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Sport
21.07.2021
21.07.2021 09:49 Uhr

Olympia im Kopf

Tanja Hüberli (im Bild) und Nina Betschart starten am Samstag ins Olympia-Turnier und trainieren dafür hart
Tanja Hüberli (im Bild) und Nina Betschart starten am Samstag ins Olympia-Turnier und trainieren dafür hart Bild: Andreas Eisenring
Die Beachvolleyballerinnen Tanja Hüberli und Nina Betschart stehen vor ihren ersten Olympischen Spielen.

Noch ist es ruhig. Nach einer Trainingseinheit sitzen Tanja Hüberli, Nina Betschart und ihr Trainer Christoph Dieckmann in einem lauschigen griechischen Café. Zwei Tage zuvor ist das Schweizer Beachvolleyball Team in Griechenland, in Thessaloniki, angekommen. «Die Hitze könnte noch kommen», schreibt die Reichenburgerin Tanja Hüberli nach der Ankunft. 

Die Stimmung ist entspannt. Während des Interviews wird viel gelacht, ein Cappuccino geschlürft. Keine Spur von Anspannung vor den Olympischen Spielen. Als Weltnummer 5 hat sich das Schweizer Duo klar und deutlich für die Sommerspiele in Tokio qualifiziert. Vier Wochen vor den Spielen gilt es, die letzten Details anzuschauen. Viele Annahmen, Pässe und Services stehen auf dem Programm, Routineaktionen.

Erfahrener Trainer

«Ich bin sehr zufrieden mit den bisherigen Vorbereitungen», sagt Trainer Dieckmann. Im Gegensatz zu seinen Schützlingen wird er bereits zum fünften Mal an Olympische Spiele reisen. Für Hüberli wie für Betschart wird es der erste Auftritt an diesem Grossanlass sein. «Es wird bestimmt speziell sein», sagen beide. «Klar werde ich wohl beim Einlaufen nervös sein», so Tanja Hüberli. Schliesslich hätten sie nun fünf Jahre lang auf dieses Ziel hin trainiert. Nina Betschart erklärt: «Wir sind auch da sehr gut vorbereitet. Ich hoffe einfach, dass wir das alles geniessen und mit einer gewissen Lockerheit an die Sache herangehen können.» Am Ende des Tages ist es ein Volleyballturnier, daran sind sich die beiden ja schon länger gewöhnt. Trotzdem: «Es wird schon nicht so sein wie bei jedem anderen Turnier», gesteht Nina Betschart. Tanja Hüberli nickt dazu und bestätigt dies. Es wird schon speziell kribbeln.

Rückblickend auf die bisherige Saison ist Tanja Hüberli sehr zufrieden. «Für uns war kein Turnier in der Gruppenphase oder im Sechzehntelfinal vorbei, das ist schon einmal super.» Klar wäre vielleicht noch mehr dringelegen. Zwei Finalteilnahmen (Düsseldorf und Sotschi) stärken das Selbstbewusstsein der Schweizerinnen. In Cancun und Ostrava schaute zudem ein 5. Platz heraus. «Wir sind sicher weiter als Anfang Saison», sagt Nina Betschart. «Ich bin zuversichtlich.» Dass sie mit der Weltelite mehr als nur mithalten können, haben sie in den vergangenen zwei Wochen in Kloten und in Gstaad bewiesen.

«Nina ist sehr ausgeglichen und geduldig, vor allem mit dem Trainer (lacht). Sie ist für fast jeden Spass zu haben.»
Tanja Hüberli

Noch stärker geworden

Welche Schlüsse ziehen die beiden aus ihren Erfahrungen? «Wir wissen, dass wir eher Langsamstarter sind, dass wir ein paar Spiele brauchen, um den Rhythmus zu finden.» Darauf wurde das Augenmerk in den Turnieren in Doha und Cancun gelegt. «Da sind wir sicher besser geworden.» Auch das Spiel ist variabler als früher.

Die beiden wollen auf ihre Stärken, die sie sich in den letzten Jahren angeeignet haben, vertrauen. «Die Tatsache, dass wir die Nummer 5 der Welt sind, bestätigt uns ja, dass wir in den letzten zwei Jahren unglaublich konstant waren und sehr gute Resultate geholt haben», so Hüberli weiter. «Wenn wir am Ende des Turniers sagen können, dass wir alles gegeben haben, dann sind wir zufrieden», erklärt die Reichenburgerin. Sich auf einen konkreten Rang in der Tabelle zu versteifen, wäre sowieso falsch. Natürlich wäre es schön, um die Medaillen mitzuspielen. «Wir wären für eine Olympia-Medaille bereit», sagt sie verschmitzt. «Wir sind vorbereitet, in den Krieg zu ziehen und alles in die Waagschale zu werfen.» 

Primär geht es den beiden Beachvolleyballerinnen um die Leistung. «Manchmal hat man auch Lospech und muss früh schon gegen ein sehr starkes Team antreten», so Hüberli weiter. «Oder die Gegnerinnen erwischen einen super Tag, wir aber nicht.» Dann kann das Ausscheiden schnell kommen.

Ein möglichst langes Turnier

Das alles ist noch ein paar Tage weg. Die beiden reisten frühzeitig an, nicht erst auf den letzten Drücker hin. «Es ist ein langes Turnier, da ist es ideal, wenn wir gut akklimatisiert sind», so Hüberli. Aber auf die Eröffnungsfeier vom Freitag wird sie wohl verzichten. «Da steht man lange herum. Zudem haben wir einen Tag später unser erstes Spiel.» Dem will sie alles unterordnen. 

Nun steht Tanja Hüberli kurz vor ihrem ersten Einsatz an Olympischen Spielen, so etwas hätte sie vor ein paar Jahren nicht erwartet. Deshalb sagt sie: «Es war nie mein absoluter Kindheitstraum.» Also sei das Verpassen der Zeremonie auch keine Enttäuschung. «Ich bin einfach megastolz, dass wir unser Land vertreten dürfen.» Sie freut sich darauf, in den Schweizer Kleidern durch das Athletendorf zu laufen, viele andere Sportler zu treffen. «Ich muss einfach aufpassen, dass ich mich von diesen vielen Eindrücken nicht erschlagen lasse», lacht sie.

Ein paar Brocken Japanisch hat Hüberli gelernt, Sushi essen beide «megagern, aber nicht gerade jeden Tag», wie die Reichenburgerin mit einem Schmunzeln antwortet. Sollte das Turnier länger gehen, haben die beiden bestimmt die Gelegenheit, sich lokal kulinarisch verwöhnen zu lassen. Ihre erste Partie bestreiten die beiden Schweizerinnen am Samstag um 8 Uhr Schweizer Zeit. Sie treffen dann auf das deutsche Duo Ludwig/Kozuch.

«Tanja ist ein sehr offener Mensch in vielen Bereichen. Sie ist sehr zielstrebig und auch humorvoll.»
Nina Betschart
Franz Feldmann, Sportredaktion March24 & Höfe24