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Geld & Energie
24.10.2021

Aktienbörse: Wiedererwachen der Indexschwergewichte

Christopher Chandiramani: «Dank guten Neunmonatszahlen haben die grossen Schweizer Indexwerte kräftig zugelegt.»
Christopher Chandiramani: «Dank guten Neunmonatszahlen haben die grossen Schweizer Indexwerte kräftig zugelegt.» Bild: Linth24
In der Woche erholte sich der Markt. Die wichtige SMI-Marke von 12'000 wurde wieder erobert dank grosskapitalisierten Werten. Alte Probleme bleiben: Energie- und Rohstoffverknappung, Teuerungs- und Zinsängste.

Trotz anziehender Teuerung infolge höherer Transport-, Rohstoff-, und Energiepreise warten die Notenbanken zu mit Erhöhungen der Leitzinsen. Dieser Preisschub wird als vorübergehend betrachtet. Zinserhöhungen sollen die wirtschaftliche Erholung nicht im Keim ersticken und die Schuldensituation überstrapazieren.

Die Schweizer Exporte haben zugelegt, knackten erstmals die Marke von 60 Mrd. CHF. Im Quartalsvergleich zogen die Ausfuhren nominal um 3.7 Prozent an, teuerungsbereinigt um 1.5 Prozent. Besonders der Uhrenindustrie geht es besser. Die Nachfrage aus Fernost zieht wieder an. Im September 2021 wurden Schweizer Uhren im Wert von 1.9 Mrd. CHF exportiert, 16.6 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Chinas Immobilienkonzern Evergrande steht gemäss Medienberichten kurz vor dem Konkurs. In der Berichtswoche ist der Aktienkurs stark gefallen. Zinszahlungen sind gefährdet und Teilverkäufe von Aktiven verzögerten sich. Marktbeobachter rechnen aber nicht mit einer Finanzkrise wie im Jahre 2008.

Die Währungen waren unauffällig mit Ausnahme der Kryptowährungen, wo das Interesse erneut stark anstieg. Der Bitcoin kostete wieder über 63'000 USD.

Unternehmensnachrichten

Dank guten Neunmonatszahlen haben die grossen Schweizer Indexwerte kräftig zugelegt. Diagnostika und Covid-19-Tests trieben vor allen den Umsatz von Roche in die Höhe. Roche setzte 46.7 Mrd. CHF um, plus 6 von Prozent gegenüber Vorjahr. Vom Boom profitiert auch Novartis. Der Pharmamulti will weitere 24 Mio. Pfizer-BioNTech-Impdosen abfüllen und vertreiben.

Der Nestlé-Konzern ist wieder auf Wachstumskurs. Der Aktienkurs machte einen Sprung von 3 Prozent, nachdem Bekanntgabe der Zahlen. Hohes Umsatzwachstum im Kerngeschäft, für das ganze Geschäftsjahr ist laut nun 6% bis 7% inneres Wachstum budgetiert.

Weniger gut entwickelte sich der Aktienkurs von ABB. Nach Publikation der Neunmonatszahlen fiel die Aktie um über 6 Prozent. Die Zahlen waren insgesamt gemischt. So erreichte der Umsatz 7.03 Mrd. USD, entsprechend einem Wachstum von 4 Prozent. Im Gegensatz dazu fiel der Auftragseingang mit 7.9 Mrd. Dollar um 26 Prozent höher aus als im dritten Quartal 2020. ABB leidet insbesondere unter dem Versorgungsengpass von Chips für elektronische Schaltungen, plant nun aber das Akquisitionstempo wieder zu erhöhen.

Im dritten Quartal waren die Zahlen des Liftherstellers Schindler unter den Erwartungen. So verlangsamte sich das Umsatzwachstum auf 2 Prozent oder lediglich 0.4 Prozent in Lokalwährungen. Folglich kam es beim operativen Ergebnis (Ebit -2.2%) und beim Gewinn (-0,4%) zu leichten Rückgängen gegenüber Vorjahr.

Die Finanzmarktaufsicht (Finma) hat die Grossbank Credit Suisse scharf gerügt wegen eines früheren Überwachungsskandals und der Mosambik-Affäre (Geldwäscherei). Letztere kostet die Credit Suisse wiederum erhebliche Millionen-Bussen- und -Entschädigungen.

Der Baukonzern Sika verzeichnete 18% mehr Umsatz, 6.86 Mrd. CHF in den ersten 9 Monaten mit starkem organischem Wachstum. Der Betriebsgewinn Ebit dürfte 2021 besser werden trotz Rohstoffpreisen.

MCH Group wurde das Opfer von Cyberkriminellen. Die Basler Messeveranstalterin wurde im Internet angegriffen. Das Ausmass des Schadens ist noch ungewiss, ebenso, ob Daten gestohlen wurden.

Gemäss Medienberichten plant Partners Group, sich mit 25% an von Breitling Uhren zu beteiligen, Wert 3 Mrd.

Rieter hat viermal höhere Aufträge im Vergleich zum Coronajahr 2020.

Aussichten

Das Corona-Virus wird wieder zum Thema. Lettland geht zurück in den Shutdown. Grossbritannien, Australien, Rumänien und Österreich haben erneut steigende Fallzahlen. In der Schweiz wird darüber diskutiert, ob es für die Wintersaison bezüglich der Bergbahnen und Skilifte Zertifikate braucht, was den Umsatz bremsen könnte.

Längerfristig spricht man von einer Stromlücke infolge zunehmender Elektromobilität und Wärmepumpen sowie Zuwanderung. Aber kurzfristig dominieren die Unternehmens-Quartalszahlen die Märkte. Positive Überraschungen werden mit Kurssprüngen belohnt, ungenügende Resultate mit Verlusten hart abgestraft.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24