Home Region Sport Agenda In-/Ausland Magazin
Pfäffikon
29.10.2021
29.10.2021 13:57 Uhr

«Fehler zu machen, ist in den USA normal und akzeptiert»

Moderatorin Karin Frei, Alfred Mettler und Thomas Heller (v.l.n.r.)
Moderatorin Karin Frei, Alfred Mettler und Thomas Heller (v.l.n.r.) Bild: Daniel Koch
Am Anlegerpodium der Schwyzer Kantonalbank legte Professor Alfred Mettler seine Sicht auf die USA dar. Dabei zeigte sich ein ambivalentes Bild.

Die USA gelten gemeinhin als Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Aber stimmt das heute immer noch? Am Anlegerpodium der Schwyzer Kantonalbank (SZKB) im Seedamm Plaza Pfäffikon bot Alfred Mettler den geladenen Kunden des Private Bankings am Dienstagabend eine differenzierte Sicht auf das Land.

«Die USA haben eine Risikokultur»

Einen entscheidenden Unterschied zur Schweiz oder auch anderen europäischen Ländern macht wohl immer noch der Umgang mit dem Scheitern aus. «Die USA haben eine Risikokultur, Risiken sind akzeptierter Teil des Lebens», so Mettler. «Shit happens» eben, wie es Forrest Gump seinerzeit im Film ausdrückte.

So erlaube das Konkursgesetz eine Restrukturierung der Firmen, weswegen die meisten wieder auf die Beine kommen könnten und nicht wie bei uns tatsächlich in Konkurs gingen. So hätten sich in den USA beispielsweise alle Airlines nach der Coronakrise bereits wieder gut erholt.

Die USA sind ein gespaltenes Land

Dennoch kann man bezüglich der wirtschaftlichen Prosperität eine Zäsur feststellen. «Nach dem Ende der Präsidentschaft von Bill Clinton erlebte das Land eine Art Nirvana», sagt Mettler. Damals seien die Vereinigten Staaten noch die mit Abstand stärkste Wirtschaftsmacht gewesen.

«Clinton war der letzte Präsident, der noch ein ausgeglichenes Budget hinbrachte.» Drei Präsidenten und 20 Jahre später präsentiere sich für Joe Biden ein Land, das sich fundamental anders zeige und politisch gespalten sei wie nie zuvor.

Ein Problem ortete Mettler aber beim obersten Gericht, dem Supreme Court. Heute sei das Gremium ein rein politisches, was weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen könne. Auch die anhaltende politische Blockade,die Lügenkultur, die Verschuldung auf allen Ebenen, das vernachlässigte Ausbildungssystem und eine kranke Bevölkerung gekoppelt mit einem teuren Gesundheitssystem, fielen negativ ins Gewicht.

Können sich stets neu erfinden

Mit dem unerschütterlichen Optimismus, der dem Land in fast irrationaler Weise immer wieder geholfen habe, sei aber auch die Fähigkeit, sich wiederum neu zu erfinden, nach wie vor gross. Die USA seien immer noch das Land der Unternehmer, pro Tag gebe es 1000 neue Start-ups. Immer noch seien die USA die grösste Wirtschaftsmacht.

Gigantischer Schuldenberg hin oder her: Die USA können laut Mettler gar nicht bankrott gehen. «Das Land kann beliebig viele Dollars drucken, weil der Dollar die Weltwährung ist.» Diese wirtschaftliche Vormachtstellung untermauerte auch Thomas Heller, Leiter Research und Chief Investment Officer der SZKB.

Grosse Einkommens-Ungleichheit

Problematisch sei aber die grosse Ungleichheit beim Einkommen. Der Gini-Koeffizient, ein Mass, das diese Ungleichheit ausdrückt, liege in den USA derzeit bei über 41, in Schweden liege der Wert bei 30. Während der Corona-Krise habe im letzten Jahr zudem ein Drittel der arbeitstätigen Bevölkerung einen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung stellen müssen.

Als top beurteilt Heller hingegen den US-Aktienmarkt. Auf dem Weltaktienmarkt hätten die USA mit fast 60 Prozent mit Abstand am meisten Gewicht. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Japan (6,2 Prozent) und China (4,1 Prozent). Aus Anlegersicht spreche nach wie vor einiges für die USA. Zum Beispiel die «ease of doing business », übersetzt etwa «die Leichtigkeit des Geschäftens», oder die starke Vertretung des zukunftsträchtigen Technologiesektors.

Daniel Koch, Redaktion March24 & Höfe24