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Leserbrief
In-/Ausland
23.05.2021
27.05.2021 11:36 Uhr

Leserbriefe zu den Agrarinitiativen

Am 13. Juni wird in der Schweiz unter anderem über die beiden Agrarinitiativen abgestimmt.
Am 13. Juni wird in der Schweiz unter anderem über die beiden Agrarinitiativen abgestimmt. Bild: Lars Morger
Am 13. Juni stimmen wir über die «Trinkwasser»- und die «Pestizid»-Initiativen ab. Hier erfahrt ihr, was die Ausserschwyzer Bevölkerung von den beiden Vorlagen hält, und was die Argumente dafür und dagegen sind.

Wieder seltsame Abstimmungen

Schon wieder haben wir seltsame Abstimmungen. Wir Schweizer haben, da stimmen Sie mir zu, wahrscheinlich das beste Trinkwasser auf der ganzen Welt. Wo auf der Welt kann man Wasser aus jedem Hahnen trinken? Eher selten. Dann werden die Bauern für die Verschmutzungverantwortlich gemacht. Wir haben auch eines der besten Tier- und Naturschutzgesetze. Es gibt noch Industrie und Pharma und Chemie, bei denen mal besser hingeschaut werden müsste, was ins Abwasser fliesst.

Wir haben wieder mal die Grünen und Linken, die die Schweiz kaputtmachenwollen, denn sie fordern nur immer in der Schweiz Besseres. Und was passiertdann? Sehr viele konsumierenLebensmittel aus der ganzen Welt. Mit Pestiziden verseuchte Lebensmittel,Fleisch aus Produktion ohne Tierschutz und mit viel Antibiotika als Vorsorgemedikament. Günstiger muss es sein. Aber mit welchen Konsequenzen?

Die Schweiz soll grün werden. Und was macht unser lieber grosser ferner Nachbar China? Baut Dutzende Kohlekraftwerke im 21. Jahrhundert, und wir sollen die Luft reinigen. Und betreff Luftreinigung? In Brasilien wird munter Urwald abgeholzt. Unser Luftfilter! Was machen die Grünen? Nichts. China hat die Pandemie für die ganze Welt ausgelöst, und wer hat nun das grösste Wirtschaftswachstum? China. Wen wunderts? Mich nicht.

Warum gehen die Grünen nicht dorthin, wo Umweltverschmutzungen an der Tagesordnung sind? Zum Beispiel im Kongo, wo Rohstoffe für Batterien mit Millionen Liter Wasser pro Tag ausgeschwemmt werden? Der Boden wird im höchsten Grad verseucht. Und niemand interessiert es. Wichtig ist, dass hier in Europa saubere Elektrofahrzeuge herumfahren sollen. Und die Grünen? Machen nichts. Weil es mit Arbeit verbunden ist. Hier in der Schweiz gibts sogar mit Sesselarbeit gute Löhne.

Es gibt nur eine Abstimmungsrichtung am 13. Juni – fünfmal Nein. Bleiben Sie gesund, stärken Sie Ihr Abwehrsystem mit regionalen Lebensmitteln. Wir müssen eigenständig bleiben, denn die Pandemie zeigt jetzt, dass Rohstoffe knapp werden. Das Ausland könnte uns jederzeit den Lieferhahn zudrehen. Wir haben es ja beim Lockdown im März 2020 gesehen.

Wendelin Rickenbach, Wangen

 Genügend Zeit für Anpassungen

Die Trinkwasser-Initiative, über die wir am 13. Juni abstimmen, wird von den Gegnern als zu extrem porträtiert. Die Importe würden massiv zunehmen, und Schäden an der Umwelt würden sogar gefördert.Doch diese Behauptungen sind nicht wahr, denn die Trinkwasser-Initiative fordert nur die Umleitung von Subventionen in Richtung einer nachhaltigeren Landwirtschaft mit weniger Pestiziden, Nitraten und Futterimporten aus Brasilien.

