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Sport
21.10.2021

Der Underdog, der die sechsfache Thaibox-Weltmeisterin schlug

Den Titel holte sich Martina Steiner für die International Kickboxing Association, einer der grössten Kampfsport-Organisationen der Welt.
Den Titel holte sich Martina Steiner für die International Kickboxing Association, einer der grössten Kampfsport-Organisationen der Welt. Bild: Jürgen Hölger
Martina Steiner aus Schübelbach hat ihre sportliche Karriere 2012 mit Boxen begonnen. Freunde brachten sie schliesslich zum Thaiboxen. Anfang Oktober erkämpfte sich die 35-Jährige in Stuttgart gegen Deniz Batinli den ISKA-Weltmeistertitel.

Es ist ihr erster Weltmeistertitel. Die Thaiboxerin Martina Steiner aus Schübelbach bezwang Anfang Oktober in Stuttgart die sechsfache Weltmeisterin Deniz Batinli in der Klasse Super Leichtgewicht durch technischen KnockOut (TKO). Steiner kämpft normalerweise in einer tieferen Gewichtsklasse. 

Vor sechs Jahren damit angefangen

Martina Steiner hat ihre sportliche Karriere 2012 mit Boxen begonnen. Freunde brachten sie schliesslich zum Thaiboxen. Vor sechs Jahren reiste sie auf Einladung einiger Bekannte das erste Mal nach Thailand und blieb gleich sechs Monate, um zu trainieren. «Ich war total fasziniert», so die 35-Jährige. Muay Thai, wie Thaiboxen dort heisst, geniesst laut Steiner einen ganz anderen Stellenwert als hierzulande. «Es ist Teil der thailändischen Kultur.»

Martina Steiner holte gegen Deniz Batinli den Weltmeistertitel. Bild: Jürgen Hölger

Schwierigkeiten, Kontrahentinnen zu finden

Dieser traditionell-rituelle Aspekt des Muay Thai verhinderte laut Steiner lange, dass auch Frauen trainieren und an Kämpfen teilnehmen konnten. In der Schweiz fristet der Sport ein Nischendasein, an eine Profikarriere ist nicht zu denken. «Dafür sind die Preisgelder zu niedrig», so Steiner. «Nicht nur bei den Frauen.» Bis zu drei Stunden Training pro Tag Sie arbeitet darum Vollzeit bei der Post als Paketzustellerin. «Das ist mein tägliches Krafttraining», fügt sie mit einem Augenzwinkern an.

Die Märchlerin überzeugte mit Knie- und Ellbogenschlägen. Bild: Jürgen Hölger

Daneben hält sie sich mit Jogging fit und trainiert fünf Tage pro Woche bei Fight Industry in Pfäffikon – unter den wachsamen Augen von Coach Jürg Friedlos oder seinem Team. Vor Kämpfen investiert sie bis zu drei Stunden täglich. «In Thailand trainiere ich jeweils fünf Stunden pro Tag», so Steiner. «Dies ist ein Vollzeitprogramm. » Sie verbringt in der Regel pro Jahr gut vier Monate in dem südostasiatischen Land. Das Training sei härter als hier. Frauen, die auf Weltklasse-Niveaukämpfen, sind rar. Selten könne eine mehr als zehn Kämpfe vorweisen. Es sei darum schwierig, eine adäquate Kontrahentin zu finden. 

Franziska Kohler, Redaktion March24 & Höfe24