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Sport
07.06.2021
08.06.2021 11:55 Uhr

Van der Poel siegt in Lachen

Van der Poel siegt in Lachen. Foto: Franz Feldmann Bild: ff
Der Niederländer Mathieu van der Poel gewinnt in Lachen die 2. Etappe der Tour de Suisse mit einer Sekunde Vorsprung vor dem Deutschen Maximilian Schachmann. Stefan Küng verteidigt das Leadertrikot in extremis. Wir waren live dabei!

Zielraum Lachen

«Das isch ä Schwiizer!» «Nei, das isch ä Franzos!» Kinder fachsimpeln auf der Zielgeraden, als das Feld pfeilschnell heranbraust. Es quietschen Bremsen, die Ketten und die Zahnräder surren laut. Es wird hektisch. Dabei war für die vielen Zuschauer lange nichts los. Nur die Sonne brannte vom Himmel, bis plötzlich ein kalter Wind den Regen ankündet. Dann kommt es. Nicht das Fahrerfeld: das Gewitter. Es schüttet aus Kübeln. Es wird stockfinster Die Fotografen im Zielraum versuchen, ihre Kamera so heil als möglich aus der Situation zu bringen, als Sieger Mathieu van der Poel ins Ziel braust. Dann ist es aus. Die Ruhe kehrt ein.

  • Das Ziel in Lachen. Fotos: Franz Feldmann Bild: ff
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  • Auch in Lachen an der Oberdorfstrasse harrten die Fans im schlechten Wetter aus. Bild: hrr
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Altendorf, Churerstrasse

Hier brechen die letzten drei Rennkilometer an. Bereits deutlich vor 17 Uhr begannen sich Kinder und andere Neugierige rund um die Banden zu sammeln. Manche mit selbst gebastelten Flaggen, alle jedoch mit Regenschutz. Unheilvoller Donner kündete den bevorstehenden Regen an, der pünktlich mit den ersten Fahrern in Altendorf ankam. Plötzlich gilt es ernst: Die Strasse wird gesperrt und erste Begleitfahrzeuge lösen beim Blitzkasten ein regelrechtes Foto-Gewitter aus, dies vor allem zur Freude der Schulkinder. Das Feld war sehr weit auseinandergezogen, immer mal wieder kamen einzelne Fahrer.

  • Die Ruhe vor dem Sturm: In Altendorf an der Churerstrasse brachen die letzten drei Kilometer des Rennens an. Bild: pp
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  • Oberhalb von Altendorf ging es den "Stutz" rauf. Bild: mor
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Wangen

Schon rund eine Stunde, bevor der Tross das Dorf erreicht, säumt eine grosse Anzahl Tour-de-Suisse-Fans den Strassenrand. Viele verfolgen am Handy, wo sich das Feld gerade befindet. Auch die «Höfli»-Bewohner lassen es sich nicht nehmen, die Fahrer anzufeuern, die wenige Meter vor der Sprintwertung das Behindertenwohnheim passieren. Die ersten Begleitautos sind in Sicht, die Kinder werden langsam nervös. Noch dauert es aber ein paar Minuten. Der Himmel wird schwärzer und schwärzer. Mit den «Gümmelern» kommt auch der Regen. Dieser zieht aber nicht so schnell vorbei wie die velofahrenden Männer.

  • In Wangen konnten sich die Fans im Trockenen bereit halten. Bild: il
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Reichenburg

«Mami, wänn sind’s doo?» Es brauchte schon etwas Geduld, bis die Tour de Suisse vom Benkner Giessen her in Reichenburg eintraf. Das Warten für die Mamis mit Kleinkindern beim «Generationentreff» hat sich jedoch gelohnt. Nicht nur, weil alles noch vor dem grossen Gewitter ablief. Sondern vor allem wegen der coolen Autos und Töffs, zwischen denen man die Velosportler im bereits aufgesplitterten Feld kaum erkannte. Klar, mit Verteilen von Chäppis und Täschli für die Kids war dieses Jahr nichts. Ein unvergessliches Erlebnis wars dennoch, auch wenn die Erwachsenen etwas von «früher wars schon anders» fabulierten.

  • In Reichenburg war das Feld noch näher beisammen. Bild: bel
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Tuggen

Ein Paar auf der Vespa kurvt gemütlich um den Kreisel mitten in Tuggen. Vom Tour-Tross ist noch nichts in Sicht. Man fragt sich: wer ist schneller? die Rennteilnehmer oder das nahende Gewitter? Ein grosser Lastwagen kurvt um den Kreisel. Glockengeläut ertönt. Keine supponiert transportierten Fans allerdings. Die Rindviecher werden weiter Richtung Autobahn gefahren. Der Grossvater mit seiner Enkelin bringt sich in Position. Oder doch nicht? Er geht nur in den nahen Volg. Langsam werde die Zuschauer reicher an der Zahl. Dann kommen die Fahrer – und flugs sind sie durch den Kreisel wieder verschwunden.

  • Warten "am Schärme" in Tuggen. Bild: dko
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Dritter der in Neuhausen am Rheinfall gestarteten Etappe wird der Niederländer Wout Poels (0:03 zurück). Bester Schweizer war Marc Hirschi im 4. Rang, der wie Julian Alaphilippe (7.) vier Sekunden einbüsste. Als Elfter überzeugte im sehr anspruchsvollen Finish auch Gino Mäder.

Leader Stefan Küng konnte am steilen letzten Anstieg den Besten nicht ganz folgen. Der Zeitfahrsieger vom Vortag kam als 25. mit 22 Sekunden Rückstand ins Ziel. Dennoch verteidigte der Thurgauer ganz knapp das Maillot jaune.

Sein Vorsprung auf den französischen Weltmeister Alaphilippe beträgt allerdings nur noch eine Sekunde. Der drittklassierte Schachmann liegt ebenfalls nur zwei Sekunden zurück. Van der Poel (0:06 zurück) verbesserte sich in den 4. Rang.

Zweitbester Schweizer in der Gesamtwertung ist Mäder als Achter (0:30 zurück). Stefan Bissegger, der Zweite des Auftaktzeitfahrens in Frauenfeld, fiel weit zurück.

Tom Bohli und Claudio Imhof gehörten zu den Animatoren des zweiten Teilstücks. Die zwei Schweizer rissen mit zwei weiteren Fahrern kurz nach dem Start in Neuhausen aus. Das Quartett erarbeitete sich einen Maximalvorsprung von knapp sechs Minuten.

Doch in den Zweitkategorie-Anstiegen zum Ghöch und Oberricken reduzierte sich der Abstand deutlich. Im Feld hatten die Teams von Deceuninck (für Weltmeister Julian Alaphilippe) und Alpecin-Fenix (für Mathieu van der Poel) begonnen, Nachführarbeit für ihre Leader zu leisten. Als letzter Ausreisser wurde Imhof erst 8 km vor dem Ziel eingeholt.

Die 3. Etappe vom Dienstag mit Start in Lachen und Ziel in Pfaffnau LU ist als etwas leichter einzustufen. Allerdings legen die Fahrer auf den coupierten 182,1 km dennoch rund 2500 Höhenmeter zurück.

Redaktion March24 und Höfe24