Bei Annahme wird der Landwirtschaft acht Jahre lang Zeit für Anpassungen gegeben. Der Forschung und Bildung in der Landwirtschaft bleiben folglich genügend Zeit für entsprechende Anpassungen. Viele Landwirte bewirtschaften ihre Betriebe schon heute erfolgreich nach der Produktionsweise, wie sie die Trinkwasser-Initiative verlangt. Durch diese Neuausrichtung der Agrarpolitik entstehen auch neue Produktionsformen und Spezialisierungen. Wer aber aktuell noch nicht nachhaltig produziert und unsere Böden übermässig belastet, kann sich in dieser Übergangsfrist neu orientieren, so dass der Selbstversorgungsgrad nicht abnehmen wird.

Zu stark hängt man an den Pfründen, welche milliardenschwer in Form von Direktzahlungen und Privilegien jährlich in den Agrarbereich fliessen. Mit ökologischen Anpassungen ist auch die ganze übrige Wirtschaft konfrontiert. Wir dürfen diese Entwicklung auch von der Landwirtschaft erwarten. Die Trinkwasser-Initiative verlangt: Es sollen nur noch jene Landwirte Direktzahlungen erhalten, welche unser Trinkwasser schützen sowie ökologisch und nachhaltig wirtschaften. Die Volksinitiative ist pragmatisch umsetzbar und wird so zu einer Chance für eine zukunftsorientierte Landwirtschaft.

Michael Fedier, GLP-Kantonsrat, Lachen

Nachhaltigkeit belohnen

Nachdem die fortschrittliche Agrarpolitik 2022+ vom Bund sistiert wurde, ist eine Annahme der Trinkwasserund der Pestizidinitiative dringend nötig. Ansonsten droht ein jahrelanger Stillstand in der Landwirtschaftspolitik.Nachhaltigkeit ist ein Wort in aller Munde und wird vielseits gefordert. Die beiden Agrarinitiativen wollen künftig Landwirtschaftsbetriebe belohnen, die ohne Gifteinsatz produzieren. Das ist konsequent und richtig. Deshalb stimme ich zweimal Ja zur Trinkwasser- und Pestizidinitiative.

Thomas Büeler, SP-Kantonsrat, Reichenburg/Lachen

Wichtige Agrar-Initiativen

Die vielen Leserbriefe zu den beiden Agrarinitiativen unterstreichen deren Wichtigkeit. Mit diesem Leserbrief versuche ich den zum Teil einseitigen Darstellungen etwas entgegenzuwirken.

Gemäss dem Bundesamt für Statistik nimmt die Menge an importierten Futtermitteln seit gut 20 Jahren kontinuierlich zu. Dieser Import soll mit der Trinkwasserinitiative eingedämmt werden. So sind wir nicht mehr abhängig von ausländischem Futtermittel und können mit der damit abnehmenden Anzahl Nutztiere (vor allem im Flachland) wieder mehr Nahrungsmittel für den Direktverzehr anbauen. Damit nimmt langfristig der Selbstversorgungsgrad der Schweiz sogar zu.

Keines der Umweltziele der Landwirtschaft, welche 2008 vom Bund festgelegt wurden, konnten bis zur letzten Auswertung erreicht werden. Einzelne Punkte wie die Grundwasser-belastung durch Pestizide und deren Abbauprodukte (Bestandteile der Pestizide) haben sich seither sogar noch verschlechtert. Rund ein Fünftel der gemessenen Trinkwasserquellen wiesen eine Grenzwertüberschreitung von Abbauprodukten auf. Einmal im Grundwasser (Haupttrinkwasserquelle der Schweiz) können diese leider nicht mehr herausgefiltert werden.

Besonders wichtig sind die langen Fristen, welche die Initiativen gewähren: die Trinkwasserinitiative tritt in acht und die Pestizidinitiative in zehn Jahren in Kraft. Eine Menge Zeit für die Landwirtschaft und die Forschung. Wegen all diesen Gründen bin ich für die beiden Agrarinitiativen am 13. Juni. Bitte unterstützen Sie mit mir diese wichtigen Anliegen.

David Heinzer, Grüne Kanton Schwyz

Sachlich gehen, statt zynisch stehen

Zum Leserinnenbrief von Lara Steiner vom Donnerstag, 15. April.

