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Reichenburg
24.11.2021

Feuerwehr spielt nicht länger Taxi für First Responder

Den Ernstfall gemeinsam geprobt: Das Bild von der Hauptübung der Feuerwehr Reichenburg zeigt die Patientenübergabe von Atemschutz an das Sanitätsersteinsatzelement (SEE) Reichenburg bei der Patientensammelstelle.
Den Ernstfall gemeinsam geprobt: Das Bild von der Hauptübung der Feuerwehr Reichenburg zeigt die Patientenübergabe von Atemschutz an das Sanitätsersteinsatzelement (SEE) Reichenburg bei der Patientensammelstelle. Bild: zvg
In der Gemeinde Reichenburg sollen die First Responder in Zukunft nicht mehr von der Feuerwehr transportiert werden. Sie sollen selbstständig an Einsätze fahren, es sei denn, die Feuerwehr alarmiert sie.

Wenn Hans Muster einen Herzkreislaufstillstand erleidet, bietet die Einsatzleitzentrale automatisch den First Responder vor Ort auf. Sie überbrücken die Zeit, bis der Rettungsdienst eintrifft, mit Herzdruckmassagen oder dem Einsatz eines Defibrillators, wenn nötig. In den meisten Fällen wird der First Responder von der Feuerwehr direkt vom Lokal aus mit Blaulicht zum Einsatzort gefahren. Vereinzelt verfügen First Responder in der March über eigene Einsatzfahrzeuge oder fahren mit ihren Privatfahrzeugen. Dies sollen sie per 1. Dezember auch in Reichenburg tun. Zumindest bestätigt Gemeindepräsident Armin Kistler, dass es Gespräche zu diesem Thema gibt. «Diese Gespräche sollen jetzt aber zuerst intern geführt werden », erklärt er seine zurückhaltende Antwort.

Gerüchteküche brodelt

Unseren Recherchen zufolge brodelt es auch punkto Zusammenarbeit mit dem Sanitätsersteinsatzelement (SEE). Das SEE soll nur noch dann zum Tragen kommen, wenn der normale Einsatzverbund – Feuerwehr, Polizei, Sanität – an seine Grenzen stosse. Aktuell sei es aber zur Gewohnheit geworden, dass es bei jedem Einsatz vor Ort ist. Dies sei schlicht nicht notwendig, soll es von der Führungsebene heissen. Die Entscheidung, ob es das Sanitätsersteinsatzelement braucht oder nicht, soll den Blaulichtorganisationen obliegen.

Weiter heisst es, dass das Amt für Gesundheit und Soziales bemüht sei, den Leuten möglichst viele Übungs- und Einsatzmöglichkeiten zu verschaffen, um den Sinn und Zweck ihrer Arbeit beliebt zu machen. Entsprechend sei das SEE schon des Öftern für die Betreuung der Feuerwehrkameraden eingesetzt worden. Dazu Armin Kistler: «Feuerwehr sowie SEE und First Responder unterstehen kantonalverschiedenen Ämtern und haben andere gesetzliche Vorgaben respektive Richtlinien. Dies widerspiegelt sich auch in den Aus- und Weiterbildungen dieser Einheiten. Dass dies dann auf kommunaler Ebene zu Spannungsfeldern führen kann, ist leider praktisch vorprogrammiert. Diese Spannungen gilt es jetzt, so gut wie möglich aufzulösen.»

Ersthelfer retten Leben: Die First Responder in der Gemeinde Reichenburg sollen in Zukunft eigenständig zu Einsatzorten fahren. Bild: Procamed / ZOLL Medical

Kündigung für First Responder bereits ausgesprochen

Alicia Vitali, Präsidentin des Samaritervereins Reichenburg, kann und möchte im Moment nicht viel zu den Geschehnissen sagen. Vieles sei Gegenstand von Diskussionen. Sie bestätigt aber, dass per 1. Dezember seitens der Feuerwehr der Transport der First Responder gekündigt worden ist.

Vitali hofft nach wie vor auf eine Lösung mit Gemeinde und Feuerwehr. «Wir haben mit den Fahrern der Feuerwehr bisher eine sehr gute Zusammenarbeit gehabt», sagt sie. Es wäre schön, diese zum Wohle der Bevölkerung fortführen zu können. Die Vorteile, wenn sie weiterhin mit der Feuerwehr fahren können, liegen ihrer Meinung nach auf der Hand. «Die Feuerwehr ist sehr ortskundig, so dass wir schneller und sicherer am Einsatzort ankommen. » Auf dem Weg konnten sich die First Responder bisher jeweils absprechen, wer was machen wird. So trafen sie als eingespieltes Team vor Ort ein. Dies sei wichtig, wenn Sekunden über Leben und Tod entscheiden würden. «Fährt jeder allein, sind wir zuerst mit der Parkplatzsuche beschäftigt. Zudem sind nicht nur mehrere Fahrzeuge vor Ort, es fällt auch die Absprache im Vorfeld weg. Auch hat der Feuerwehrmann in der Vergangenheit gleich das Einweisen des Rettungswagens übernommen, so dass wir uns weiter um den Patienten kümmern konnten.» Beim Ausrücken mit dem eigenen Fahrzeug stelle sich auch die Versicherungsfrage.

Ungewissheit für Handhabung bei Ernstfall bleibt 

Fakt ist, dass die First Responder in den letzten Jahren je zwei bis vier Einsätze hatten. Das SEE Reichenburg keinen. Trotzdem müssen sich die Verantwortlichen nun überlegen, wie es ab 1. Dezember weitergehen soll. Denn Vitali gibt zu, nicht genau zu wissen, ob denn das SEE weiter transportiert werde, wenn es die First Responder nicht mehr werden. Für die Bürger von Reichenburg ist zu hoffen, dass sich die Wogen zwischen Feuerwehr, Gemeinde SEE und First Responder bald zum Besseren legen. Denn im Grunde haben doch alle das gleiche Ziel: «Die Sicherheit der Bürger», so Vitali.

Silvia Gisler, Redaktion March24 & Höfe24