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10.10.2021

Ein Rapperswiler Hirsch für Prinz Charles

Bild: Linth24
Der Hirschpark auf dem Rapperswiler Lindenhof feiert 150 Jahre Jubiläum. Da fällt in der Vergangenheit eine ganz kuriose Geschichte auf. Hans Peter Rathgeb hat sie für uns nachgezeichnet.

Diese Geschichte ist kurios - Stadtrat Boris Meier erwähnte sie anlässlich einer Informationsveranstaltung zum Jubiläum "150-Jahre Hirschpark". Hans Peter Rathgeb, freier Mitarbeiter, ist dem nachgegangen.

Man schreibt die 50-er Jahre, und es besteht ein intensiver Kontakt zwischen Rapperswil und London. Alle paar Jahre konnten Rapperswiler Jugendliche nach London zu einem Ferienaufenthalt reisen - insgesamt mehr als 700 - woran sich heute noch viele Teilnehmende gern erinnern. Verantwortlich für diesen intensiven Austausch waren einerseits Hans Rathgeb, später umtriebiger Stadtrat und Rapperswiler Tourismuspräsident, der einen äusserst engen und freundschaftlichen Kontakt zum damaligen Londoner Direktor von Schweiz Tourismus und dem Swiss Center in London, Albert Kunz, pflegte.

Zuerst für die Queen gedacht

Hans Rathgeb kam auf eine einmalige PR-Idee: Im Windsor Park lebten hunderte von Hirschen und Rapperswil hat einen weitum bekannten Hirschpark. Wieso also nicht ein Rapperswiler Hirsch als Geschenk für den Windsor-Hirschpark? Er rief Kunz in London an und erklärte ihm, dass er Königin Elisabeth einen Hirsch schenken wolle. Dieser hielt seinen Freund aus Rapperswil für verrückt, denn im Windsor Park lebten schon hunderte solcher Tiere.

Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Aber Rathgeb liess nicht locker und bestürmte Kunz unnachgiebig. Da dieser mit dem Pressechef der Windsors befreundet war, nahm er schliesslich mit diesem Kontakt auf und wurde dann an den Verwalter des Windsor Great Parks verwiesen. Dort hiess dann die Antwort, dass sie schon genügend Hirsche im Park hätten und diesem Ansinnen nicht Rechnung getragen werden kann.

Doch Hartnäckigkeit und vor allem kreative Ideen zahlen sich aus: Schliesslich fand Kunz beim Londoner Zoo eine Möglichkeit, einen Hirsch «zu platzieren». Er galt als Geschenk für den damals 9-jährigen Prinz Charles, und lange zeugte eine grosse Tafel im Londoner Zoo vom grossartigen Geschenk der Rapperswiler Jugend für den britischen Thronfolger.

Zahlreiche Medienvertreter empfangen Goldy

Noch ein Wort zur Logistik: British Rail war einverstanden, den Güterwagen mit dem Hirsch aus Rapperswil nach Victoria Station umzuleiten, wo «Goldy» zusammen mit seiner Begleiterin, Margrit Gasser, von zahlreichen Pressleuten empfangen und fotografiert wurden. «Goldy» hiess der Hirsch übrigens, weil die Rapperswiler Artgenossen nicht handzahm waren und nicht gefangen werden konnten und sich die Rapperswiler mit einem Hirsch aus Goldau behelfen mussten.

«Mister Switzerland in London»

Albert Kunz war schlichtweg Mister Switzerland in London. Mit allen Mitteln versuchte er, die Schweiz aus der Optik des Tourismus in die britischen Medien zu bringen. Eine dieser Aktionen war der Hirsch für Prinz Charles. Es folgten viele andere mehr, welche grosses Echo in den Medien auslösten. Kunz lebt heute 98-jährig im Tertianum in Pfäffikon, also ganz in der Nähe von Rapperswil-Jona, und erinnert sich gern an diese herzige Geschichte.

Hans Peter Rathgeb, freier Mitarbeiter Linth24