Die Weltuntergangsszenarien von Lara Steiner sind auf eine unterhaltsame Art geschrieben, müssten aber noch ergänzt werden. Was passiert denn, wenn wir so weitermachen wie bisher? Wenn unsere Böden ausgelaugt und unser Grundwasser vergiftet ist? Wenn ihre Kinder wirklich nicht mehr im Fluss baden oder von einem Brunnen trinken können? Der Gewässerschutz wird schon jetzt nicht konsequent umgesetzt. Stattdessen wird fröhlich an den Grenzwerten herumgeschraubt, damit noch mehr gespritzt werden darf.

Lara Steiner macht sich Sorgen, dass wir nur noch Lebensmittel aus dem Ausland importieren können. Wo ist die Sorge, dass wir aktuell Pestizid, Futter und Antibiotika tonnenweise importieren? Diese Abhängigkeit vom Ausland stört sie wohl nicht?

An einem Punkt sind wir uns aber einig: Die Grossverteiler schlagen zu viel drauf bei Bio-Produkten. Hierfür sind die Initiativen jedoch der falsche Sündenbock. Im Gegenteil: Aktuell kann der Aufschlag mit hirnrissigen Vermarktungsargumenten von Grossverteilern noch verlangt werden – wenn hingegen alle Produkte ökologisch hergestellt werden, wird dieser Aufschlag verschwinden. Die Subventionen, die jetzt ins Ausland an Pestizid- und Antibiotikahersteller fliessen, werden direkt in die ökologische Landwirtschaft fliessen, womit diese ebenfalls günstiger werden.

Ihr Nachbar wird seine Hühner sicher behalten können, denn der Zukauf von Futter im regionalen Rahmen sowie der Zusammenschluss zu Betriebsgemeinschaften bleibt gemäss Bundesrat sowie einem juristischen Gutachten auch bei der Annahme der Initiative bestehen.

Wir teilen also diverse Sorgen mit Frau Steiner. Doch anstatt zu einem Rundumschlag auszuholen, der von Einkaufstourismus über Armut und Soziale Sicherheit bis hin zur Landwirtschaft geht, versuchen SP und Grüne, zukunftsfähige Lösungen zu finden. Zum Beispiel mit den beiden Agrarinitiativen.

Carmen Muffler, Pfäffikon, Kantonsrätin und SP-Fraktionspräsidentin

Zweimal Nein zur Trinkwasserinitiative

Als ehemaliger Brunnenmeister von der Wasserversorgung kann ich nur bestätigen, dass wir in der Schweiz einer der besten Trinkwasserqualitäten haben, wir liegen weltweit klar vor Neuseeland und Norwegen. Beim Konsum von unserem Trinkwasser besteht keine Gesundheitsgefährdung.

Die Schweizer Landwirtschaft produziert bereits heute gesunde Lebensmittel. Jährlich werden bei risikobasierten(!) Kontrollen nur sehr wenige Proben aus Schweizer Herkunft auf Pflanzenschutzmittel-Rückstände beanstandet. Bei zufallsbasierten Kontrollen- wie Sie im Ausland vorgenommen werden- wäre die Beanstandungsquote massiv tiefer!

Ohne synthetische Pflanzenschutzmittel würden die Erträge in der konventionellen Landwirtschaft um 30% bis 50 % zurückgehen, bei Obst und Gemüse sogar bis 80 Prozent. Der Bio –Landbau (mit 20 bis 30 Prozent weniger Ertrag als die konventionelle Landwirtschaft) hätte noch einmal bis 50 Prozent weniger Ertrag.

In regnerischen Jahren sowie bei Spezialkulturen wie Reben, Gemüse, Obst, Kartoffeln, Zuckerrüben oder Raps müsste auch mal mit 100 Prozent gerechnet werden= Totalausfall. Wenn Sie nur diese wenigen Punkte Zusammenfassen, würde ein Ja zu diesen Initiativen zu einem Verlust von sicher 160'000 Arbeitsplätzen in unserem Land führen.

In der Schweiz haben wir ja das beste Tierschutzgesetz und die strengsten Anforderungen für die Produktion von Lebensmitteln. Stimmen wir zusammen zweimal Nein zu den beiden Agrarinitiativen!

Fritz Vogel, Wangen
Unternehmer, Landwirt, Bezirksrat March

Das Kind nicht mit dem Bad ausschütten

Wussten Sie, dass gesamtschweizerisch in den letzten zehn Jahren der Pflanzenschutzmitteleinsatz in der Schweiz um über 40 Prozent gesenkt wurde und dass die Biodiversitätsförderflächen seit dem Jahr 2000 um diese Prozentzahlen zunahmen?

