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Kultur
01.10.2021

Alte Fabrik im Oktober: Kunst und Tschudi

Ausschnitt eines Plakats mit dem Schauspieler Gilles Tschudi (Gestaltung: Katharina Werdmüller).
Ausschnitt eines Plakats mit dem Schauspieler Gilles Tschudi (Gestaltung: Katharina Werdmüller). Bild: zVg Verein Mosaik
Im Oktober 2021 spielen an den Veranstaltungen der Gebert Stiftung für Kultur in der *Alte Fabrik in Rapperswil-Jona Kunst und Tschudi eine zentrale Rolle.

Am Montag, 11. Oktober schlüpft der bekannte Schauspieler Gilles Tschudi in die Rolle eines Museumswächters, der ein umstrittenes zeitgenössisches Kunstwerk zu bewachen hat.

Am Dienstag, 26. Oktober findet ein Gespräch statt über Hugo von Tschudi, Direktor der Nationalgalerie Berlin von 1896-1909. Der Glarner Bürger und Absolvent des St.Galler Gymnasiums machte es sich zur Aufgabe, den deutschen Kaiser Wilhelm II davon zu überzeugen, zeitgenössische Kunst von Malern wie Manet oder van Gogh zu kaufen.

Tschudis Erfolg inspirierte Sammler weltweit bis hin zu Emil Bührle, dessen Sammlung impressionistischer Kunst ab dem 9. Oktober im neueröffneten Erweiterungsbau des Kunsthaus Zürich zu sehen ist.

NippleJesus – ein Theaterstück von Nick Hornby

Gilles Tschudi wurde einem grösseren Publikum bekannt durch die Fernsehserie Lüthi und Blanc (1999-2007) und den Spielfilm Grounding – die letzten Tage der Swissair (2006).

Im Theaterstück «NippleJesus» des englischen Dramatikers Nick Hornby spielt er einen ehemaligen Türsteher, der seine erste Stelle als Museumsaufsicht antritt. Dave wird eingestellt, um ein Kunstwerk zu bewachen. Die BesucherInnen werden beim Betreten des Raumes vorgewarnt: «ACHTUNG! In diesem Raum befindet sich ein Kunstwerk von kontroversem Charakter. Bitte treten Sie nicht ein, wenn Sie befürchten, in Ihrem moralischen oder religiösen Empfinden verletzt zu werden. Kein Zutritt unter 18 Jahren.»

Zu sehen ist aus der Distanz ein Jesusbild, das sich bei genauerem Hinsehen als aus Abbildungen weiblicher Brustwarzen erstellte Collage entpuppt. Ein Skandal für kunstkritische Moralapostel, die zur Zerstörung des Werks auffordern. Aufgabe von Dave ist es, das Werk vor Zerstörung zu schützen.

Der Monolog beginnt mit der Ablehnung des «geschmacklosen» Bildes und nimmt auf unterhaltsame Art und Weise mit auf eine Reise über verschiedene Zugänge und Fragestellungen zu Kunst und zum konkreten Bild. Der Aufseher lernt die Künstlerin kennen, was seine Haltung gegenüber dem Werk verändert und verkompliziert. Seine zunächst eindeutige Sicht auf das Kunstwerk beginnt sich unerwartet und stetig zu verändern.

«NippleJesus» gewährt dem Publikum einen klugen und liebevollen Einblick in die Kunstszene und ist nebenbei auch ein Plädoyer für die Freiheit der Kunst. Die Kurzgeschichte Hornbys stellt auf unterhaltsam und humorvolle Art Fragen nach dem Wert von Kunst, nach Klischees und nach Tabus im Umgang mit Kunst.

Der Autor

Der britische Schriftsteller Nick Hornby (*1957) gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen Vertretern der Popliteratur. Nach seinem Studium in Cambridge arbeitete er als Lehrer. Seine Romane Fever Pitch, High Fidelity und About a Boy wurden Bestseller und feierten als Filme grosse Erfolge. Hornby wurde zum Kultautor.

