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04.10.2021
05.10.2021 17:38 Uhr

20 Jahre Holzsteg: ein Blick zurück

Bild: Rapperswil Zürichsee Tourismus
Vor 20 Jahren wurde der Rapperswiler Holzsteg fertig erstellt. Hans Peter Rathgeb schaut nochmals zurück auf die Geschichte der 841 Meter langen Holzbrücke.

Die Idee zum Bau eines Holzstegs, welcher die Kantone St.Gallen und Schwyz miteinander verbindet, ist schon viele Jahrzehnte alt. Ein erster Anlauf wurde 1979 genommen - mit Zustimmung des damaligen Präsidenten der Ortsgemeinde und Ehrenbürger, Walter Domeisen sen. Doch es dauerte bis in die 90er Jahre, bis sich die Idee konkretisierte.

Holzsteg im Bau, kurz vor Vollendung. Bild: zvg. Aus Buch von Hans Rathgeb: "Brücken über den See".

Zu den treibenden Kräften, welche sich für den Bau eines Steges einsetzten, gehörten der Rapperswiler Ehrenbürger Hans Rathgeb und Bankdirektor Robert Liechti. Fachberatung war gefragt, und die erhielten sie von Holzbauer Max Stalder. Die Herausforderung der Initianten war zu Beginn die noch fehlenden finanziellen Mittel. Denn diesmal sollte die Idee nicht in der Schublade verstauben, sondern das Projekt sollte rasch möglichst angepackt werden.

Die Väter der heutigen Holzbrücke: v.l.n.r Walter Domeisen sen., Hans Rathgeb und Robert Liechti Bild: zvg. Aus Buch von Hans Rathgeb: "Brücken über den See".

Ein Teil des Jakobsweg

Es wurde deshalb Kontakt aufgenommen mit der Hochschule Raperswil, um mit den Studenten ein Projekt auszuarbeiten, das zeigen sollte, wie an der engsten Stelle des Zürichsees der Verlauf eines Holzstegs möglich wäre. Viele Details spielten dabei eine Rolle: die Wassertiefe, die Linienführung, die Bootsdurchfahrt und sogar die Holzbeschaffung. Dazu sollte der Steg ein Teil des Jakobsweg werden, damit die Wanderer nicht mehr auf dem Seedamm der Strasse entlang wandern mussten. Für eine Schilfinsel, wo zahlreiche Vogelarten jedes Jahr nisteten, durfte der Steg nicht zum Störfaktor werden.

Gesamtkosten von über 3 Mio. Franken

Es stellte sich die Frage, wie der Bau finanziert werden konnte. Es wurde eine Sammlung bei Privatpersonen, Vereinen, Institutionen, Unternehmen, den Gemeinden durchgeführt und schliesslich gab es Subventionen von Bund und den Kantonen St. Gallen und Schwyz. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 3,2 Millionen Franken.

Ein grosser Spender war zuletzt Heinrich Gebert mit seiner Stiftung, der rund einen Viertel des Stegs finanzierte. Das Konzept und die Gestaltung wurde schliesslich von den Ingenieuren Bruno Huber, Walter Bieler und Reto Zindel verfasst.

Im April 2001 wurde die Holzbrücke fertig erstellt. Bild: zvg. Aus Buch von Hans Rathgeb: "Brücken über den See".

Holzbrücken gab es schon seit langer Zeit

1958 feierte die Stadt Rapperswil 600 Jahre Brücke. Das Heilig Hüsli, die einstige Brückenkapelle mit der Jahreszahl 1511, hat die «brückenlose Zeit» überlebt und 122 Jahre nach dem Abbruch der letzten Holzbrücke neues Leben erhalten. Für den Brückenbau im Jahr 1358 waren die Habsburger verantwortlich, die Rapperswil nach der Zerstörung durch die Zürcher wieder aufbauten. Mit dem neuen Holzsteg wird man an diese Geschichte erinnert.

Die Inseln beim Heilig Hüsli wurden übrigens 1979 von der Stadt zum Naturschutzgebiet erklärt. Eine sichtbare Auswirkung der Schutzbestimmungen ergab sich in der Zunahme von Wasservögel-Bruten und in der Ansiedlung neuer Arten. So berichtete der Vogelexperte Kurt Anderegg.

Der Rapperswiler Stadtpräsident, Walter Domeisen, und die Freienbacher Gemeindepräsidentin, Hedy Jager, durchschneiden gemeinsam das Band. Bild: zvg. Aus Buch von Hans Rathgeb: "Brücken über den See".

Eröffnung des Stegs am 6. April 2001

«Wir wollen bewusst ein einfaches Fest machen, eines, das dem Sinn und Zweck der Brücke entspricht», erklärte der Rapperswiler Stadtpräsident und Präsident der Arbeitsgemeinschaft, Walter Domeisen, «keine Chilbi, und kein 'Chäferfest'», sondern eine kleine, denkwürdige Übergabe der Holzbrücke an die Öffentlichkeit.

Der 6. April 2001 war ein historischer Tag. 123 Jahre nach Abbruch der letzten Holzbrücke wurde die neue 841 Meter lange Brücke feierlich übergeben. Bild: zvg. Aus Buch von Hans Rathgeb: "Brücken über den See".

Rennovation wird notwendig

Eine grössere Instandstellung des Holzstegs steht nach 20 Jahren an. Vor allem durch Pilzbefall wurden besonders die Pfähle aus Eichenholz im Wasser stark angegriffen. Es werden immer noch Fachfirmen gesucht, welche die Renovation vornehmen können. Für Spaziergänger besteht aber weiterhin keine Gefahr. Mit Linth24 bleiben die Bürger auf dem Laufenden.

Hans Peter Rathgeb, freier Mitarbeiter Linth24