Weiter sind im Kanton Schwyz nicht weniger als 18 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen Ökoflächen mit Qualität, also mit den notwendigen Zeigerpflanzen. Die Schwyzer Landwirtschaft wurde nicht intensiviert, wie teilweise behauptet wird. Im Gegenteil, auch die Anzahl der Nutztiere hat in den vergangenen Jahren abgenommen, wohl als Auswirkung der ausgeglichenen Nährstoffbilanzen, welche die direktzahlungsberechtigen Betriebe erreichen müssen.

Die Tierbestände auf den Betrieben sind nämlich anhand des Nährstoffbedarfes der Wiesen, Weiden und Ackerkulturen begrenzt. Wer mehr Tiere hält, muss die überschüssigen Hofdünger an tierextensive Partner-betriebe abgeben, welche dafür den Einsatz von Handelsdünger reduzieren können. Das System der Nährstoffbilanz wird laufend weiterentwickelt, den aktuellen Gegebenheiten angepasst und aktuell auch verschärft. So hat das Parlament in der Frühlingssession nicht nur eine Reduktion der Risiken beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, sondern auch von Nährstoffverlusten beschlossen. Die Landwirtschaft optimiert die Lebensmittel-herstellung auf einem ausgesprochen hohen Niveau laufend.

Dazu braucht es allerdings die extremen Agrarinitiativen nicht. Insbesondere die Trinkwasserinitiative schadet ganzheitlich betrachtet der Umwelt mehr als sie nützt. Zu diesem Schluss komme nicht ich, sondern die eidgenössische Forschungsanstalt Agroscope. Der Grund ist aber offensichtlich. Wenn wir weniger Lebensmittel in der Schweiz produzieren, müssen die Importe erhöht werden. Wie diese Produkte hergestellt werden, darauf haben wir jedoch keinen Einfluss.

Anton Bamert-Birchler, Landwirt und Kantonsrat, Tuggen

Schämt euch

Der Staat muss seine Bürger schützen heisst es doch so schön. Der Bundesrat und das Parlament sind dazu jedoch nicht gewillt und verweigert dem Volk diesen Schutz.

Sie wissen, dass die Schweiz ein Land mit besonders hohem Pestizideinsatz ist. Sie wissen, dass 40 Prozent der Insekten wegen zu vielen Pestiziden vom aussterben bedroht sind. Sie wissen, dass die EAWAG, eines der renommiertesten Wasserforschungsinstitute herausgefunden hat, dass in unseren Gewässern viel zu viel Pestizidrückstände vorhanden sind. Sie wissen, dass viel zu viel Antibiotika vorsorglich bei unseren Nutztieren eingesetzt wird. Sie wissen, dass viele Quellen nicht mehr als Trinkwasser genutzt werden können, weil sie bereits zu stark belastet sind. Sie wissen, dass all diese Pestizide und Insektizide Krebs erzeugen können.

Sie wissen, dass in der Landwirtschaft dringender Handlungsbedarf besteht. Sie wissen, dass sie mit der AP22+ vieles zum Guten hätten verändern können. Und was machen diese sogenannten Volksvertreter? Sie nehmen rücksichtslos in Kauf, dass unsere Umwelt und unsere Gesundheit massiv geschädigt wird. Und warum machen sie das? Weil sie zu feige sind, unserer «heiligen Kuh» der Landwirtschaft und den Agrarkonzernen die Stirn zu bieten. Schämt euch!

 Fredy Schwitter, Reichenburg

Wir Bauern verstehen die Agrarwirtschaft

Aus vielen Leserbriefen merkt man schnell, dass die Schreiber die Bauern nicht lieben – muss man auch nicht. Aber sie sollten doch zur Kenntnis nehmen, dass wir in einem Land leben, das dem Paradies nahekommt. Auch wenn sie es nicht gerne hören, die Wasserqualität der Schweiz ist weltweit auf einem Podestplatz, sogar vor Norwegen. Warum? Weil wir auf Kosten der Bauern grosszügige Wasserschutzzonen schweizweit einhalten müssen. Ehrlich gesagt grenzt es für mich an Gotteslästerung, wenn man in der Schweiz eine Initiative startet, unter dem Vorwand, sauberes Trinkwasser erhalten zu wollen. Aber in Wirklichkeit will man nur die funktionierende Landwirtschaft abschiessen und einen Ökogarten Schweiz gestalten.

