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Sport
13.10.2021

Sie will für die FCRJ-Frauen mit Taten statt Worten glänzen

Leistungsträgerin: Chiara Kehl ist bei den FCRJ-Frauen eine der Routiniers und Schlüsselspielerinnen zugleich.
Leistungsträgerin: Chiara Kehl ist bei den FCRJ-Frauen eine der Routiniers und Schlüsselspielerinnen zugleich. Bild: Bernhard Camenisch
Seit fünf Jahren spielt Chiara Kehl für die Frauen des FC Rapperswil-Jona. Als fast Einzige aus ihrem Team hat sie in dieser Zeit den ganzen Weg mit der Rückkehr aus der 1. Liga bis hin an die NLB-Spitze mitgemacht.

Sie gehöre ja schon zu den Alten, sagt Chiara Kehl und lacht. Gemeint ist der Vergleich mit ihren Mitspielerinnen beim FC Rapperswil-Jona. Dabei ist sie erst 27-jährig. Aber in einem Team, in dem die Jüngste, Nevia Stoob, gerade mal 15 ist, mögen sich 27 Jahre tatsächlich schon etwas «alt» anfühlen.

Mit Sicherheit gehört Kehl aber zu den Routinierten in der NLB-Equipe der FCRJ-Frauen. Im Sommer 2016 stiess sie vom FC Richterswil aus der 2. Liga zum damaligen 1.- Ligisten. «Aus dem Team von damals ist fast keine mehr da», sagt Kehl. Auch die Ansprüche sind mittlerweile ganz andere. Im Sommer 2018 kehrte der FCRJ nach zwei Saisons in die Nationalliga B zurück. Gerne soll es nochmals eine Stufe höher gehen, in die Women’s Super League. Im Frühling scheiterte dieses Vorhaben nur knapp, aktuell läuft ein neuer Versuch.

Erst mit 13 in den FC gegangen

Auch dank Kehl haben sich die FCRJ-Frauen unter den NLB-Topteams etabliert. Sie sorgt jeweils auf der linken Seite für Betrieb. Sie kann dies sowohl als Aussenverteidigerin als auch auf dem Flügel. Eine Präferenz hat sie nicht. Hauptsache, ihr Team spielt nach vorne. Denn «hinten rein stehe ich nicht so gerne», sagt Kehl.

Schon als Kind spielte sie mit den Nachbarn häufig Fussball. Aber erst mit 13 Jahren ging sie in ihrer Heimat Einsiedeln in den lokalen Fussballklub. Wesentlich in ihrer fussballerischen Entwicklung weitergebracht wurde sie dann, nachdem sie die Kantonsschule in Pfäffikon beendet hatte. Während eineinhalb Jahren besuchte sie bis Ende 2014 ein College in Santa Barbara im US-Bundesstaat Kalifornien. «Dort lernte ich am meisten. Von Montag bis Freitag war ich jeweils täglich auf dem Fussballplatz.» Als Spielerin im College genoss Kehl Vorzüge – etwa, dass sie sich nicht selber ums Waschen ihrer Trainingskleider kümmern musste oder dass sie Physio-Betreuung bekam, wann immer sie dies wollte.

Für den FC Richterswil hatte sich Kehl nach ihrer Rückkehr in die Schweiz zunächst wegen ihres Studiums an der ETH Zürich entschieden. Seit dem Sommer 2019 arbeitet sie bei der R+K Büro für Raumplanung AG in Pfäffikon. Als Projektingenieurin ist sie derzeit unter anderem mit dem Siedlungsentwicklungskonzept von zwei Gemeinden, welches als Grundlage für die jeweiligen Revisionen der Nutzungsplanung dient, beschäftigt. Auch wenn es um Baubewilligungen geht, ist ihr Know-how gefragt.

Nach einem Tag auf dem Bürostuhl freut sich Kehl, wenn sie am Abend über den Seedamm fahren kann, um im Grünfeld beim Fussballtraining zu Bewegung zu kommen. Am Montag-, Mittwoch- und Freitagabend trainieren die FCRJ-Frauen während eineinhalb Stunden. Dazu kommen die Spiele an den Wochenenden. «Wir investieren viel in den Fussball, in unser Hobby », sagt Kehl, die zu 100 Prozent berufstätig ist.

«Ich spreche zwar mehr als früher, aber ich bin trotzdem keine, die viel spricht.»
Chiara Kehl, FCRJ-Damen

Zwar viel Aufwand, aber …

In ihrer Freizeit reist die 27-Jährige auch gerne und macht andere Sportarten wie Skifahren und Tennisspielen. Sie hat sich schon Gedanken gemacht, ob sie mit dem Fussball und dem damit verbundenen Aufwand weitermachen soll. «Aber mir passt es noch immer. Ich mache es gerne, darum nehme ich das auf mich.» Nur etwas wird Chiara Kehl wohl trotz aller Routine nicht mehr ändern: Steht sie auf dem Fussballplatz, will sie durch Taten, und nicht mit Worten auffallen. «Ich spreche zwar mehr als früher, aber ich bin trotzdem keine, die viel spricht.»

Oberklassigen aus dem Cup geworfen

Die Frauen des FC Rapperswil-Jona stehen im Schweizer Cup in den Achtelfinals. Sie schlagen den oberklassigen FC Lugano im Penaltyschiessen. In der regulären Spielzeit war es Magdalena Kaufmann, die die Rosenstädterinnen in der 84. Minute in Führung brachte. Praktisch im Gegenzug verwertete Ferrer via Lattenunterkante zum 1: 1. So musste das Elfmeterschiessen entscheiden.

Bei Lugano versagten die Nerven komplett. Ferrer scheiterte an FCRJ-Goalie Christine Schärer, und Chiara Beretta und Lailah Muscat schossen über das Tor. Gianna Klucker sowie die beiden Youngsters Stoob und Monica Meijer verwandelten derweil für Rapperswil-Jona souverän.

Bernhard Camenisch, Linth-Zeitung