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Sport
08.10.2021

Mit Vertrauen zum Selbstvertrauen

Schon in mehreren Spielen der laufenden Saison: Nando Eggenberger kommt als Topskorer der SCRJ Lakers aufs Eis.
Schon in mehreren Spielen der laufenden Saison: Nando Eggenberger kommt als Topskorer der SCRJ Lakers aufs Eis. Bild: Keystone
Die SC Rapperswil-Jona Lakers sind mittlerweile dafür bekannt, jungen Spielern eine (zweite) Chance zu geben, sich in der National League zu etablieren. Auch Nando Eggenberger haben sie wieder aufgebaut. Nun ist der 22-jährige Stürmer der derzeitige der Topskorer des Teams.

Wenn die SCRJ Lakers heute Abend Genève-Servette im Heimspiel empfangen, läuft Nando Eggenberger zum wiederholten Mal in der laufenden Saison im Trikot des Topskorers seiner Mannschaft auf. Zwar hat er wie Roman Cervenka elf Skorerpunkte gesammelt, Eggenberger hat aber drei Tore mehr erzielt. 

Der seit gestern Donnerstag 22-Jährige hat in zehn Partien bereits siebenmal – am drittmeisten in der National League – getroffen. Als die Lakers vom 18. bis 28. September fünfmal in Serie gewannen, steuerte er zu jedem Sieg einen Treffer bei. «Wenn man Skorerpunkte machen kann, ist dies immer cool. Und wenn ich so helfen kann, dass wir gewinnen, ist es umso besser», sagt Eggenberger.

Aus dem Nichts kommt sein starker Saisonstart nicht. Der Flügelstürmer aus Chur hat dort angeknüpft, wo er in der vergangenen Meisterschaft aufgehört hat. Damals gelangen ihn in 50 Qualifikationsspielen 21 Skorerpunkte (12 Tore), in 11 Playoff-Partien kamen nochmals 6 Punkte (4 Tore) hinzu. Es war jene Saison, in der Eggenberger allen bewies, warum er schon seit Jahren als ein Supertalent im Schweizer Eishockey bezeichnet worden war. An drei U20-Weltmeisterschaften war er dabei, bei seiner altersbedingt letzten im Dezember 2018 und Januar 2019 als Captain des Schweizer Teams.

Sich aus dem Tief herausgekämpft

Eggenbergers Karriere ist aber auch bereits am Scheideweg gestanden. Nach einer Saison bei den Oshawa Generals in der kanadischen Juniorenliga OHL verlief die Rückkehr im Sommer 2019 zum HC Davos, bei dem er zuvor schon 72 Partien in der National League bestritten hatte (Debüt im Januar 2016 mit 17 Jahren) sehr enttäuschend. Für den Spieler und für den Klub. Nach wenigen Monaten – Eggenbergers Einsatzzeit war in seinen 20 Spielen immer weniger geworden und er war ohne Skorerpunkt geblieben – wurde die Reissleine gezogen. Der Vertrag wurde im gegenseitigen Einvernehmen noch vor Weihnachten aufgelöst, der junge Stürmer wechselte daraufhin umgehend zu den Lakers.

Der SCRJ wusste damals, dass er einen Spieler bekommt, dessen Selbstvertrauen es mit Geduld wieder aufzubauen gilt. Tatsächlich war der Bündner bis zum Ende jener Saison auch bei den Lakers nur ein Mitläufer. Doch Sportchef Janick Steinmann hatte in Eggenberger schon bei dessen Verpflichtung das längerfristige Potenzial der Zusammenarbeit erkannt. Die zweite Chance, welche die Lakers dem Talent gegeben hatten, begann sich in der vergangenen Saison auszuzahlen. Das sei nun die Bestätigung dafür, dass das, was er gemacht habe und mache, ihm etwas gebracht habe. 

Das Vertrauen, dass die Lakers ihm von Anfang an gegeben haben, gibt Eggenberger zurück. Obwohl nun wieder auf der Wunschliste anderer Klubs, verlängerte er seinen Vertrag im letzten Winter vorzeitig bis im Frühling 2023. Heute ist er ein ganz anderer Spieler, als er es noch zu seinen Anfangszeiten in Rapperswil-Jona war. Der wuchtige Powerstürmer hat zu seinem Spiel zurückgefunden, mit dem er auf den verschiedenen Juniorenstufen dominiert hatte. 

Immer noch Luft nach oben

Diese Einstellung gefällt Stefan Hedlund. Der Lakers-Trainer sagt, dass Eggenberger ein sehr talentierter Spieler sei, der aber auch sehr hart an sich arbeite. «Nach jedem Training feilt er an seinem Schuss. Er kennt den Preis, den es für ihn braucht, um auf sein nächstes Level zu kommen.» Hedlund weiss, dass es für seinen aktuellen Topskorer durchaus noch Luft nach oben gibt: «Mit dem Puck ist er fantastisch. Aber sein Spiel ohne Puck kann er verbessern. Wir sind dabei, ihn in diesen Dingen weiterzuentwickeln.» Der Schwede spricht etwa Eggenbergers Verhalten im Fore- und Backckecking an oder wie dieser seinen Stock in Position bringt.

Hedlund erklärt, Eggenberger sei für die Lakers nicht nur wichtig, weil er ein toller Spieler sei. «Er ist auch wichtig, weil er der ganzen Schweiz zeigt, dass die Lakers ein super Klub für die Entwicklung eines Spielers sind und dass die Jungen hier die Möglichkeit bekommen, viel zu spielen.»

Nach dem Vizemeister der Titelverteidiger

Nach einer einwöchigen Spielpause treffen die siebtplatzierten SCRJ Lakers in ihren Partien vom Wochenende auf die Playoff-Finalisten der letzten Saison. Am Freitag ist Genève-Servette zu Gast. 24 Stunden später spielen die Lakers beim Meister Zug. Diesen haben sie in der noch jungen Saison zu Hause mit 3:1 schon einmal bezwungen.

Bernhard Camenisch, Linth-Zeitung / Redaktion March24 & Höfe24