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Pfäffikon
03.09.2021
03.09.2021 16:21 Uhr

Eine Künstlerin sammelt auf dem Dorfplatz Wünsche der Bevölkerung

Die Künstlerin Anna Graber steckt hinter dem mobilen «Café des Visions».
Die Künstlerin Anna Graber steckt hinter dem mobilen «Café des Visions». Bild: Franziska Kohler
Eine Gelateria, ein Café oder ein gemütlicher Raum zum Verweilen: Auf dem Pfäffiker Dorfplatz setzt sich die Künstlerin Anna Graber während vier Tagen mit Gestaltungswünschen auseinander. Das Ergebnis findet Eingang in eine Wunsch-Karte von Pfäffikon.

Reges Treiben herrscht auf dem Dorfplatz von Pfäffikon. Die Sonne scheint, Autolärm mischt sich mit Stimmengewirr. Und mitten in diesen Durchgangsort hat die Künstlerin Anna Graber ihr mobiles «Café des Visions» aufgebaut – mit stapelbaren Plastiksesseln, transportiert mit einem Veloanhänger. Der Name ihres Settings ist an die Dorfplatz-Cafés im Süden Frankreichs angelehnt. Diese nehmen eine zentrale Stellung ein für das örtliche Sozialleben, sind Orte des Austauschs, des Dialogs. Und schliesslich geht es in Anna Grabers Projekt um nichts weniger als um Wünsche und Visionen für einen bestimmten Ort. Denn sie sammelt auf Einladung des Vögele Kulturzentrums während vier Tagen Wünsche von Einwohnern, Passantinnen, zufällig Vorbeiziehenden an den Pfäffiker Dorfplatz. Noch bis morgen ist sie vor Ort.

Kartographin von Wünschen

Am Ende dieser vier Tage wird Anna Graber eine Art Landkarte der Wünsche erstellen. «Ich sehe mich durchaus in der Tradition der frühneuzeitlichen Kartographen», erklärt sie. Diese haben Karten von bislang unbekannten Orten erstellt und sie damit zugänglich gemacht. Ihre Arbeit ist eine Art Entdeckungsfahrt in die Wunschlandschaft der Besucherinnen und Besucher dieses Ortes zwischen Gemeindehaus, Kirchentreppe, Parkplatz und Supermarkt. Das Ergebnis wird ab dem 12. Oktober im Rahmen der Ausstellung «unMöglich? Über die Kraft unserer Wünsche» im Kulturzentrum zu sehen sein.

Anna Graber spricht die Passanten nicht an. Sie möchte, dass die Menschen die Initiative selber ergreifen, von sich aus ihre Wünsche einzubringen. Bild: Franziska Kohler

Passanten sollen mitgestalten

Bis dahin sind aber Besucherinnen und Besucher des Dorfplatzes gefragt. Neugierig betrachten Vereinzelte den weissen Schriftzug am Boden, überlegen sich, stehen zu bleiben. «Was wünschst du dir für diesen Ort?», steht hier als Frage und Aufforderung. «Café» ist bereits mit weisser Kreidefarbe verewigt, daneben heisst es: «Gelateria mit Zutaten aus der Region.» Zeichnungen ergänzen den Schriftzug. «Das Glacé hat eine junge Frau gemalt», erläutert Anna Graber. Wer nicht selber etwas gestalten möchte, kann seinen Wunsch auch der Künstlerin übergeben und sie malt und schreibt ihn später auf den Boden. Auch Skizzen sind ihr willkommen.

Einige Jugendliche bleiben vor der Szenerie stehen, schauen sich interessiert um, diskutieren, gehen weiter. Anna Graber spricht sie nicht an. Sie möchte, dass die Menschen die Initiative selber ergreifen, von sich aus ihre Wünsche einbringen.

  • Passanten stimmen dem in Kreide festgehaltenen Wunsch nach einer Gelateria zu. Bild: Franziska Kohler
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  • Anna Graber in Aktion auf dem Pfäffiker Dorfplatz. Bild: Franziska Kohler
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Ortsansässige als Experten

«Mit jedem Wunsch sammle ich auch implizites Wissen», sagt Anna Graber. «Personen, die im Ort wohnen, sind Expertinnen und Experten in Bezug auf seine Gestaltung.» Sie verfügen über die nötigen Alltagserfahrungen. Sie haben darum auch eine gewisse Handlungsmacht. «Sie können kleine Dinge einbringen», ergänzt sie. Ihre Arbeit sieht Anna Graber als eine Art Samen, aus dem etwas Konkretes erwachsen könnte.

Zwei Frauen bleiben stehen, betrachten die weissen Zeichnungen und nicken zufrieden. Eine von ihnen ist Yvonne Feusi aus Pfäffikon. «Wir können dem nur zustimmen», sagt sie im Hinblick auf den in Kreide festgehaltenen Wunsch nach einer Gelateria. «Das ist eine sehr gute Idee.» Mayra Feusi ergänzt: «Aber sie sollte gemütlich sein, zum Verweilen einladen.» Anna Graber nimmt den Pinsel und ergänzt das Glacé-Bild kurzerhand mit Mayras Wunsch.

  • Yvonne Feusi mit Mayra: Sie schliessen sich dem Wunsch nach einer Gelateria auf dem Dorfplatz an. Bild: Franziska Kohler
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  • Die Wünsche werden mit Kreide-Farbe festgehalten und finden später Eingang in eine Wunsch-Karte. Bild: Franziska Kohler
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Wunsch nach geschützter Oase

Derweil haben sich die Jugendlichen auf der Kirchentreppe niedergelassen und beobachten das Treiben auf dem Dorfplatz. Autos hupen, Passanten streben eilig in den Einkaufsladen. «Ich wünsche mir einen Ort zum Verweilen», hält Elisabeth Bodenmann angesichts der aufkommenden Hektik fest. Auch sie wohnt in Pfäffikon und hätte gerne eine Abschrankung gegen den Parkier-Verkehr auf dem Platz. Eine Art Oase des Austauschs. So wäre auch ein Schwatz möglich, ohne ständig auf Autos achtgeben zu müssen.

Nach zwei Tagen ziert bereits eine Fülle von Wünschen den Dorfplatz. Vielleicht werden es bis morgen noch viele mehr?

Franziska Kohler, Redaktion March24 & Höfe24