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Pfäffikon
23.07.2021
23.07.2021 12:44 Uhr

Ohne Augenschutz trüben die Linsen

Oberärztin Tina Eckert kennt sich mit Augen – und ihren Problemen – aus. Sie selber trage das ganze Jahr über eine Sonnenbrille, um ihre Augen zu schützen.
Oberärztin Tina Eckert kennt sich mit Augen – und ihren Problemen – aus. Sie selber trage das ganze Jahr über eine Sonnenbrille, um ihre Augen zu schützen. Bild: zvg
Was passieren kann, wenn man auf die Sonnenbrille verzichtet, erklärt Augenärztin Tina Eckert im Interview.

mit Tina Eckert sprach Anouk Arbenz

Es ist wieder heiss und sonnig, und damit auch wieder hell. Ausserdem gibt es in den Ferien mit dem Salzwasser, der Sonnencrème und der vielen Zeit im Freien noch mehr Faktoren, die unsere Augen stark beanspruchen. Wir haben mit Dr. med. Tina Eckert, Fachärztin Ophthalmologie FMH und Oberärztin in der Vista Augenklinik Pfäffikon, gesprochen.

Welchen Gefahren sind unsere Augen im Sommer ausgesetzt?

Zum Einen ist die UV-Belastung höher als im Winter, da die Sonne höher am Himmel steht. Zum anderen lockt uns das schöne Wetter auch öfter nach draussen. Ein richtiger UV-Schutz ist wichtig, denn so kann man eine frühzeitige Linsentrübung und akute wie chronische Schädigungen der Netzhaut verhindern. 

Um welche Tageszeit ist die Gefahr am Grössten?

Die UV-Belastung ist in der Mittagszeit am grössten, da die Sonne dann am höchsten steht. Der Weg der Sonnenstrahlen durch die Atmosphäre, die vor allem UVC-, aber auch einen Grossteil der UVB- und auch UVA-Strahlen filtert, ist dann am kürzesten. 

Welche Gefahren gehen vom Meer aus?

Am Meer muss man besonders aufpassen, da das Wasser dort zusätzlich zur direkten Sonne die Strahlung reflektiert, was die Strahlung um etwa 25 Prozent erhöht. Doch auch das Wandern in den Bergen darf man nicht unterschätzen, denn hier ist man der Sonne noch näher und die Luft ist klarer. 

Und was ist mit dem Salzwasser: Gut oder schlecht?

Auch unsere Tränen sind salzig – der Salzgehalt im Meerwasser ist jedoch drei- bis viermal so hoch. Dadurch brennt es anfangs, wenn man die Augen unter Wasser öffnet, aber nach einiger Zeit gewöhnen sich die Augen daran. Der Salzgehalt ist also nicht gefährlich, jedoch gibt es Schadstoffe und Keime im Meerwasser. Daher empfehle ich, eine Taucherbrille zu tragen. Kontaktlinsen erhöhen übrigens die Infektionsgefahr.

Sonnencreme im Auge: Das kann mal passieren. Harmlos?

In der Regel ist das zwar unangenehm, hinterlässt aber keine bleibenden Schäden. Wenn die Augen brennen und tränen, können ausgiebiges Spülen mit Wasser oder Tränenersatzmittel sowie kühlende Pads die Symptome lindern. 

Kann man einen Sonnenbrand im Auge bekommen? 

Einen Sonnenbrand am Auge gibt es tatsächlich. Man nennt das auch Verblitzung, Keratoconjunctivitis photoelectrica oder Schneeblindheit. Wie der letzte Name schon sagt, tritt die Verblitzung häufiger in den Bergen auf, da die starke Sonneneinstrahlung zusätzlich zu 80 Prozent vom Schnee reflektiert wird. Die Symptome entstehen in der Regel erst sechs bis acht Stunden, nachdem man der Strahlung ungeschützt ausgesetzt war. Meistens zeigen sie sich durch sehr starke Schmerzen, Rötung und Tränen beider Augen und schlechtem Sehen. 

Heilt das wieder?

Als Augenärzte können wir in dieser Situation nur die Heilung unterstützen, das machen wir mit antibiotischen Salben und pflegenden Augentropfen. Da meistens nur die äusserste Schicht der Augenhornhaut betroffen ist, heilt sie in der Regel nach ein bis zwei Tagen wieder. Da die Hornhaut aber viele sensiblen Nerven hat, ist
der Heilungsprozess sehr schmerzhaft. 

