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28.10.2021
28.10.2021 09:09 Uhr

Vom Bruttonationalglück und den verrückten Skandinaviern

Reto Lipp (links), Andreas Baurraud (unten Mitte), Maike van den Boom (oben Mitte), Professor Reiner Eichenberger (oben rechts), Anna Baumann (oben rechts)
Reto Lipp (links), Andreas Baurraud (unten Mitte), Maike van den Boom (oben Mitte), Professor Reiner Eichenberger (oben rechts), Anna Baumann (oben rechts) Bild: Anouk Arbenz
Am 15. Wirtschaftsforum des Kantons Schwyz am Dienstag wurde über den Zusammenhang zwischen Glück und BIP-Wachstum referiert. Die rund 400 interessierten Gäste füllten den Saal im Seedamm Plaza.

Nachdem das Wirtschaftsforum 2020 aus bekannten Gründen ausgefallen war, zog es dieses Jahr umso mehr Schwyzerinnen und Schwyzer nach Pfäffikon ins Seedamm Plaza.

Gewohnt kompetent und pointiert führte Moderator Reto Lipp am Dienstag durch den Abend des 15. Wirtschaftsforums, das sich der Frage widmete, inwiefern Wohlbefinden und Glück Einfluss auf das Bruttoinlandprodukt (BIP) haben.

Grundsätzlich ginge man umgekehrt nämlich davon aus, dass ein höheres BIP pro Kopf mehr Wohlstand und Lebensqualität zur Folge habe, wie Regierungsrat Andreas Barraud in seiner Begrüssungsrede ausführte. Dass Wirtschaftswachstum glücklich und zufrieden mache, stimme aber nur bedingt. «Ab einem gewissen Einkommen steigt das Wohlbefinden nicht mehr gleich stark an», so der Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Schwyz. 

An der Urne den Frust rauslassen

Dass das Glück eben auch von sogenannten «immateriellen Faktoren» wie Gesundheit, Bildung, Sicherheit und Qualität der Umwelt abhängt, davon ist auch Professor Reiner Eichenberger von der Universität Freiburg überzeugt.

Natürlich sei das Geld wichtig, «denn damit kann man sich Immaterielles wie Gesundheit, soziale Anerkennung oder Sicherheit kaufen». Viele Forscher hätten die Wirkung von Geld auf das Glück lange unterschätzt. So sei zum Beispiel wichtig, woher das Geld kommt – selbst verdient oder geschenkt?

Die Frage, ob das Glück das BIP antreibt, beantwortet der Professor klar: «Ja! Unglückliche Menschen sind Protestwähler. Sie stimmen nicht für das, was sie wirklich wollen, weil sie der Regierung nicht vertrauen.» Die Schweiz habe jedoch die besten Voraussetzungen für «nüchterne, zufriedene» Stimmbürger: ein kleinräumiger Föderalismus, direkte Demokratie, Vielfalt, Diskurs und Auswahlmöglichkeiten. Von einer Glückmaximierung rät Eichenberger jedoch ab: «Wenn es für die Politik verwendet wird, kann das Glück manipuliert werden.»

Mit Verantwortung frei sein

Aus Stockholm angereist war Glücksexpertin Maike van den Boom. Dynamisch und humorvoll brachte sie den Schwyzern Unternehmenskultur und Eigenheiten der Skandinavier näher. Wie Baumann auch, betonte van den Boom, wie wichtig es sei, dass Mitarbeitende das «Grosse Ganze» sähen und nicht nur ihre eigenen Aufgaben.

Die Einzigartigkeit jedes Einzelnen stehe im Vordergrund. Dazu gehöre auch, Schwächen zu zeigen. Während es den Schweizern wichtig sei, hart zu arbeiten, ginge es in Skandinavien um Effizienz. «Das hat nichts mit Überstunden zu tun, sondern viel mit Vertrauen und Verantwortung.»

Anouk Arbenz, Redaktion March24 & Höfe24