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Sport
22.10.2021

Neuland für die Tuggner Ringer

Kann Fritz Reber auch im Halbfinale punkten?
Kann Fritz Reber auch im Halbfinale punkten? Bild: Hansruedi Ulrich
Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte kämpfen sie in Oberriet in der Challenge League im Halbfinal – gegen einen übermächtigen Gegner.

Ganz egal, wie diese Saison für die Tuggner NLB-Ringer noch endet, mit den bisher gezeigten Leistungen gehören sie zweifelsohne zu den positiven Überraschungen der diesjährigen Meisterschaft. Die Freude darüber war nach dem Auswärtssieg vor zwei Wochen gegen das Team Wallis gross. Mit der Halbfinalqualifikation bereits in der zweiten NLB-Saison schafften die Tuggner etwas, was nur sehr wenigen frischen NLB-Teams gelang.

Doch die Zeit der Zufriedenheit und Selbstgefälligkeit bei den Märchlern muss nun definitiv vorbei sein. Denn die war vor Wochenfrist allgegenwärtig, was von den viel heisseren Freiburgern aus Sense mit einer knallenden Ohrfeige quittiert wurde. Jetzt ist das Coachingduo Simon Helbling und Dominik Streiff extrem gefordert. Zwar haben die Tuggner mit den Playoffs eine grosse Überraschung geschafft, jetzt brauchts aber auch Charakter, um sich in den entscheidenden Kämpfen würdig zu präsentieren. 

Zu viel erwarten darf man vom Märchler Ringerteam gegen Oberriet gewiss nicht. Alle anderen Erwartungen wären fernab der Realität. Ein Tuggner Sieg wäre eine riesige Sensation. In etwa, wie wenn der FC Tuggen Schweizer Cupsieger werden würde. Die Stärkeverhältnisse in den verschiedenen Ringerligen sind wesentlich grösser als zum Beispiel im Fussball oder Eishockey. Dies zeigt auch die Tatsache, dass 1.-Liga-Aufsteiger im Ringen in der Regel ein Jahr später wieder absteigen. Oder dass schon mehrere Erst-Ligateams gar auf einen Aufstieg verzichteten, weil das Niveau in der NLB zu hoch ist. Und von der NLB zur NLA ist der Quantensprung in etwa ähnlich gross. Dies mussten starke Ringerclubs wie Einsiedeln und Brunnen schon mehrfach erfahren.

Übermächtiger Gegner

Auch der derzeitige Meister Oberriet-Grabs ist 2019 kurz vor dem Ziel noch am NLA-Klub Schattdorf gescheitert. Die Rheintaler sind nicht nur der grosse Titelfavorit, sondern auch ernst zunehmender Aufstiegsaspirant. In Oberriet wurde mit dem Mehrjahresprojekt «Vision 2020» minuziös auf den Aufstieg hingearbeitet. 2019 scheiterten die Rheintaler denkbar knapp, letztes Jahr wurde das Projekt wegen Corona unfreiwillig verlängert. Doch dieses Jahr scheint Oberriet bereit und ist kadermässig so bestückt, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Da vereinen sich mehrere Kaderringer, Schweizermeister und NLA-Doppellizenzringer zu einer starken Armada.

Für die Tuggner kann es am Samstag nur ein Motto geben: Mit Freude in den Halbfinal steigen und mit Stolz in die Kämpfe gehen. So kann man den haushohen Favoriten am ehesten ärgern. Der erste Halbfinal findet in der Bildstöcklihalle in Oberriet statt, Wettkampfbeginn ist um 19 Uhr.

Hansruedi Ulrich