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Altendorf
08.10.2021
08.10.2021 10:55 Uhr

Sind Höfner Gemeinden doch nicht «Top of Switzerland»?

Altendorf wird im Gemeinderating der «Handelszeitung» als am attraktivsten eingestuft – noch vor den Höfner Gemeinden.
Altendorf wird im Gemeinderating der «Handelszeitung» als am attraktivsten eingestuft – noch vor den Höfner Gemeinden. Bild: Lars Morger
Die erfolgsverwöhnten Höfner Gemeinden werden im aktuellen Gemeinderating der «Handelszeitung» teilweise zurückgebunden. Der neue Spitzenreiter heisst Altendorf, auch andere Gemeinden preschen vor.

Beim aktuellen Rating der «Handelszeitung» wird die sonst herrschende Hierarchie teilweise zünftig über den Haufen geworfen. Sieger sind zwar wie gewohnt die Zuger Kommunen vor jenen an der Zürcher Goldküste. Dann aber folgen nicht etwa die Höfner Gemeinden, sondern Altendorf auf Platz 15. Auf Rang 21 ist Wollerau zwar dicht dran, doch Freienbach nimmt mit Rang 104 keinen wirklichen Spitzenplatz mehr ein, und Feusisberg mit Rang 147 schon gar nicht.

Einige preschen vor

Sie werden von Gemeinden links liegengelassen, die man teilweise nicht so weit vorne vermuten würde. So verblüfft Ingenbohl (Brunnen) mit Rang 27 und Einsiedeln mit Rang 48, sogar Reichenburg liegt auf Platz 76 weit vor den beiden Höfner Gemeinden. Während Lachen auf dem 46. Platz auch eher enttäuscht, rücken Schübelbach (161.) und Galgenen (172.) bedrohlich nahe an die Höfe. Tuggen (222.) und Wangen (243.) befinden sich immerhin noch im vorderen Mittelfeld. Dies trifft auch auf die meisten anderen Schwyzer Gemeinden zu, Muotathal (494.) und Rothenthurm (543.) sind aus kantonaler Sicht die Schlusslichter, wobei Muotathal immerhin positiv erwähnt wird, weil gerade mal 0,2 Prozent Arbeitslosigkeit herrscht.

Steuern und Arbeitsmarkt top

Was aber sind die Gründe für die «Degradierung » der Höfner Gemeinden? Das ist bei der Komplexität der Erhebung gar nicht so einfach festzustellen. Klar ist, dass alle Schwyzer Gemeinden bei der Steuerbelastung ganz vorne mitmischen. Zwar stehen ihnen die Zuger immer noch vor der Sonne, aber selbst die «Steuerhölle» Einsiedeln ist in dieser Hinsicht schweizweit noch auf Rang 39 platziert.

Schon eher erstaunt, dass vor allem die Ausserschwyzer Gemeinden in der Kategorie «Arbeitsmarkt» noch besser bewertet werden als bei der Steuerbelastung und dabei selbst die Zuger deutlich hinter sich lassen. Recht gut schneiden sie auch in der Kategorie «Wohnen & Immobilien» ab, – je nach Lage sehr unterschiedlich hingegen bei «Mobilität & Verkehr» sowie bei «Versorgung ».

«Ökologie» kein Ruhmesblatt

Nach hinten durchgereicht werden die meisten Ausserschwyzer Gemeinden jedoch in den Kategorien «Sicherheit » und vor allem der neuen Rubrik «Ökologie»: Wollerau zum Beispiel findet sich hier auf dem jämmerlichen Rang 834 von 936 Gemeinden. Die Innerschwyzer schneiden da schon besser ab, Muotathal überrascht gar mit einem 14. Platz. Und Altendorf taucht trotz mässiger ökologischer Bilanz in der Sonderrangliste «Klima-Champions» dank sehr geringer CO2-Emission des Gebäudebestands auf Platz 5 auf. Genug Gründe also für die «Handelszeitung», Gemeindepräsident Beat Keller einen Besuch abzustatten. Dabei bekräftigt er beim Fototermin zu Hause und in der Seestatt, dass man sich in Altendorf halt nach den Bedürfnissen der Menschen richte. Zur Ehrenrettung der Höfe sei jedoch erwähnt, dass Feusisberg gleich in zwei Sonderkategorien Spitze bleibt: Bei «Höchstes Einkommen» erreicht es schweizweit Rang 3, und unter «Tiefste Steuern» steht der Name sogar ganz oben auf dem Treppchen.

Kommentar von Redaktor Andreas Knobel

Wir bleiben Spitze

Gemeinderatings sind eine spannende, durchaus ernstzunehmende Sache. Denn die grösseren Zeitungen und Zeitschriften, die sich die Mühe machen, unendlich viele Daten zu sammeln und einzuordnen, machen dies jeweils sehr seriös. Klar, je nach Kategorien und Gewichtungen fallen die Resultate recht unterschiedlich aus. Ein Fingerzeig können diese Ranglisten jedoch sehr wohl sein.

So können die Höfner Gemeinden, vor allem Freienbach und Feusisberg, sicherlich auch mit dem Ergebnis der «Handelszeitung» leben (siehe Artikel nebenan und auf der Front). Denn dass sie das benachbarte Altendorf vorbeiziehen lassen mussten, schmerzt kaum. Dass aber Ingenbohl, Lachen, Einsiedeln und selbst Reichenburg besser platziert sind, ist schon ein kleiner Affront. Da helfen halt auch die rekordtiefen Steuern und der attraktive Arbeitsmarkt nichts mehr, wenn plötzlich Faktoren wie «Ökologie» stärker gewichtet werden.

Mit diesen Resultaten in der Hinterhand lässt sich bei nächster Gelegenheit herrlich foppen. Allerdings bleibt ein Fakt unumstösslich: Unter dem Strich dürfen alle bewerteten Schwyzer Gemeinden als sehr oder zumindest recht attraktiv bezeichnet werden. Selbst die «letzte» Schwyzer Gemeinde befindet sich schweizweit noch im guten Mittelfeld.

Besonders auffällig ist dies bei der Steuerbelastung. Die «schlechteste» Schwyzer Kommune in dieser Kategorie, Einsiedeln, rangiert auf Platz 39. Das heisst, alle unsere Gemeinden befinden sich steuertechnisch mindestens in den besten 4,16 Prozent. Dies einfach als Hinweis, wenn dann wieder von «Steuervögten» und «Steuerhöllen» die Rede ist…

Andreas Knobel, Redaktion March24 & Höfe24