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Reichenburg
14.07.2021
13.07.2021 17:44 Uhr

In Reichenburg regt sich Widerstand gegen Altersheim-Erweiterung

Nicht nur ein einzelnes Vorhaben fördern: Einige Reichenburger möchten die gesamte Dorfinfrastruktur einbinden.
Nicht nur ein einzelnes Vorhaben fördern: Einige Reichenburger möchten die gesamte Dorfinfrastruktur einbinden. Bild: Lars Morger
Sieben Einsprecher bremsen den Bau der Alterswohnungen in Reichenburg aus. Welches sind ihre Gründe und warum verlangt auch der Verein Pro Reichenburg einen «Marschhalt»?

Im September 2018 hiess das Stimmvolk von Reichenburg die Sanierung und Erweiterung des Alters- und Pflegezentrums zur Rose und den Neubau von Alterswohnungen sowie den Neubau einer öffentlichen Tiefgarage für rund 24 Mio. Fr. gut. Damals herrschte Freude bei den Entscheidungsträgern. Die Planung ging zügig voran, das Gesuch um Baubewilligung wurde eingereicht. Während der Auflage im März 2020 traten sieben Einsprecher auf die Bremse. Eine Sammeleinsprache verlangt ein Überdenken des Vorhabens.

Die Einsprecher kritisierten, dass es sich bei den Antragstellern und der ­Bewilligungsbehörde um dieselben Personen handelt, und bewirkten schliesslich, dass vier Mitglieder des Gemeinderates wegen Befangenheit in den Ausstand treten mussten ­(Gemeindepräsident Armin Kistler, Daniel Flury, René Schellenberg und Hansjörg Amacker).

Aktuell ist nun die materielle Einsprache hängig, die von Gemeindevertretern und Baukommission behandelt werden muss und dann unter anderen von den Gemeinderäten Nicola Milano, Marc Steiner und Hanspeter Rast entschieden werden soll.

«Das Projekt ist nicht das, worüber wir abgestimmt haben.»
Edi Diethelm, einer der Einsprecher

Was wollen die Einsprecher? «Das Projekt ist nicht das, worüber wir abgestimmt haben», sagt Edi Diethelm, einer der Einsprecher. Das bauplanerische Vorgehen sei fragwürdig. Es seien nahezu ein Dutzend Ausnahmebewilligungen beantragt und gesprochen oder in Aussicht gestellt worden. Dazu kommt: «Die Sanierung des ­Altersheims ist Bestandteil des ­Budgets, ­darum darf es nicht sein, dass diese Kosten jetzt die Altersheim-Rechnung belasten sollen», führt Diethelm aus, der als Bauplaner vom Fach ist.

«Zudem ist die demografische Entwicklung der Region unseres Erachtens zu wenig thematisiert. Wir müssen heute schon davon ausgehen, dass neue Wohnformen für das Alter an ­Bedeutung gewinnen, das Projekt trägt dem zu wenig Rechnung.» Nebst sozialen Aspekten gibt es wirtschaftliche: «Konkret wird Tuggen zu wenig einbezogen. Diese Gemeinde trägt das Risiko nicht mit, soll aber von heute 15 Plätzen im APH zur Rose auf 25 Plätze aufgestockt werden.»

Diethelm betont, die Einsprechenden wollten die Leistung der Behörden nicht schmälern. Sie bestehen aber auf demokratische Mitsprache – wenn es sein müsse, mit weiteren rechtlichen Schritten.

In der Obermarch ist man sich uneinig über die Altersheim-Strategie. Bild: Lars Morger

Auch der Verein Pro Reichenburg engagiert sich in dieser Sache. Er steht vollumfänglich hinter dem bestehenden Altersheim und der dringend ­benötigten Sanierung. Der Verein, das muss auch erwähnt werden, hat nichts mit der Baueinsprache zu tun. Doch das neue Projekt sei ein ­«Relikt vergangener Zeit», weil es der Gesamtentwicklung des Dorfes nicht Rechnung trage. Der Verein ist der ­Ansicht, ein «Marschhalt» sei ­erforderlich.

Bis vor Kurzem herrschte offenbar zwischen allen beteiligten Parteien Funkstille. Das soll sich nun ändern. Der Gemeinderat hat dem Verein Pro Reichenburg jüngst Gesprächstermine vorgeschlagen. Ende August soll es zu einem Gedankenaustausch kommen.

Johanna Mächler, Redaktion March24 & Höfe24