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Galgenen
12.09.2021
10.09.2021 10:16 Uhr

Vom Gruppenleiter zum Bergbauern-Knecht

Aufgewachsen als Sohn einer Bauernfamilie, kennt sich der Hinterbergler bestens mit vielen landwirtschaftlichen Gerätschaften aus. Trotzdem gibt es auch Dinge, die er im Bergeinsatz nie tun würde.
Aufgewachsen als Sohn einer Bauernfamilie, kennt sich der Hinterbergler bestens mit vielen landwirtschaftlichen Gerätschaften aus. Trotzdem gibt es auch Dinge, die er im Bergeinsatz nie tun würde. Bild: Silvia Gisler
Zum dritten Mal absolvierte der gelernte Elektromechaniker Peter Suter aus Galgenen diesen Frühling einen einwöchigen Caritas-Bergeinsatz bei einer Bauernfamilie, die in Not geraten ist. «Ich würde es jedem empfehlen.»

Während andere Jahr für Jahr für viel Geld Aktivurlaub in einem fernen Land buchen, zieht es Peter Suter regelmässig in die Schweizer Bergwelt. Nicht etwa zum Wandern, Biken oder Klettern. Nein. Der 54-Jährige engagiert sich seit drei Jahren für Bergeinsatz-Projekte der Caritas. Sie sind freiwillig und dienen in Not geratenen Bauernfamilien. «Hätte ich gewusst, wie bereichernd diese Einsätze auch für mich sind, hätte ich mich schon viel frühergemeldet», sagt der Galgener sichtlich begeistert. Denn obwohl er keinerlei Bezahlung für die geleisteten Arbeitsstunden erhält, geben sie ihm so viel mehr zurück, als er an Kraft und Schweiss aufwenden muss. «Es tut einfach gut», sagt er kurz und bündig.

«Spürte den ganzen Körper»

Ob an ihm, dem Sohn einer Bauernfamilie vom Hinterberg, ein Bergbauer verloren gegangen sei? «Nein. Es macht schon einen Unterschied, ob man nur für eine Woche auf einem Betrieb mithilft oder damit ein Leben lang seinen Unterhalt verdient.» Zudem habe er bei seinen drei Einsätzen jedes Mal schönes Wetter gehabt. Sogar dieses Jahr! Vielleicht wäre es ihm bei Schlechtwetter eher mal «verleidet» von morgens um 6 Uhr bis abends um 20 Uhr zu arbeiten.Wer weiss?

Dass er mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen fährt, kommt eher selten vor. Einerseits aus Haftungsgründen, andererseits wäre er auch einfach zu ungeübt im steilen Gelände. Trotz seiner grossen Einsatzbereitschaft gibt Suter zu, dass es durchaus Arbeiten gebe, die er verweigern würde. «Wenn ich bei einem falschen Tritt abstürzen könnte, würde ich beim Wildiheuen nicht mithelfen.» Bislang seien die steilen Hänge, in denen er mit Heurechen, -bläser oder -gabel unterwegs war, immer in flachere Wiesen übergegangen. Keine Gefahr also.

Die schönste Erinnerung, die er besitzt, ist eine ans Unkrautbekämpfen im Isental. «Dafür lief ich einen Tag lang über eine saftig blühende Bergwiese mitten in traumhafter Bergwelt auf 1'300 Metern über Meer mit Blick auf den Vierwaldstättersee», so Suter. «Das fühlte sich überhaupt nicht mehr an wie Arbeit. So schön war es da.»

Familien sind sehr froh über Hilfe

Deshalb weiss der Galgener schon heute, dass er auch im nächsten Frühjahr wieder einen Bergeinsatz leisten möchte. Wo es ihn hinziehen wird, weiss er noch nicht. Die Projekte sucht er sich jeweils auf bergeinsatz.ch aus. «Die Betriebe, die Familie und die Hintergründe für den Einsatz sind immer sehr gut beschrieben», sagt Suter. Man wisse genau, worauf man sich einlasse – ob Grossfamilie, alleinstehender Bergbauer, Stall- oder Erntearbeiten. Die Betriebe, die der Galgener besuchte, waren völlig unterschiedlich. Mal wurden 100 Hühner gehalten und das Vieh war bereits auf der Alp, mal gab es Hochlandrinder und mal Milchkühe zu versorgen. Eines aber hatten alle gemeinsam: «Die Familien sind immer sehr froh, dass jemand kommt. Bis heute pflege ich Kontakt zu ihnen und besuche sie auch noch ab und zu.»

 

Silvia Gisler, Redaktion March24 & Höfe24