlich, für ein bis zwei Nächte zu übernachten. Schilder weisen auf etwaige Ausnahmen hin. Das Freistehen mit einem Wohnmobil oder Campervan ist gesetzlich also nicht direkt verboten. 

von links nach rechts: Stellplatz in Schmerikon beim Strandbad. I Stellplatz im Stadtpark in Leipzig, Deutschland. I Stellplatz im Süden von Sardinien direkt am Hang mit Blick übers Tal. Bild: zvg

Trotz der allgemeinen Erlaubnis gibt es Ausnahmen. So ist Wildcampen in den folgenden Gebieten generell verboten: Schweizerische Nationalparks, Eidgenössische Jagdbann-gebiete (Wildschutzgebiete), diverse Naturschutzgebiete und in Wildruhezonen (während der Schutzzeit). Oberhalb der Waldgrenze, auf alpinen Weiden und in felsigem Gelände darf man ohne Probleme sein Lager aufschlagen. 

Aber bitte immer mit Rücksicht

Trotz der allgemeinen Erlaubnis zum Wildcampen bzw. Freistehen wird natürlich immer zu Rücksicht gegenüber Mensch und Umwelt gebeten. So sollte man in unmittelbarer Nähe von Berghütten, Klettergebieten oder grundsätzlich in Wäldern, Auen und Feuchtgebieten auf das Campieren verzichten. Zudem gilt bei jeder Art von Camping – egal ob wild oder auf Campingplätzen: den Platz immer sauberer verlassen, als man ihn vorgefunden hat. So macht man nicht nur der Umwelt einen Gefallen, sondern sorgt auch dafür, dass andere Camper denselben Ort ebenfalls weiterhin geniessen dürfen. 

Wildcampen in Europa

In der EU sieht das schon wieder ganz anders aus. In vielen Ländern ist das Campen ausserhalb von Campingplätzen streng verboten und kann mit hohen Bussen geahndet werden. Doch auch hier gibt es Ausnahmen. Ein Beispiel: in Italien wird das Freistehen meistens geduldet, obwohl es eigentlich verboten ist – vor allem wenn man freundlich bittet oder nachfragt. In Skandinavien wiederum ist sowohl das Freistehen als auch Wildcampen grundsätzlich erlaubt. Manchmal für maximal 48 Stunden (Norwegen), oftmals auch völlig uneingeschränkt (Schweden). Wenn man Ferien in der DACH-Region plant, sollte man wissen: in Deutschland und Österreich herrscht ebenfalls keine einheitliche Regelung – somit verhält sich die Sachlage hier ähnlich wie in der Schweiz. 

Die Stellplatzsuche

Der Reiz in der freien Natur zu stehen, entweder direkt im Wald, auf einem Berg oder am Wasser, ist beim Campen allgemein recht gross. Daher steigt mit der grösser werdenden Camping-Community natürlich auch der Andrang auf diese Art von «Schlafplätzen» stark an. Wir haben fast alle Arten von Schlafplätzen ausprobiert und grundsätzlich lässt sich sagen: Dort, wo nicht jeder hinkommt oder sich nicht jeder hin traut, bekommt man fast immer einen Platz. Das sind mit Abstand auch die schöneren Plätze und man ist praktisch für sich alleine. 

Man sollte bei der Wahl des Schlafplatzes jedoch auch immer die Konsequenzen einkalkulieren. Es ist nicht für jeden etwas, an einem verlassenen Strandabschnitt zu stehen oder mitten auf einem Feld in Schweden. Ausserdem muss man immer damit rechnen, dass man kontrolliert wird und sich rechtfertigen muss. Wer bereit ist, das Risiko einzugehen, wird mit atemberaubenden Stellplätzen belohnt. 

Links: Stellplatz direkt auf der Glaubielenpasshöhe. I Rechts: Stellplatz direkt am Meer in Livorno, Italien. Bild: Philip Michael und Angela Ruoss

Der Stellplatz an sich

Hat man dann einen Stellplatz gefunden, der einem zusagt, sollte man sich richtig stellen. Möchte man morgens mit Blick aufs Meer, die Berge oder das Tal aufwachen? Ist der Camper ungefähr ausnivelliert? Denn oftmals hat die Position des Campervans einen grossen Einfluss auf den Schlaf der Camper. Hier bieten sich Radkeile an, um den Van einigermassen gerade zu stellen. Auf die Radkeile und weiteres Equipment gehen wir im weiteren Verlauf der Camping-Serie noch im Detail ein. 

Ein weiterer Tipp: Man sollte nie zu spät oder gar in völliger Dunkelheit einen Stellplatz aufsuchen. Erstens hat man dann nichts mehr von der tollen Aussicht, zweitens kann man sich nie sicher sein, ob es nun in Ordnung geht, hier zu stehen, und drittens ist das Befahren von unwegsamen Gelände bei Nacht in vielen Teilen der Welt unverantwortlich der Flora und Fauna gegenüber. 

Freistehen in der Umgebung – unsere Top 5

Für alle, die gerne auch mal in der unmittelbaren Umgebung Übernachten möchten, haben wir unsere Top 5 Spots zusammengetragen. Bei der Auswahl sind unsere eigenen Kriterien erfüllt – schöne Aussicht, günstig oder sogar kostenlos, teilweise mit Wasser/Strom. Es handelt sich nicht um Campingplätze. Wir bitten alle Camper, die Plätze von Abfall und Verschmutzung frei zu halten. Es gibt sogar einen Stellplatz direkt bei uns ums Eck in Buttikon. Dieser ist in der Auflistung allerdings nicht enthalten, da er für uns nicht so interessant ist wie die anderen: 

1.  Uerikon: Parkplatz an der Strasse und direkt am Zürichseeufer, mit Badeeinstieg, kleinem Kiosk und WC (tagsüber)

2.  Schmerikon: grosser Parkplatz neben dem Strandbad, teilweise mit Wasser/Strom

3.  Feusisberg: Parkplatz am Waldrand

4.  Mühlehorn: Parkplatz hinter dem Bahnhof am Walensee

5.  Gross: Parkplatz direkt am Ufer des Sihlsees

Kurzer Stopp am Zürichsee (Uerikon). Bild: Philip Michael und Angela Ruoss

Zur Serie

Angela Ruoss und Philip Michael, beide Anfang 30, wohnen in Buttikon und haben sich vor rund einem Jahr einen Pössl 2Win Plus gekauft, den sie auf den Namen «Nobody» tauften. Auf seinem Instagram-Kanal @pamxangi zeigt das Paar seine Erlebnisse und Erfahrungen beim Campen und gibt Tipps. Gerade auch während der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass man mit einem Camper sehr flexibel ist, weshalb sich unsere Sommerserie ganz dem Thema Camping widmet.

Philip Michael und Angela Ruoss