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Schübelbach
13.10.2021

«Ich hätte nie gedacht, dass es mich so schwer erwischt»

«Es war schon schwierig, als der Arzt erklärte, dass er mich ins Koma verlegen muss. Ohne Garantie, dass ich wieder aufwachen werde. Die Angehörigen wussten nicht, ob sie ihr Mami, Grosi oder ihre Ehefrau je wieder lebendig sehen.»
«Es war schon schwierig, als der Arzt erklärte, dass er mich ins Koma verlegen muss. Ohne Garantie, dass ich wieder aufwachen werde. Die Angehörigen wussten nicht, ob sie ihr Mami, Grosi oder ihre Ehefrau je wieder lebendig sehen.» Bild: Heidi Peruzzo
Gerda Büeler aus Schübelbach erkrankte vor fünf Monaten an Covid und wurde ins künstliche Koma verlegt. «Sterben war für mich keine Option, ich wollte unbedingt noch meine Enkelkinder aufwachsen sehen.»

Die 63-jährige Bauersfrau und Geschäftsinhaberin steht mit beiden Beinen voll im Leben. «Ich war immer gesund und mag mich nicht mal an eine Grippeerkrankung erinnern», erzählt Gerda Büeler aus Schübelbach. Dass ausgerechnet sie so stark an Covid erkrankte und ihr Leben an einem seidenen Faden hing, hätte sie nie für möglich gehalten. «Aber diese Krankheit kann jeden erwischen, das weiss ich inzwischen aus eigener Erfahrung.» Anfangs Mai bekam sie Durchfall und musste erbrechen, dazu kam hohes Fieber, erinnert sich die Schübelbachnerin. Ein Schnelltest zu Hause hat den Verdacht auf Covid bestätigt. Nach ein paar Tagen ging es ihr so schlecht, dass sie ins Spital Lachen gebracht werden musste.

Am fünften Tag auf der Coronaabteilung war ihr Blutzucker-Wert viel zu tief und ein Lungen-CT zeigte das Organ weiss und vollständig vom Coronavirus befallen. «Der Arzt erklärte mir, dass meine einzige Überlebenschance die Verlegung ins künstliche Koma sei. Es gäbe keine andere Option – ausser Sterben», so Büeler. Als Trost gab er ihr mit, dass auf dieser Coronastation noch keine Frau verstorben sei. «Aber eine Garantie, dass ich wieder aufwachen werde, bekam ich nicht.» Auch hätte sie gerne noch Abschied genommen von ihrer Familie, aber alles musste schnell gehen.

Insgesamt lag Gerda Büeler eine Woche im Koma, davon war ihr Gesundheitszustand während zwei Tagen sehr kritisch. Geblieben sind ihr aus dieser Komazeit viele wirre Träume, die sie als real erlebte und auch heute noch im Detail erzählen kann. Diese wurden wahrscheinlich vom Morphin erzeugt, erklärte ihr ein Doktor.

«Ich war kein richtiger Mensch mehr.»
Gerda Büeler – war schwer an Covid-19 erkrankt.

«Mir fehlte die Kraft»

Die erste Zeit nach dem Erwachen war sehr schwierig. «Ich war kein richtiger Mensch mehr, ich konnte nichts mehr alleine tun.» Manchmal fühlte sie sich so schwach und müde, dass sie am liebsten einfach für immer eingeschlafen wäre. Aber der Gedanke an ihre Familie und an die Enkelkinder, die sie noch aufwachsen sehen möchte, gaben ihr wieder neue Energie. Nach vier Wochen Spital wurde sie in die Reha nach Walenstadtberg verlegt. «Ich hatte 12 Kilogramm verloren und lief am Rollator. Zum Glück hatte sich meine Lunge gut erholt, aber mir fehlte einfach die Kraft.» Sieben Wochen nach der Spitalüberweisung durfte sie nach Hause auf ihren schönen Bauernhof an der Riedstrasse. Endlich durfte sie ihr inzwischen fünfmonatiges Grosskind zum ersten Mal in die Arme nehmen. «Ich bin so dankbar für meine Familie, die mich voll unterstützte», sagt die zweifache Mutter und dreifache Grossmutter.

Heute, rund fünf Monate später, fehle ihr manchmal noch das Gleichgewicht, aber sie kann wieder auf dem heimischen Bauernhof mithelfen und ihren Bistro-Kiosk zur Post im Dorf führen. «Zum Glück bin ich ein positiver Mensch, denn die ganze Krankheit hat sehr viel Kraft gekostet und auch die Psyche stark belastet », hält die Genesene abschliessend fest.

Heidi Peruzzo, Redaktion March24 & Höfe24