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Lifestyle
12.09.2021
12.09.2021 11:59 Uhr

Camping 1x1 – Folge 5: Ohne Strom geht nichts!

Movie-Night  im Campervan dank 230V-Netz.
Movie-Night im Campervan dank 230V-Netz. Bild: Philip Michael und Angela Ruoss
Ein Leben in einem ausgebauten Van ohne Strom ist möglich, aber wahrscheinlich nur in den seltensten Fällen erstrebenswert. Elektrizität ist gegenüber dem Zelten schliesslich einer der grossen Vorteile, wenn man mit dem Camper unterwegs ist. Im fünften Teil unserer Serie «Camping 1x1» widmen wir uns daher dem Thema Strom.

Wahrscheinlich würde man auch ohne Strom im Camper auskommen. Aber es macht halt einfach viel mehr Spass mit Strom. Sämtliche Geräte können aufgeladen werden, die WC-Spülung und der Wasserhahn funktionieren dank der Wasserpumpe und man kann den Kühlschrank inkl. Gefrierfach betreiben. Daher macht Strom im Van durchaus Sinn. Wir sind auch immer wieder während dem Reisen am Arbeiten im Van und sind daher sowohl auf ein 12V- als auch auf ein 230V-Netz angewiesen. 

Aber nicht nur zum Arbeiten oder für das alltägliche Leben im Van ist Strom gut. Natürlich kann man durch eine tolle indirekte Beleuchtung und gewisse Entertainment-Devices einen wundervollen Kino-Abend im Van verbringen. Und seien wir mal ehrlich: Wer würde dazu schon «Nein» sagen?

Stromvarianten: 12V- und 230V-Netz

Entscheidet man sich für Strom, stellt sich als Erstes die Frage, welchen Strom man benötigt. Muss es unbedingt 230 Volt sein wie Zuhause oder reichen auch 12 Volt? Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man in einem Campervan eigentlich ganz gut mit 12V auskommt. Die meisten Geräte kann man mithilfe eines USB-Steckers über 12V aufladen und die Beleuchtung funktioniert ebenfalls problemlos mit dieser Spannung. Trotzdem empfiehlt sich 230V, wenn man wirklich autark sein und keine Abstriche machen möchte.

Bei der Installation von einem 230V-Netz gibt es einige wichtige Dinge zu beachten. Die Verbauung sollte immer von einem Fachmann ausgeführt und überprüft werden. Es sind nämlich entsprechende Sicherheitsmassnahmen im Büssli zu bedenken. Auch die Verwendung von dickeren Kabeln spielt hier eine wichtige Rolle, um möglichen Kabelbränden entgegenzuwirken. Allerdings hat man natürlich den Luxus wie Zuhause: man kann im Prinzip alles anschliessen und aufladen – sofern die Leistung der Batterie mitmacht.

  • Sicherungskasten unter dem Fahrersitz Bild: Philip Michael und Angela Ruoss
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  • Bordbatterien unter dem Beifahrersitz Bild: Philip Michael und Angela Ruoss
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Der Stromverbrauch

Und da sind wir auch schon beim grössten und fast wichtigsten Thema: der Verbrauch. Man kann natürlich immer nur so viel verbrauchen, wie das Netz und die Batterien auch hergeben. Sofern möglich, empfehlen wir daher,  so viel Verbraucher wie möglich mit 12V zu betreiben. Denn man verfügt nicht überall über Landstrom (230V über die Aussensteckdose) oder hat einen Wechselrichter verbaut, der 12V in 230V umwandelt. Zudem muss man beachten, dass die Batterien auch nur eine begrenzte Leistung haben und sie – je nach Batterie-Art – nicht gern oft entladen und wieder aufgeladen werden. Auf den meisten Ladegeräten oder Verbrauchern ist die benötigte Watt-Angabe ausgezeichnet. So kann man gut ausrechnen, ob die Batterie diesen Verbraucher noch verkraftet oder nicht. Für Licht, Kühlschrank, Ladegeräte usw. sollte es kein Problem sein, lediglich mit 12V zu laden. Schwieriger wird es beispielsweise mit dem Laden des Laptops oder einer elektronischen Zahnbürste – hier ist dann oft ein 230V-Netz nötig.

Lademöglichkeiten der Bordbatterie

Das Laden über die Lichtmaschine funktioniert folgendermassen: Die Lichtmaschine erzeugt bei jeder Fahrt Strom. Meistens sogar mehr, als zum Fahren selbst benötigt wird, weshalb dieser Strom perfekt zum Laden der Autobatterie und der Bordbatterie genutzt werden kann. In den meisten gekauften Campervans ist der Stromkreis mittels eines Trennrelais getrennt. So schafft man zwei individuelle Stromkreise: einen für die Bordbatterie und einen für die Autobatterie. Ein Ladebooster hilft dabei, die Batterien möglichst effektiv und schonend zu laden. Das Gerät ist quasi unverzichtbar, da die Lichtmaschine keine Ladekurve besitzt und somit auf Dauer der Bordbatterie schaden würde.

  • 12V Steckerleiste zum Aufladen von Handys etc. Bild: Philip Michael und Angela Ruoss
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  • Philip Michael arbeitet im Van. Bild: Philip Michael und Angela Ruoss
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Natürlich kann man seine Batterie auch zusätzlich oder ausschliesslich über Solarpanels laden. Um die Energie über eine Solaranlage zu beziehen und die Batterie zu laden, braucht man einen Solarladeregler. Er ist das Bindeglied zwischen Batterie und Solarpanels. Die Batterie muss optimal geladen, darf jedoch nicht überladen werden. Scheint die Sonne auf das Solarmodul, wird die umgewandelte Energie direkt abgespeichert. In der Nacht verhindert der Solarlade-regler eine Rückentladung der Batterie.

Landstrom beziehen per Aussensteckdose

Sollte einem doch mal der Strom ausgehen – oder man möchte die Batterie wieder mal voll aufladen, kann man sich einfach irgendwo «einstecken». Damit ist üblicherweise der Bezug von Landstrom gemeint. Die meisten (gekauften) Campervans sind mit einer sogenannten Aussensteckdose ausgestattet. Mit einem passenden Verlängerungskabel kann man auf Campingplätzen und vielen Stellplätzen darüber die dafür vorgesehenen Stromquellen anzapfen. Somit wäre dann auch wieder ein 230V-Netz hergestellt und man hat die ganzen genannten Vorzüge.

  • Komplette LED-Beleuchtung im Camper Bild: Philip Michael und Angela Ruoss
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  • Aussensteckdose für Bezug von Landstrom Bild: Philip Michael und Angela Ruoss
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Braucht man einen Wechselrichter?

Diese Frage kann man sich mit einer weiteren Frage fast selber beantworten: Wie autark möchte man unterwegs sein? Also wie lange reist man und wie oft möchte man irgendwo stehen, um Landstrom zu beziehen? Sofern man gerne länger abseits von Campingplätzen und Stellplätzen stehen, jedoch nicht auf die Vorzüge eines 230V-Netzes verzichten möchte, ist ein Wechselrichter sicher eine gute Wahl. Ein Wechselrichter oder Spannungswandler wandelt 12 Volt in 230 Volt um (Achtung: bei der Umwandlung von 12V auf 230V kann es immer zu einer Verlustleistung von ca. 10 Prozent kommen). Zudem raten wir zu einem Gerät, das reine Sinuswellen produziert und nicht nur modifizierte. Die reinen Sinuswellen stellen nämlich kein Risiko für deine Geräte wie elektrische Zahnbürste, Haarföhn oder Kaffeemaschine dar. 

Philip Michael und Angela Ruoss