Haben Sie im Sommer viele Patienten mit gereizten Augen?

Ja, tatsächlich. Mein Tätigkeitsbereich betrifft vor allem den hinteren Bereich des Auges und die Netzhaut. Eine langfristige UV-Strahlung ist einer der Risikofaktoren für eine der häufigsten Ursachen einer Sehbeeinträchtigung im Alter: der Makuladegeneration. Über die Jahre führt die UV-Strahlung zu einer Erhöhung von oxidativem Stress an der Netzhaut, was die Entstehung der Makuladegeneration begünstigt. Wir behandeln sehr viele Patienten mit diesem Leiden.

Sind sich die Ausserschwyzer der Gefahr durch die Sonne bewusst?

Ich denke, dass die Gefahr durch die UV-Strahlung schweizweit unterschätzt wird. Je älter wir werden, desto mehr nimmt der natürliche, innere Sonnenschutz – die Anzahl der Pigmente im Zentrum der Netzhaut – ab. Aber auch Kinder sind gefährdet, denn sie haben in der Regel eine grosse Pupille, daher tritt mehr der UV-Strahlung in das Auge ein. Dazu kommt eine sehr klare Linse, welche noch nicht die nötigen filternden Eigenschaften besitzen kann. Im ersten Lebensjahr können bis zu 90 Prozent der UVA-Strahlung und auch 50 Prozent der UVB-Strahlung die Netzhaut ungehindert erreichen. Mit 14 Jahren sind es noch ungefähr 60 und 25 Prozent. Erst mit circa 20 Jahren werden die UV-Strahlen an der Linse gestoppt. Eine adäquate Sonnenbrille ist daher unabdinglich.

Kann man blind werden, wenn man keine Sonnenbrille aufhat? 

Eine vollständige Blindheit wäre ungewöhnlich, allerdings kann der ungeschützte Blick in die Sonne schon nach wenigen Minuten zu bleibenden Schäden im Zentrum der Netzhaut – der Makula – führen. Eine langjährige Sonneneinstrahlung begünstigt zudem eine vorzeitige Trübung der Augenlinse. 

… der Graue Star?

Genau. Die Linse wirkt wie ein UV-Filter und kann bei starker Beanspruchung schneller eintrüben. Patienten mit einem Grauen Star müssen ab einem gewissen Stadium dann operativ behandelt werden.

Reicht es, wenn man nur im Sommer eine Brille trägt?

Ich persönlich trage das ganze Jahr über eine Sonnenbrille, aber vor allem im Sommer in den Bergen und am Meer sollte immer ein adäquater Sonnenschutz getragen werden. 

Worauf muss man beim Brillenkauf achten? 

Es gibt verschiedene Dinge, auf die man beim Brillenkauf achten sollte. Zum einen sollte die Brille nicht zu klein sein, um eben auch die empfindliche Haut um das Auge herum zu schützen. Zum anderen ist ein adäquater UV-Filter sehr wichtig, das heisst, die Sonnenbrille sollte mindestens CE-zertifiziert sein. Noch besser ist eine Sonnenbrille mit einem UV-Schutz 400. Die Tönung sagt übrigens nichts über den UV-Schutz aus und birgt auch Gefahren. Umso dunkler das Brillenglas, umso mehr weiten sich unsere Pupillen – hat die Brille dann keinen UV-Schutz, kann viel gefährliche Strahlung ins Auge eintreten. Weiter soll eine Sonnenbrille eben auch die Blendung verringern. Gerade beim Skifahren und bei Wassersportarten ist dies besonders wichtig, da die Sonne durch die reflektierenden Oberflächen des Wassers und Schnees zusätzlich blendet.

Welche Kategorie braucht es in unseren Breitengraden?

Mit der Kategorie 2 (57 bis 82 Prozent Lichtfilter) oder Kategorie 3 (83 bis 92 Prozent Lichtfilter) kommen wir in unseren Breitengraden meist gut zurecht. Brillen der Kategorie 4 absorbieren über 92 Prozent des Lichts.
Sonnenbrillen mit dieser Kategorie sind bei Bergwanderungen sinnvoll, aber auf keinen Fall für Mountainbike-Touren oder gar zum Autofahren geeignet!

Anouk Arbenz, Redaktion March24 & Höfe24