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18.10.2021
18.10.2021 15:17 Uhr

Tausende demonstrierten in Rapperswil

«Wir stehen ein für die Freiheit – für Alle»: Tausende demonstrierten in Rapperswil für die Abschaffung des Covid-Gesetzes.
«Wir stehen ein für die Freiheit – für Alle»: Tausende demonstrierten in Rapperswil für die Abschaffung des Covid-Gesetzes. Bild: Markus Arnitz, Linth24
Gegner der Corona-Massnahmen trafen sich am Samstag zu einem eigentlichen Happening. Um die 8000 Personen zogen vom Grünfeld zum Parkplatz gegenüber dem Lakers-Stadion. Die Kundgebung verlief friedlich. In Reden wurde auf Gott und die Grundrechte gepocht.

Kurz vor 13 Uhr am Samstagnachmittag:Am Bahnhof Rapperswil-Jona sind erste Demonstrierende auszumachen. Mit Fahnenstangen, Plakaten, Trillerpfeifen – und gut gelaunt – stehen sie da. Es scheint, als wäre es eine grosse Familie,obschon die Teilnehmendenunterschiedlicher nicht sein könnten. Männer in Sennenhemden und einer Krummen im Mund stehen bei Frauen mit Rastas und einem Joint in der Hand. Junge Familien mit Kindern laufen neben Althippies. Aufgerufen haben verschiedene Gruppierungen: Aktionsbündnis der Urkantone; Massvoll; Freunde der Verfassung; Freiheitstrychler und weitere.

  • Auch lustige Sachen gab es zu sehen. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • «Zurück zur Verfassung» las man auf mehreren Fahnen. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Bei schönstem Herbstwetter fanden die Menschen zusammen und gingen für die Kundgebung der Strasse entlang. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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Etwa 8'000 Demonstrierende

Bereits eine Stunde vor dem Start der Demo laufen bunte Grüppchen in Richtung Grünfeld. Vorbei an der Ost durchs Südquartier zum Kinderzoo. Dort mischen sich die Leute mit Familien und Kindern, die in den Kinderzoo wollen. Ausser den Plakaten und den Fahnen unterscheiden sie sich nicht. Ganz normale Leute, wie sie in jeder Stadt zu sehen sind. Kapo-Mediensprecher Hanspeter Krüsi gibt die Anzahl Demonstrierender mit 3'000 an. Den Eindruck, dass die Demonstration durchs Band friedlich verlief, bestätigt auch er: «Es gab keine polizeirelevanten Vorfälle.»

Eine Schätzung der Leute zeigt: Es sind weit mehr. Der «Blick» wird in etwa vier Stunden melden: «1'000 Demonstrierende in Rapperswil-Jona». So viele waren alleine auf den Zugangsstrassenauszumachen. Die Veranstalter sprechen von über 10'000 Personen. Sicher ist, es dürften mehr als die von der Polizei genannten 3'000 Teilnehmenden sein. 6'000, vielleicht 8'000.

«Wir stehen ein für alle Kinder.» Bild: Markus Arnitz, Linth24

«Zertifikat gleich Judenstern»

Es ist gegen 16 Uhr, auf der Bühne machen sich die Redner und Rednerinnen bereit. Unter anderen der Schwyzer SVP-Kantonsrat David Beeler. Er spricht die Anwesenden mit «Eidgenossen » an und sagt, wer das Herz auf dem rechten Flecken habe, sei ein Eidgenosse, gehöre dazu. Er hält seine Rede im Namen des Dreieinen Gottes – gleichzeitig schwört er, «hier zu kämpfen » und auf die Verfassung. Nicht wie der Bundesrat, der das Volk verrate. Man müsse für seine Rechte und für die Freiheit einstehen. Dann zieht Beeler einen Vergleich, der manchen den Atem stocken lässt: Das Covidzertifikat, so findet Beeler, sei wie der Judenstern unter dem nationalsozialistischen Regime.

57 Trychler fanden ihren Weg nach Rapperswil. Bild: Markus Arnitz, Linth24

Morddrohungen an Nationalrat?

Auch Beelers Parteikollege, der Schwyzer Nationalrat Pirmin Schwander, spricht von Grundrechten und der Bundesverfassung. Er habe sich lange überlegt, ob er nach Rapperswil kommen wolle. Denn er habe im Vorfeld Morddrohungen erhalten. «Und jetzt erlebe ich einmal mehr Einschränkungen, Bevormundungen und Demütigungen. Meine Damen und Herren, in diesem Land lasse ich das nicht zu.» Zumindest werde er als Politiker nicht schweigen. Die Menge johlt und jubelt. Schwander weiss, welche Knöpfe er drücken muss: «Wenn Leute gedemütigt werden, ist das etwas vom Schlimmsten, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.» 

Den Grund für die heutige Situation sieht Schwander darin, dass Bundesrat, Kantonsregierungen sowie die Gesundheitsinstitutionen nicht vorbereitet gewesen seien. Dann ruft er auf, das Covid-19-Gesetz in der Abstimmung von Ende November abzulehnen. Wieder jubeln die meisten der Anwesenden, schwenken ihre Fahnen und applaudieren. Nach den Reden beginnt sich der Platz um etwas nach 17 Uhr langsam zu leeren. Einige lauschen noch der Band und diskutierten weiter über ihre Anliegen und Ansichten.

Auch einzelne Stimmen kamen zu Wort. Die 16-jährige Svenja, FaGe-Lernende, vor ihrem Auftritt als Rednerin auf dem Podium: «Wir sind alles freie Menschen mit einer freien Wahl über unsere Gesundheit.»

Auch anderestanden offen vor die Kamera und teilten ihre Meinung mit, wie hier zum Beispiel Marcel.

Urban Hersche ist überzeugt: «Das Covid-Gesetz vom 28. November soll meinen 30-jährigen Freiheitskampf nicht beenden.» Bild: Markus Arnitz, Linth24
  • Josef Ender, Sprecher Aktionsbündnis Urkantone Bild: Markus Arnitz, Linth24
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  • Kantonsrat David Beeler bekommt viel Zuspruch vom Publikum. Bild: Markus Arnitz, Linth24
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Urs Schnider, Linthzeitung, und Redaktion March24 & Höfe24