Die Geschichte NippleJesus wurde durch Werke des christlichen US-amerikanischen Fotografen Andres Serrano (*1950) inspiriert.

Der Schauspieler

Gilles Tschudi (*1957) wuchs zweisprachig (deutsch und französisch) in Basel auf und besuchte die Schauspielakademie in Zürich. Seit den 1970er Jahren ist er im deutsch- wie im französischsprachigen Raum als Schauspieler engagiert. Er war lange Mitglied des Ensembles des Theater Neumarkt in Zürich und spielte an renommierten Theaterhäusern wie dem Schauspielhaus Zürich oder der Comédie de Genève.

Einem grösseren Schweizer Publikum bekannt wurde Tschudi durch seine Rolle als Bösewicht Michael Frick in der Fernsehserie Lüthi und Blanc (1999-2007) und seine Verkörperung des UBS-Chefs Marcel Ospel in Grounding – die letzten Tage der Swissair (2006).

Gilles Tschudi engagiert sich für die Schweizer Kultur und ist im Patronatskomitee von ART-TV, dem Schweizer Kulturfernsehen im Netz. Seit letztem Herbst ist er unter anderem im Fauteuil Theater in Basel als HD Läppli zu sehen.

Die Regisseurin

Julia Heinrichs lernte in Paris bei «Avant Scène» Maskenbildnerei und bei Jacques Lecoq Körpertheater. Später wurde sie Werbekauffrau und liess sich während eines Studiums in Psychologie und Forensik zum Coach und zur Trainerin ausbilden. Als Regieassistentin und Abendspielleitung am Schauspielhaus Zürich arbeitete sie u.a. mit Peter Brook und Peter Zadek zusammen.

Seit über zehn Jahren ist sie als freie Regisseurin an verschiedenen Staats-, Stadt- und Landestheatern in Meiningen, Kiel, Kaiserslautern und Zürich tätig. Ihre Inszenierungen wurden zu verschiedenen Festivals eingeladen.

Kurzinfo

Anlass: NippleJesus – ein Theaterstück von Nick Hornby
KünstlerIn: Gilles Tschudi – Schauspiel * Julia Heinrichs – Regie
Datum & Zeit: Montag, 11. Oktober 2021, 20:00 Uhr
Reservation: office@alte-fabrik.ch / Tel. 055 225 74 74
Vorverkauf: www.eventfrog.ch
Preise: CHF 30 / CHF 25 (AHV/IV) / CHF 15 (Studierende & Jugendliche)

Weitere Veranstaltung: Tschudis moderne Kunst

HUGO von TSCHUDI
Manet – van Gogh
Kunst im Museum

Im Gespräch mit Dr. Rudolf Koella, Kunsthistoriker, Kurator und Spezialist für Malerei der Moderne folgt Christoph Steiner den Spuren der Persönlichkeit Hugo von Tschudis und dem Einfluss seiner Tätigkeit bis heute.

Als Ausgangspunkt der Wiederentdeckung dient der im Frühjahr 2020 erschienene Roman «Tschudi» von Mariam Kühsel-Hussaini. Die in Berlin lebende Autorin, wurde in Kabul geboren und entstammt einer traditionsreichen afghanischen Kalligraphie-Dynastie.

Kurzinfo

Anlass: Tschudis moderne Kunst (Gespräch)
Datum & Zeit: Dienstag, 26. Oktober 2021, 19:30 Uhr
Reservation office@alte-fabrik.ch / Tel. 055 225 74 74
Vorverkauf: www.eventfrog.ch
Preise: CHF 15 / CHF 10 (ermässigt)

Wichtiger Veranstaltungshinweis

Bitte beachten Sie, es gilt eine Zertifikatspflicht für alle BesucherInnen.

Gebert Stiftung für Kultur