Die Allerheilmittel, die gepriesen werden, Ökologie und Bio, hatten wir schon mehrmals ausprobiert, aber mässig im Erfolg. Zum Beispiel war es in den beiden Weltkriegen nur den Bauern und ihren Nutztieren (die CO2 ausstossenden Kühe und Pferde) zu verdanken, dass aus der damaligen Lebensmittelknappheit nicht eine Hungersnot geworden ist.

Ach ja, da wären noch die Pestizide, die man auch alle verteufeln will. Auch das wurde schon längst alles ausprobiert, nämlich 1840, als die Kartoffelfäulnis über Europa hereinbrach und eine Hungersnot gebracht hatte. Wie heisst es so schön in den alten Büchern von Rothenthurm: «Die ausgehungerten Kinder weideten auf der Adler-matte wie Vieh und sahen aus wie lebendige Leichen.»

Ich denke, nach diesen Erkenntnissen werden auch diese Leserbriefschreiber am 13. Juni wie ich zweimal Nein stimmen. Oder sie müssten konsequenterweise ab morgen auf den von der Initiative empfohlenen Speise-plan umstellen, um die Welt zu retten, auf Mehlwürmer und Heuschrecken. Kinder, Enkel und Urenkel müssten diesen auch ab sofort einhalten. Aber auch das wurde schon vor zwei Jahren ausprobiert und ist jämmerlich gescheitert. Die Produktion -musste eingestellt werden, wegen Mangels an Interesse der grünen Zeitgenossen. Mal im Ernst, es sind wir Bauern, die die Agrarwirtschaft verstehen.

Peter Abegg, Präsident Bauernvereinigung, Rothenthurm

Bauern ohne faire Preise

Zum Leserbrief von Carmen Muffler «Sachlich gehen» vom 19. April.

Weltuntergangsszenarien und Extremismus sind nie gut. Dass auch ich mit der aktuellen Landwirtschaftspolitik nicht zufrieden bin, sollte mittlerweile allen klar sein, die Mucca.ch kennen. Dass ein Bauer für einen Liter Milch immer noch gleich viel erhält, wie vor 50 Jahren, darf nicht sein! Und dass vom Aufschlag für Bio-Produkte nur ein Bruchteil beim Produzent landet, darf auch nicht sein.

Mit fairen Preisen wären wir längst nicht so abhängig von Direktzahlungen. Oder wie würdet ihr vier Kinder mit weniger als 30'000 Franken pro Jahr durchbringen? Mit Sozialhilfe oder EL? Wäre auch eine Idee, dann fielen wir nicht so auf. Wie erklärt ihr eigentlich einem Bauern, der seinen Familienbetrieb in der dritten Generation aufgeben muss, dass er einen neuen Job suchen soll? Zahlt ihr ihm den Computerkurs? Ich frage mich echt, weshalb das eigene Portemonnaie nun doch plötzlich drückt.

Was mich aber am traurigsten stimmt, ist der Hass gegen die Landwirtschaft. Einem Unbekannten den Stinkefinger zeigen, nur weil er mit einer Ladung Heu durchs Dorf fährt? Oder durch fremde Wiesen laufen und den Hundekot nicht aufnehmen? Bis jetzt dachte ich, das seien Einzelfälle. Aber wenn sogar im Parlament von «rückständischen Landvergiftern» oder «Biodiversitätsvernichtern» geredet wird, dann frage ich mich echt, wo der Anstand und der Respekt geblieben sind? Es gibt für mich keine logische Erklärung, wie man sich für Gleichstellung und Antirassismus einsetzen kann und gleichzeitig eine ganze Branche durch den Dreck zieht. Und ja, das ist für mich ein emotionales Thema. Aber ich dulde es nicht, wenn die eigenen Landsleute so mit meiner Familie und nicht weniger als 50'000 weiteren Familien umgehen.

