Home Region Sport Agenda In-/Ausland Magazin
Region
11.07.2021

Er sägt auch mal ein Wohnmobil auseinander

Auch «Mister Corona», Daniel Koch, besuchte Honegger kürzlich im Atelier in Meilen, um sich vor der «Virusmaschine» ablichten zu lassen.
Auch «Mister Corona», Daniel Koch, besuchte Honegger kürzlich im Atelier in Meilen, um sich vor der «Virusmaschine» ablichten zu lassen. Bild: Dave Honegger
Dave Honegger ist Künstler durch und durch. Tage- und wochenweise schwitzt er in seinem Atelier, um fremde Welten zu erschaffen. Nach einem erfolgreichen Fotoshooting macht es ihm aber auch nichts aus, diese wieder zu zerstören.

«Kunst ist für mich Selbstverwirklichung», sagt der erst 20-jährige Dave Honegger aus Pfäffikon/ZH. «Ich stelle es mir vor, als wäre die Kunst mein Kind. Ich investiere viel Arbeit, Geld und Zeit, erwarte aber nicht, dass etwas zurückkommt.»

Arbeit und Vergnügen

Der Künstler vom anderen Ufer des Zürichsees tanzt buchstäblich auf vielen Hochzeiten. Auch wenn wegen der Pandemie in den letzten Monaten die meisten Aufträge und Events weggefallen sind, wusste er sich stets zu helfen.

Einerseits realisiert er in seinem Atelier in Meilen eigene Kunstprojekte, andererseits stehen immer wieder Auftragsarbeiten an. Diese variieren von Hochzeitsfotos bis hin zu Musikvideos. Er sagt ganz einfach: «Fotografieren und Filmen ist mein Lebensinhalt.»

Honegger schätzt die Auftragsarbeiten sehr. «Ich kann nicht immer nur das machen, was ich will. Das bringt einen als Künstler weiter», ist er überzeugt. Er brauche diesen Kontrast zur totalen Freiheit im eigenen Atelier, zudem sei die Zusammenarbeit mit anderen Kreativen immer ein gutes Erlebnis. «Man schätzt sich gegenseitig.»

  • Künstler Dave Honegger in seinem Atelier. Bild: pp
    1 / 3
  • Bild: Dave Honegger
    2 / 3
  • Der halbierte Wohnwagen mit Honeggers sechs ausgesuchten «Models», die den Gammel-Lifestyle verkörpern sollen. Bild: Dave Honegger
    3 / 3

Portfolio muss stimmen

Der Pfäffiker, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat, erkennt daran auch das Negative: «Man arbeitet praktisch immer». Er könne jeweils fast nicht mehr aufhören und verbringe ein «Dreiecksleben» zwischen seinem zu Hause, dem Büro und dem Atelier in der ehemaligen alt-Industrie in Meilen.

«Bis man ein vielfältiges Portfolio beieinander hat, braucht es sehr viel Arbeit», sagt er weiter. Für die meisten seiner Aufträge werde er weiterempfohlen. Der Künstler hat seinen eigenen Stil gefunden. Dadurch, dass er selbst Kulissen herstellt, fotografiert, filmt und das Ganze bearbeitet, kommt alles aus einer Hand und Honegger behält die totale Kontrolle über seine Projekte. Das gefällt ihm.

Dave Honegger begann nach der obligatorischen Schule eine Lehre als Fotofachmann, brach diese aber im zweiten Jahr ab. «Durch viele Zufälle wurde ich Künstler», sagt er heute. Eigentlich traute er sich das zuerst nicht zu. Als er dann aber diverse Kunst-Installationen genauer betrachtete, bzw. mit ihren Schaffern sprach, merkte er: «Das sind die gleichen Chaoten, wie ich. Das gab mir den grössten Motivationsschub.» Er bringt sich alles durch «learning by doing», mit dem er schon während der Schulzeit begonnen hatte, selbst bei. Er stellt sein Licht unter den Scheffel: «Ich in überzeugt, jeder könnte Künstler sein.» Der einzige Unterschied: Honegger nehme sich die Zeit für seine Projekte und wolle diese auch wirklich durchziehen.

  • Für diese Aktion wurden Tausende von Plüschtieren gesammelt und an einer Wand befestigt. Bild: Dave Honegger
    1 / 4
  • Bild: Dave Honegger
    2 / 4
  • Honegger macht seine Fotos und Installationen nach Möglichkeit auch gerne draussen. Bild: Dave Honegger
    3 / 4
  • Ein weiterer Schnappschuss aus dem halbierten Wohnwagen. Bild: Dave Honegger
    4 / 4

Aufwendige Projekte

Zu Beginn kam ihm die Pandemie sogar noch gelegen, «jetzt kann ich mich selbst verwirklichen», dachte der junge Künstler. Mit der Zeit begannen die fehlenden Events jedoch an ihm zu nagen, hin und wieder fehlte auch etwas die Motivation und Inspiration. Trotzdem schwirren noch viele Themen
 und Motive in seinem Kopf herum. Wenn er eine Idee hat, scheut Dave Honegger fast keinen Aufwand: Ein
Karussell auf eine Wiese stellen – nur für ein paar Fotos? Kein Problem!

Oder er ersteigerte sich auf Ricardo für neuen Franken einen alten Wohnwagen, zersägte diesen hälftig und stattete ihn aus, um darin ein Fotoshooting durchzuziehen. Nachdem er sechs passende Models gefunden und treffende Sujets verewigt hatte, entsorgte er den Wohnwagen definitiv. Honegger ist sehr zufrieden mit den Bildern.

Seine «Hirnmaschine» im Atelier in Meilen fotografierte der Zürcher vor ein paar Tagen. «Ich wollte mal eine Kulisse aus Styropor und Karton bauen und somit eine eigene Welt erschaffen», sagt er zu seiner Inspiration. Er merkte unterdessen, dass es ziemlich schwierig ist, planlos drauflos zu basteln. Trotzdem ist er mit dem Ergebnis zufrieden. «Ich habe einige Fotos mit Leuten gemacht. Die Resultate sind aber noch in Bearbeitung», tönt er an.

Langweilig wird es dem 20-Jährigen auch in Zukunft nicht. «Ich muss nur überlegen, was sich am besten realisieren lässt.» Seinen Fokus möchte er künftig gerne erneut auf Kulissenbau legen. Dass Dave Honegger durch sein Künstlerdasein ohne fixes Einkommen lebt, stresst ihn nicht. «Ich möchte nicht für einen konkreten Betrag arbeiten, sondern mir lieber selber Aufträge holen. Das spornt mich an», sagt Honegger. Er habe einige künstlerische Ziele, die er erreichen wolle. «Im Moment bin ich mit meinem Leben ganz zufrieden», gibt er zu Protokoll. Er sieht es pragmatisch: «Das ist mein Leben und ich mache das, solange ich Bock drauf habe.»

Patrizia Baumgartner, Redaktion March24 & Höfe 24