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Siebnen
23.03.2020
23.03.2020 11:58 Uhr

Die Kleinen müssen die Rechnung zahlen – «So geht es nun wirklich nicht»

Ein Siebner stört sich daran, dass die grossen Detailhändler ihre Läden geöffnet haben dürfen, während die Kleinen alle schliessen und leiden müssen.

von Ivo Schnekenburger, Siebnen

Die ersten Stunden nach Einführung der getroffenen Massnahmen per 17. März zur Bekämpfung des Covid-19 zeigen, wie die Beschlüsse des Bundesrates gehandhabt werden und wie unverfroren gewisse Bevölkerungsgruppen die Situation für den eigenen Profit ausnützen. Die Grossverteiler haben ihre Läden geöffnet und preisen ihr gesamtes Sortiment zum Verkauf an, während die kleinen, spezialisierten Detailhändler ihre Geschäfte schliessen müssen. Ich habe mir im Dorf ein Bild davon gemacht: Vor dem Geschäft eines Grossverteilers begegnete ich als Erstes einer Kundin, welche eben Strickwolle eingekauft hat. Das Woll-Lädeli 100 Meter weiter musste geschlossen bleiben. Im Kioskbereich des Grossverteilers stehen Blumen zum Verkauf, das Blumenfachgeschäft vis-à-vis darf den Laden nicht öffnen. Im grossflächigen Ladengeschäft des Grossverteilers werden viele weitere Artikel angeboten, welche keiner der Warengruppen Lebensmittel, Medikamente und Waren des täglichen Gebrauchs angehören.

Auch bei einem anderen Grossverteiler werden nicht nur die «erlaubten» Produkte angeboten. Es werden Textilien, Schuhe, Sportartikel, Unterhaltungselektronik, Elektroartikel und vieles mehr verkauft. Das gleiche Bild präsentiert sich bei einem dritten «Grossen». Während meines Rundgangs fällt mir mehrmals auf, dass die Polizei durchs Dorf patrouilliert und prüft, ob der kleine Detailhändler sein Geschäft auch wirklich geschlossen hat.

Wo bleibt da die Konsequenz, die Fairness, die Gleichheit? Ich erwarte vom Bundesrat umgehend eine Korrektur bezüglich der Handhabung der verordneten Massnahmen.

Professionell ausgearbeitete Mitteilungen und Aussagen, welche sich alle mit der konsequenten Bewältigung der aktuellen Situation selbst schmücken und mit grossartigen Versprechen brillieren, sind dieser Tage allgegenwärtig. Die grossen Worte sprechen vom Wohl der Mitmenschen, von Hilfe, Unterstützung und Solidarität, von Grosszügigkeit und vom Miteinander. Sie dienen allein dem Zweck der versteckten Werbung. Oder wie soll ich das folgende Beispiel verstehen? In den Nachrichten wird mitgeteilt, dass ein namentlich genannter Grossverteiler die Kassen mit Vorrichtungen aus Plexiglas ausrüstet. Eine Massnahme übrigens, die der Metzger im Dorf bereits seit Tagen getroffen hat.

Bisherige Erfahrungen mit einschneidenden Ereignissen haben gezeigt, dass die Hilfe und die Mittel letztendlich bei jenen ankommen, die bereits genug haben. Und genau so zeigt sich auch die oben beschriebene Handhabung in der aktuellen Lage. Es ist aber das Verdienst vieler «kleiner», fleissiger und unermüdlicher Chrampferinnen und Arbeiter, welche unser Land dahin gebracht haben, wo wir heute stehen. Es scheint, dass auch diesmal der kleine Mann be- und ausgenutzt wird, auf der Strecke bleibt und die Rechnung begleichen muss.

 

red