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Altendorf
11.10.2021

Mit dem Vintage-Brummi zum Lastwagen-Führerschein

Nahmen den Oldie in die Mitte: (v. l.) Adrian Stucki, Simon Schmid und David Bürge.
Nahmen den Oldie in die Mitte: (v. l.) Adrian Stucki, Simon Schmid und David Bürge. Bild: Hans-Ruedi Rüegsegger
Die Fahrschule Fresh Up in Altendorf hat einen 30-jährigen Mercedes 1729 restauriert und setzt ihn als Fahrschulfahrzeug ein.

Zweieinhalb Jahrzehnte lang lernten Fahrschüler auf dem Mercedes 1729 von Fahrlehrer Pius Stucki, einen Lastwagen zu lenken. Im Jahr 2017, nach Pius Stuckis Pensionierung, wurde der Lastwagen stillgelegt. Eigentlich schade, denn der Oldie hat erst 230 000 Kilometer auf dem Tacho, wenig für einen Lastwagen. «Das ist der letzte Typ in der sogenannten SK-Reihe von Mercedes, noch ohne Elektronik », sagt Adrian Stucki, Sohn von Pius Stucki und Mitgründer der Fahrschule Fresh Up in Altendorf. «Diese Lastwagen sind unzerstörbar, man kann alles reparieren.» So reifte die Idee, den Lastwagen wieder fit zu machen und ihn in der Fahrschule einzusetzen. Der langjährige Reifenpartner Continental unterstützte Adrian Stucki und sein Team bei den Restaurierungskosten. Nun erstrahlt der Mercedes 1729 mit Baujahr 1991 in den Farben von Fresh Up in neuem Glanz. Wenigstens zum Teil: Die Blache sieht so aus, als ob sie schon seit 30 Jahren den Laderaum abdecken würde – dabei ist sie neu. Dieser «Used»-Look unterstreicht den Vintage-Charakter des Lastwagens. Auch wenn sich der Vintage-Mercedes mit seinen 8 Metern Länge und 2,3 Metern Breite neben heutigen Brummis fast niedlich ausnimmt – er wird zum Blickfang. «Die Leute sprechen darüber», sagt Adrian Stucki. Und es ist zu spüren, dass da viel Leidenschaft dahinter steckt.

Bereicherung für Fahrschüler

Der Oldie ist als Fahrschulfahrzeug zugelassen, weist Doppelpedale auf und wird entsprechend eingesetzt werden. «Für jene Fahrschülerinnen und Fahrschüler, die lernen wollen, ein älteres Fahrzeug zu lenken», sagt Adrian Stucki. Denn die Unterschiede zwischen einem modernen Lastwagen und dem Oldie sind gross. Die Kraft des 15,7 Liter-V8-Motors des Mercedes 1729 wird nicht via Automatik, sondern mit einem 12-Gang-Getriebe auf die Hinterachse übertragen. Rückfahrkamera gibt es keine, und auch andere elektronische «Helferlein» fehlen. Als potenzielle Kunden sieht Adrian Stucki auch künftige Lenker oder Lenkerinnen von Wohnmobilen. Er kann sich aber auch vorstellen, dass Chauffeure wieder mal mit einem älteren Fahrzeug fahren wollen. «Der Wagen ist zum Fahren da, nicht zum Ausstellen.» Auf der Ladebrücke werden Ladungssicherungssysteme installiert, als Beispiele für den Theorieunterricht.

Da ist noch «Handarbeit» gefragt: Adrian Stucki im Fahrerhaus des 30-jährigen Mercedes 1729. Bild: Hans-Ruedi Rüegsegger

Hommage an seinen Vater

Adrian Stucki sieht das Projekt auch als Hommage an seinen Vater. «Wir haben das meiste von ihm gelernt.» Hat Adrian Stucki Benzin oder Diesel im Blut? Jein: Schon als kleiner Knirps sei er, wenn Vater am Morgen den Motor des Lastwagens startete, erwacht und wollte unbedingt mit auf die Fahrschule. «Einmal war der Vater schon weg und ich habe so geweint, dass meine Mutter mit mir herumgefahren ist, bis wir den Vater mit seinem Fahrschüler gefunden haben.» Der heute 33-Jährige hat dann aber Wirtschaft studiert und später eine Nachhilfe-Schule ins Leben gerufen.

Vor fünf Jahren hat er dann zusammen mit Simon Schmid die Fahrschule Fresh Up gegründet. Nun verwendet er den Lastwagen weiter, auf dem sein Vater zahlreichen Fahrschülern zum Führerausweis C verholfen hat. «Ich freue mich auf den ersten Schüler, der mit dem Vintage-Lastwagen die Prüfung besteht», sagt Adrian Stucki.

Hans-Ruedi Rüegsegger, Redaktion March24 & Höfe24