Es erstaunt mich wirklich nicht, dass wir in den letzten zwanzig Jahren 30 Prozent aller Betriebe verloren haben. Im Sommer gehen wir nicht in die Badi oder in die Ferien, sondern schwitzen beim Heuen. Im Herbst lesen wir stundenlang Früchte vom Boden auf. Und im Winter riskiert mein Vater im Wald sein Leben beim Holzen. Und das 365 Tage im Jahr, um eure Ernährung zu sichern! Als ich mit 16 noch nie geflogen oder am Meer war, hat man mich ausgelacht. Dass ich Kleider nachtrug oder nicht jedes Jahr ein neues Handy kaufte, fand man auch sehr amüsant.

Ihr könnt uns jetzt als Umweltverschmutzer bezeichnen und uns die Schuld für all eure Probleme zuweisen. Aber seid ihr euch eigentlich bewusst, dass die wenigsten Bauernfamilien in die Ferien fliegen? Oder regelmässig ach so verpönte Avocados essen? Oder die Stadtparks mit ihren Dreifachverpackungen zumüllen? Wir sind auch nicht schuld, dass die Schweiz zubetoniert und somit Lebensraum für unsere ach so geliebten Spinnen und Käfer vernichtet wird. Und was ist mit der Wasserverschmutzung durch Haushalte oder die Industrie?

Mir geht es darum, dass alle endlich ihr eigenes Konsumverhalten überdenken. In jedem von uns steckt ein Egoist. Ich habe bis jetzt jedenfalls noch niemanden kennengelernt, der aus Umweltgedanken auf seine Weltreise verzichtet. Oder bewusst den Apfel mit Schorf kauft, weil es sonst ja niemand tut. Wir sollten Wunschgedanken und die Realität trennen. Und aufhören, mit unserem Schwarz-Weiss-Denken ganze Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufzuhetzen.

Lara Steiner, Feusisberg

Schädliche Agrar-Initiativen?

Zu den Leserbriefen von Kantonsrat Bruno Hasler und Gemeinderat Sepp Bruhin vom 15. April.

Die Agrar-Initiativen sind nicht schädlich, wie Kantonsrat Bruno Hasler behauptet. Die Agrar-Initiativen sind eine Chance für die Landwirtschaft, auf eine nachhaltige Produktion umzusteigen und dadurch unser Trinkwasser und unsere Gesundheit zu schützen.

Im Kanton Schwyz ist das Grundwasser zum Glück noch von guter Qualität, dies gilt es zu erhalten. Wir müssen uns aber nichts vormachen, denn auch im Kanton Schwyz gibt es Grundwassergebiete mit erhöhten Nitrat-werten. In der ganzen Schweiz gibt es eine Zunahme von Grenzwertüberschreitungen bei der Nitratkonzentration. Im Berner Seeland ist die Situation mittlerweile prekär. Trinkwasserfassungen mussten geschlossen werden wegen zu hoher Gehalte an Pestizid-Rückständen und Nitrat als Folge der intensiven Landwirtschaft.

Zum Rundumschlag über die kommunale Abwasserreinigung von Gemeinderat und Landwirt Sepp Bruhin muss ich auch noch etwas loswerden. Das Abwassersystem und die ARA sind modernste technische Anlagen, die jede geringstmögliche Menge an Schmutzstoffen aus dem Abwasser holen und gesäubert wieder in die Gewässer einleiten. Künftig müssen sogar Mikroverunreinigungen (Medikamentenrückstände, Schwermetalle, Hormonaktive Stoffe etc.) rausgefiltert werden. Dies kostet die Gesellschaft Milliarden und das ist es uns wert. Bezahlt wird dies verursachergerecht von den an die Kanalisation angeschlossenen Bürger. Die Landwirte müssen sich übrigens mit keinem Rappen an diesen Kosten beteiligen, weil sie ihr häusliches Abwasser weiterhin in die Gülle mischen dürfen.

Nur durch den Zukauf aus dem Ausland von jährlich 1,2 Millionen Tonnen Tierfuttermittel wie Soja kann der hohe Tierbestand aufrechterhalten werden. Es entsteht dadurch aber auch ein Überschuss an Gülle. Dieser Überschuss wird nicht zurück exportiert, sondern wird auf dem Schweizer Landwirtschaftsland ausgebracht. Mittlerweile wird von Februar bis Dezember fast jeden Monat gegüllnet. Die Nährstoffbilanz in der Schweiz stimmt schon lange nicht mehr.

