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Pfäffikon
30.11.2021
30.11.2021 10:09 Uhr

Bei Auseinandersetzung Messer in der Hand – folgt jetzt der Landesverweis?

Bild: unsplash.com
Das Strafgericht verurteilte einen Asylbewerber, der in Pfäffikon in eine Auseinandersetzung verwickelt war.

Auf offener Strasse kam es am 4. Februar in Pfäffikon zwischen zwei Asylbewerbern zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung. Ein heute 26-jähriger Afghane hatte dabei ein Rüstmesser, mit dem er kurz zuvor in der gemeinsamen Unterkunft Karotten geschält hatte, in der Hand. Bei der Rangelei, die sich zwischen den beiden ergeben hatte, verletzte er mit dem Messer seinen Kontrahenten an der Hand, im Brustbereich und am Hals.

Lebensgefährliche arterielle Blutung 

Die Staatsanwältin klagte den Afghanen wegen versuchter schwerer Körperverletzung an. Er habe keinen Grund gehabt, ein Messer in der Hand zu halten, nachdem ihn sein Kontrahent nach einem verbalen Streit in der Küche nach draussen zu einem Gespräch aufgefordert habe. Er habe mit dem Messer unkontrolliert auf Höhe des Brust- und Halsbereichs des Opfers herumgefuchtelt und ihm dabei Schnittverletzungen zugefügt. Eine Schnittverletzung an der linken Hand habe zu einer lebensgefährlichen arteriellen Blutung geführt, die nur durch eine schnelle ärztliche Versorgung habe gestoppt werden können. Die Anklägerin forderte für den Beschuldigten eine zwölfmonatige, bedingte Freiheitsstrafe sowie einen obligatorischen Landesverweis von fünf Jahren.

Opfer griff in die offene Klinge des Messers

Er habe das Messer nur zufällig und unbewusst in der linken Hand gehalten, ohne es gebrauchen zu wollen, sagte der Beschuldigte. Sein Verteidiger verlangte einen Freispruch. Das Opfer habe sich selbst verletzt, weil er dem Beschuldigten mit Gewalt das Messer entreissen wollte und dabei in die offene Klinge griff. Diese sei dabei erheblich verbogen worden. Zudem bestritt der Verteidiger, dass das Opfer, das an der Rangelei aktiv beteiligt war, lebensgefährliche Verletzungen davongetragen habe. Die Schnittwunden hätten alle ambulant versorgt werden können.

Möglich, dass der Landesverweis nicht durchführbar ist

Das Strafgericht bestrafte den Beschuldigten vollumfänglich gemäss den Anträgen der Staatsanwältin. Weil er das Rüstmesser in der Hand gehalten und damit herumgefuchtelt habe, seien die Verletzungen entstanden, die er zumindest in Kauf genommen habe. Zwar habe das Opfer auch zum Ergebnis beigetragen, aber die Situation sei durch das Messer verschlimmert worden. Es liege kein persönlicher Härtefall vor, um den obligatorischen Landesverweis zu umgehen. Der Beschuldigte sei erst seit sieben Jahren in der Schweiz und nicht integriert. Er könne als Afghane eventuell darauf hoffen, dass die Ausschaffung aufgrund der politischen Lage in seinem Heimatland noch nicht durchführbar sei. Das müsse die Vollzugsbehörde entscheiden.

Ruggero Vercellone, Freier Mitarbeiter March24 & Höfe24