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Feusisberg
08.07.2021
08.07.2021 17:49 Uhr

Die Kirschen in der Region sind reif

Patrick und Anita Ulrich ernten momentan in Feusisberg Kirschen.
Patrick und Anita Ulrich ernten momentan in Feusisberg Kirschen. Bild: ura
Auf vielen Bauernhöfen in der Region werden momentan Kirschen geerntet. Auch Anita und Patrick Ulrich sind in Feusisberg am Pflücken, bald werden es jedoch die Letzten sein. Die Ernte ist bescheiden.

Gut zwei Wochen später als üblich sind die «Summit»- und «Coralise»-Kirschen von Patrick und Anita Ulrich in Feusisberg reif. In guten Jahren erntet und verkauft das Landwirtepaar bis zu 1800 Kilogramm der dunkelroten Steinfrüchte. Heuer hätten sie bis anhin nur etwa 140 Kilogramm verkauft und bald ernten sie die Letzten.

Natürlich gibt es Erklärungen für die verhältnismässig kleine Ernte. Der Frost im April hat den Kirschblüten arg zugesetzt. «Die Stempel der Blüten waren meistens komplett schwarz, also erfroren», erinnert sich Patrick Ulrich. Die frühen Sorten habe es fast komplett erwischt, bei den späteren, die jetzt erntereif sind, gebe es wenigstens einen Teilertrag. An der Hanglage Frostkerzen aufzustellen, lohne sich fast nicht, da die warme Luft sofort abfliesse, so der Landwirt.

Im Mai sei dann das feucht-milde Klima ideal gewesen für das Wachstum von Pilzkrankheiten wie des Schrotschusses. «Dieser durchlöchert die Blätter, wie wenn man mit Schrot darauf geschossen hätte» erklärt Ulrich. Ein weiterer Pilz, die Monilia sei ebenfalls aufgetreten.

Ausfälle auch in Siebnen

«Gegen den Regen haben wir die Anlage gedeckt, somit bekommen die Kirschen weniger Dellen», erzählt Ulrich. Durch das Abdecken könne auch Spritzmittel gespart werden. «Für einen guten Zuckergehalt in den Früchten braucht es Sonnenschein, davon hatten wir diese Saison noch nicht im Übermass», fährt er weiter. «Dafür haben die Bäume heuer sicher genug Energie, um die wenigen Kirschen, die sie tragen, zur Reife zu bringen.»

Manfred Ziegler aus Siebnen geht von etwas höheren Erträgen aus als sein Berufskollege in Feusisberg. Aber auch er hat deutlich unter dem April-Frost zu leiden. «Ich schätze unsere Kirschenernte auf rund 20 Prozent eines guten Jahres», sagt er leicht konsterniert. Es sei gerade soviel, um Pflücker, Verkäuferin und Kunden zu narren. «Wir sahen es kommen, sind nun aber natürlich trotzdem enttäuscht», verrät Ziegler. Zum Glück habe die Infrastruktur nicht gelitten, als im Sommer ein Hagelzug Siebnen streifte. Aus den Hochstammäpfeln werde allerdings im Herbst nur Most, das sei sicher, so Ziegler. Sie hätten zwar guten Ertrag, weil sie vom Frost im Frühling nicht so betroffen waren, aber der Sommer sei noch nicht gelaufen.

Uneinheitliches Bild

In der ganzen Schweiz gehe man davon aus, 1700 Tonnen Kirschen zu ernten, schreibt der Schweizer Obstverband. Im Kanton Schwyz sehe die Situation völlig uneinheitlich aus, sagt Kathrin von Arx, Fachverantwortliche Obstbau im Amt für Landwirtschaft des Kantons Schwyz. «Es gibt Nachbarn, wovon der eine Niederstammkirschen ernten kann, aber keine Hochstammkirschen. Beim Anderen ist es genau umgekehrt.» So erlebt in Arth. Dies sei nicht mit der Lage zu erklären.

«Hagel hat meines Wissens zum Glück nicht viele getroffen», so von Arx weiter. Der Frost im Frühling habe auch ganz unterschiedliche Auswirkungen gehabt. «Normalerweise sind Hochstammbäume weniger von Frost betroffen als die bodennahen Obstanlagen. Aber dieses Jahr ist es völlig gemischt.»

Anita und Patrick Ulrich hoffen nun auf die Zwetschgen, die Ende August reif sein sollen. Bei den Fellenberg habe es zwar praktisch nichts am Baum, dafür seien die früheren Sorten «Caeacs» und «Tegera» normal bis gut bestückt. Zwetschgen blühen vor den Kirschen, waren also vom Frost nicht so betroffen, sind aber bis zwei Monate später reif. Auch Manfred Ziegler rechnet mit einem guten Zwetschgen-Jahr, sie sähen gut aus.

Alle Beteiligten hoffen, dass das Wetter nicht noch weitere Kapriolen macht und sich das Obst in den Scheunen sammelt.

Urs Attinger, Redaktion March24 & Höfe 24