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Freienbach
15.07.2021

Ein schlechtes Jahr für Imker

Bruno Reihl hat sich schon in seinen Jugendjahren  mit Bienen beschäftigt.
Bruno Reihl hat sich schon in seinen Jugendjahren mit Bienen beschäftigt. Bild: Roger Tschümperlin
Bieneninspektor und Imker Bruno Reihl aus Wilen sieht Schwarz für diese Honigsaison. Der 66-Jährige rechnet damit, dass die Honigernte dieses Jahr buchstäblich ins Wasser fällt.

Bruno Reihl züchtete schon mit 14 Jahren sein erstes Bienenvolk. «Das Volk gehörte einem professionellen Imker, ich durfte es betreuen», erzählt der 66-Jährige. Später kamen dann noch zwei Völker hinzu. Aufgrund seines Studiums und der Familie habe er dann lange Zeit nicht mehr geimkert. Vor 15 Jahren hat er wieder damit begonnen. «Ich musste viele Kurse besuchen, da sich das Handwerk in 50 Jahren stark verändert hat. Auch die Varroamilbe, die heute zu einem ständigen Begleiter geworden ist, gab es damals noch nicht.»

Im März zu warm, im Frühling zu nass und kalt

Bei der Bienensaison kommt es vor allem auf den Mai an. Wenn es dann sonnig und warm ist, kann eine gute Ernte erwartet werden. Die Pollen aus Obstblüten, Löwenzahn und Wiesenblumen ergeben dann den klassisch hellen Blütenhonig. «Von diesem Honig konnten wir im letzten Jahr circa zehn Kilogramm pro Volk ernten», berichtet Reihl.« Im Sommer kam dann noch der Waldhonig mit weiteren 15 Kilo dazu, der aus dem sogenannten Honigtau gewonnen wird.»

  • Der Bienenstock musste umplatziert werden – wegen des vielen Wassers. Bild: Roger Tschümperlin
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  • Bild: Roger Tschümperlin
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In diesem Jahr hingegen war es bereits im März sehr warm, im April bis Juli dann wieder kalt und nass. Somit konnten die Bienen nicht genug Nektar sammeln. Den wenigen Honig, den sie produzieren, benötigen sie nun selber als Nahrung, «womit die Ernte in diesem Jahr wohl praktisch null sein wird». Auch um den Waldhonig steht es nicht sonderlich gut: «Die Läuse, die den Honigtau in den Baumkronen produzieren, werden durch den vielen Regen weggeschwemmt.» Viele Imker müssen also davon ausgehen, dass sie dieses Jahr keinen Honig ernten können.

Kein überdurchschnittliches Bienensterben

Verluste von Bienen gab es aber keine. «Solange der Imker alles richtig macht und seine Bienenvölker im Auge behält, geht es den Bienen auch bei diesen Wetterbedingungen gut. Es muss natürlich mehr zugefüttert werden, da die Bienen weniger ausfliegen.» Probleme würden wilde Bienen bekommen, die keinen Imker hätten, der sich um sie kümmert.

Es brauche mehr bienengerechte Grünflächen und Gärten, sagt der 66-jährige Imker. «Da gehört auch dazu, dass vermieden wird, Steingärten anzulegen»

Der Bienenstock an seinem neuen, trockenen Platz. Bild: Roger Tschümperlin

Zu Zweit ein ganzes Volks vor dem Untergang gerettet

In der Nacht auf Mittwoch erreichte Bruno Reihl, der auch Bieneninspektor ist, ein Notruf aus Hurden. Ein Bienenstock drohte in den See zu kippen. Das Hochwasser der letzten Tage hatte den Stand unterspült. In einer Nacht- und Nebelaktion wurde der Stock mit einem Seil provisorisch an einem Baum befestigt. Unterstützung bekam Reihl am folgenden Tag dann von Imkerkollege Röbi Knobel. Damit der Transport möglichst ohne Bienenstiche vollzogen werden konnte, musste Knobel den Eingang zum Stock erst zukleben. Mit vereinten Kräften gelang es den beiden, das Bienenvolk erst einmal von der Uferzone hochzuheben. Anschliessend wurde das Zuhause der Bienen an seinem neuen Standort, einige Meter vom Wasser weg, wieder aufgestellt und gesichert. In ein paar Tagen oder Wochen, wenn sich das Wasser wieder zurückgezogen hat, kann der Bienenstock wieder an seinen ursprünglichen Standort zurückgestellt werden.

Roger Tschümperlin, Redaktion March24 und Höfe24