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Reichenburg
17.10.2021
15.10.2021 17:01 Uhr

Einzige Option – Industriegebäude in Reichenburg wird abgerissen

Sucht für seine Werkstatt und die Klassiker seiner Kundschaft neue Räumlichkeiten: Claudio Kümin, der in Reichenburg eine Werkstatt für klassische Fahrzeuge betreibt.
Sucht für seine Werkstatt und die Klassiker seiner Kundschaft neue Räumlichkeiten: Claudio Kümin, der in Reichenburg eine Werkstatt für klassische Fahrzeuge betreibt. Bild: Stefan Grüter
Mehrere kleine Handwerks- und Gewerbebetriebe müssen die Liegenschaft Bahnhofstrasse 35 in Reichenburg verlassen. Wohin, das wissen sie noch nicht.

Im Industriegebäude an der Bahnhofstrasse 35 in Reichenburg, dort wo einst der Toilettenpapier-Hersteller Hakle seinen Ursprung hatte, präsentiert sich ein bunter Mix von kleinen Handwerks- und Gewerbebetrieben sowie Dienstleistern. Zum Teil sind sie seit fast 20 Jahren hier zu Hause, und gesamthaft bieten sie um die zwei Dutzend Arbeitsplätze an. Die Autogarage, die Werkstatt für klassische Fahrzeuge, der Gartenbauer, die Zwirnerei, der Zeltspezialist oder der pensionierte Schreiner, der für Freunde und Bekannte noch gewisse Arbeiten in Holz erledigt.

«Nurmehr der Abriss»

Bald schon stehen sie auf der Strasse, denn aus «heiter hellem Himmel erhielten wir Ende September die Kündigung », sagt Claudio Kümin, der in seiner Werkstatt für klassische Fahrzeuge bis zu vier Personen beschäftigt. Bis nächsten März soll die Liegenschaft geräumt sein. Vom Besitzer der Liegenschaft, der ITW Unternehmensgruppe im liechtensteinischen Balzers, wurde ihnen mitgeteilt, dass die Liegenschaft abgerissen wird. Das Unwetterereignis vom 25. Juli dieses Jahres habe die Liegenschaft sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. «Aufgrund der umgehenden Begehung der Dachflächen und der nachfolgenden Offertstellung der Fachunternehmen hat sich eine nachhaltige und langfristige Sanierung der Liegenschaft aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Liegenschaft und der aufgetretenen Schäden als nicht machbar erwiesen», schreibt die Eigentümerschaft. «Die von uns eingeleiteten Notmassnahmen auf den Dachflächen zur tauglichen, vorübergehenden Weiterbenutzung der Mietflächen waren schon derart kostenintensiv, dass uns nurmehr der Abriss der Liegenschaft als gangbare Option erscheint.»

«Wir sind erschrocken»

«Ab dieser Nachricht sind wir erschrocken », sagen Kümin und Anton Diethelm, der mit seinen 82 Jahren noch immer «etwas schreinert». Tatsächlich seien beim Unwetter von Ende Juli Sturzbäche durchs Gebäude geflossen. «Nach den getroffenen Notmassnahmen ist das Dach nun aber dichter als je zuvor.» Diethelm zeigt zudem auf die Fenster, die erst noch frisch gestrichen worden sind. Für die Mieter deuteten keine Zeichen in die Richtung des Hausabbruchs. Sie hätten sich ein Gespräch vonseiten der Vermietung gewünscht, stattdessen erhielten sie einen «Eingeschriebenen, was uns schon etwas vor den Kopf gestossen hat», so Kümin.

Noch drei bis fünf Jahre

Claudio Kümin ist persönlich in einem «dummen Rank». «Mit 58 Jahren wünschte ich mir, dass ich noch drei bis fünf Jahre hier die klassischen Fahrzeuge meiner Kundschaft pflegen kann. Jetzt andere Räumlichkeiten zu suchen, ist schwierig, zumal der Platzbedarf mit all den Ersatzteilen mit 600 Quadratmetern doch relativ gross ist», sagt Kümin, der offen zugibt, dass auch der Mietzins hier in der Bahnhofstrasse 35 erträglich ist.

Einige der Mieter finden sich mit dem Umstand ab, dass sie raus müssen, andere suchen das Gespräch mit der Vermieterschaft, und Claudio Kümin hat – weil die Zeit nun drängt – die Schlichtungsstelle für das Mietwesen angerufen. Der Verhandlungstermin ist übernächste Woche.

Gemischte Nutzung

Der Abbruch erfolge wegen der Beschädigungen durch das Unwetter «viel früher als ursprünglich geplant», teilte Daniel Egger von der ITW Unternehmensgruppe gegenüber unserer Zeitung auf Anfrage hin mit. Deshalb gebe es noch keine konkreten Details. Die Projektentwicklung sei jedoch initiiert worden. «Derzeit ist eine Mischnutzung aus Wohnen und Gewerbe in Diskussion, wobei ein solches Szenario eine enge Absprache mit Gemeinde, Kanton und Nachbarn bedingt, zumal bei einer solchen Variante die aktuellen planungsrechtlichen Grundlagen geändert werden müssen», so Egger weiter. Bis Mitte nächsten Jahres sollen die offenen Fragen geklärt werden.

Stefan Grüter, Redaktion March24 & Höfe24