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Wangen
09.10.2021
08.10.2021 16:17 Uhr

Wangner beobachtet auf seiner Messstation Meteoriten

Der Feuerball vom 1. September über dem nördlichen Himmel von den Kameras von Erwin Späni, Wangen, festgehalten: die grüne Farbe lässt sich auf Nickel/Magnesium-Einschlüsse zurückführen.
Der Feuerball vom 1. September über dem nördlichen Himmel von den Kameras von Erwin Späni, Wangen, festgehalten: die grüne Farbe lässt sich auf Nickel/Magnesium-Einschlüsse zurückführen. Bild: Erwin Späni
Der Wangner Erwin Späni hat im Februar einen Traum verwirklicht. Er betreibt eine von zwei Meteormessstationen der Schweiz.

Das spektakulärste Vorkommnis seit der Installation der Meteormessstation auf dem Dach seines Hauses hat sich in den frühen Morgenstunden des 1. Septembers ereignet (wir berichteten). Ein Meteor flog durch den nördlichen Himmel und war zwölf Sekunden sichtbar. Das heisst, eigentlich war es ein Feuerball, denn er war heller als der hellste am Nachthimmel sichtbare Planet, die Venus. «Für ein solches Ereignis lohnt sich der ganze Aufwand», sagt Erwin Späni. Der pensionierte Wangner Elektro- und Informatik-Ingenieur betreibt seit Februar die erste Schweizer Meteormessstation dieser Art. Im April ist im Tessin eine weitere Station hinzugekommen.

Eine weitere Aufnahme des Feuerballs vom 1. September über dem nördlichen Himmel. Bild: Erwin Späni

International vernetzt

Das Netzwerk AMS, zu dem Spänis Anlage gehört, umfasst europaweit mehrere Dutzend Messstationen, so in Spanien, England, Deutschland, Österreich, Dänemark und Osteuropa. «Wir sind untereinander vernetzt, halten monatlich Videokonferenzen ab und schreiben Mails in den Chat, wenn wir etwas Spannendes am Himmel entdecken », schmunzelt Späni. Feuerbälle und Mikrometeoriten

Man sieht mit der Anlage natürlich noch weit mehr als Meteore. So können die Starlinksatelliten von Elon Musk und andere Satelliten beobachtet werden. Manchmal ist die ISS, die Internationale Raumstation, sichtbar. Ebenso werden Blitze und imposante Wolkenformationen aufgezeichnet, sowie ab und zu eine Fledermaus.

Von wissenschaftlichem Interesse

Neben dem persönlichen Interesse für die Astronomie und Weltraumfahrt, das bei dem 65-Jährigen seit dem russischen Sputnik und der ersten Mondlandung 1969 immer vorhanden war, besteht auch ein Interesse der Wissenschaft an seinen erhobenen Daten und Bildern. So liefert Späni seine Daten an www.meteornews.net/ edmond, wo sie für alle Wissenschaftler zugänglich sind.

Im Zusammenhang mit dem Feuerball vom 1. September wurde er auch von der Universität Oldenburg, Fakultät für Astrophysik und Weltraumforschung, direkt für Daten und Bilder angefragt. Mittlerweile konnte die Flugbahn in etwa berechnet werden. Der Meteorit muss in der Nähe von Lauterbach im Schwarzwald eingeschlagen sein, denn es wurde klar, dass einige Fragmente die Erde erreicht haben müssen. «Vielleicht gehe ich auch suchen, auch wenn man Meteoriten, zumindest in der Schweiz, nicht behalten darf», so Späni. Er freut sich darüber, dass sein Video sogar auf der Homepage der ESA zu sehen ist.

Staubkörner galaktischen Ursprungs

Er nehme demnächst auch an einem Seminar über Mikrometeoriten teil. Diese Staubkörner galaktischen Ursprungs können überall vorkommen, in besonderer Menge aber in der Nähe eines Meteoriten. In der «Welt der Kristalle» im deutschen Dietingen hat der Hobbyastronom einen 132 Kilogramm schweren Eisenmeteoriten in den Händen gehalten. Selber besitzt er mehrere kleine Stücke aus Südamerika, die er einmal gekauft hat.

Diesen 132 Kilogramm schweren Eisenmeteoriten hielt Erwin Späni im Museum «Welt der Kristalle» in Deutschland in den Händen. Bild: Erwin Späni

Messstationen im Eigenbau

Natürlich gehört zu den Kameras auf dem Dach auch ein adäquater Computer- Arbeitsplatz im Haus. Dort verbringt Späni viel Zeit. Manchmal ist er bis tief in die Nacht hinein noch aktiv und am Morgen früh wertet er schon die Bilder der Nacht aus.

Neben der Meteorstation betreibt der verheiratete Vater von zwei Töchtern auch Wetterstationen rund um den Obersee und speichert Daten über die Radioaktivität, den Lärm, den Feinstaub, das CO2 mit Geräten Marke Eigenbau. Mikrocomputer und Software programmiert er selber mit C/ CC++, PHP, etc.. Erwin Späni ist in hohem Grad ein Daniel Düsentrieb.

Urs Attinger, Redaktion March 24 und Höfe 24