Die Agrar-Politik hat diesbezüglich ganz klar versagt. Gesamtschweizerisch bestand 2019 ein massiver Stickstoffüberschuss von 100'000 Tonnen. Wohin geht dieser Überschuss? In den Boden, in die Luft, ins Grundwasser und in die Gewässer. Man muss sich nur mal die überdüngten Gewässer in der Linthebene anschauen. Die Ursache – die intensive Landwirtschaft –kann nicht geleugnet werden. Entgegen der Behauptung von Sepp Bruhin hat dies überhaupt nichts mit dem kommunalen Abwassersystem zu tun. Das Übel ist die zu intensive Düngung auf drainierten Böden. Die Böden können die immer grösseren Mengen an Gülle nicht mehr aufnehmen. Die Nährstoffe gelangen mit dem Regen in die Drainagen und dann in die Gewässer oder ins Grundwasser.

Es braucht ein Umdenken in der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft muss nachhaltiger werden. Viele Landwirte sind auf dem richtigen Weg. Die Vergangenheit hat uns aber leider gezeigt, dass wir dieses Umdenken nicht mit Selbstverantwortung erreichen können. Deshalb braucht es zweimal ein Ja bei den Agrar-Initiativen.

Berthil van Brussel, Siebnen

Fakten oder wilde Behauptungen?

Da staunt man nicht schlecht, mit welchen unwahren Argumenten gegen die Trinkwasser und Pestizid-Initiative in den Leserbriefen geschrieben wird. Wir hätten eines der besten Trinkwasser, obwohl die EAWAG das Gegenteil bewiesen hat und viele Wasserreservoire bereits stillgelegt werden mussten. Es würden Betriebe eingehen, tausende von Arbeitsplätzen vernichtet werden und wir müssten viel mehr verseuchte Lebensmittel importieren.

Ausserdem würde der Preis für Bio-Produkte massiv fallen, weil alle nur noch Bio produzieren müssten. Ja bitte schön welche Bio-Produkte meinen denn die Gegner der Initiativen, auch Bio-Betriebe wässern ihre Felder mit Pestizid belastetem Wasser und auch Insektizide die gespritzt werden verteilen sich über die Luft überall hin.

40 Prozent unserer Insekten sind bereits wegen dieser unnötigen synthetischen Pestiziden vom Aussterben bedroht. Zu viele Betriebe füttern ihre Tiere mit Pestizidverseuchtem Futter. Die Landwirtschaft importiert jährlich bis zu 1,8 Mio. Tonnen Futtermittel, damit sie ihre Nutztiere füttern kann. Mit unseren Steuergeldern finanzieren wir diesen Unsinn auch noch. Die Tiere müssen vorsorglich mit Antibiotika behandelt werden, weil ihr Futter mit Pestiziden belastet ist. Da viel mehr Nutztiere gehalten werden, als unser Land ernähren kann, wird auch viel zu viel Mist und Gülle ausgetragen, mit denen dann Böden massiv überdüngt und unsere Bäche und Seen überbelastet werden.

Dasselbe gilt für Gemüseproduzenten, auch diese spritzen unnötig viele Pestizide, die sich im Boden anreichern. Obwohl ihr das alle wisst, seid ihr nicht gewillt, innerhalb der Übergangsfrist von zehn Jahren gegen diese Umweltzerstörung etwas zu unternehmen. Es ist bedenklich und beängstigend wie mit unserer Natur umgegangen wird, nur weil die Landwirtschaft und die Politik nicht willig ist, Veränderungen zuzulassen.

Also bitte, argumentiert mit Fakten und nicht mit wilden Behauptungen.

Elisabeth Keller, Altendorf

Antworte ehrlich, nicht nach Parteiparole

Am 13. Juni können wir über unsere und die Zukunft unserer Nachkommen abstimmen. Wir können wählen ob wir in Zukunft gesundes oder verseuchtes Trinkwasser trinken wollen. Da Bundesrat und Parlament nicht in der Lage sind, unsere Umwelt so zu schützen, damit auch zukünftige Generationen noch sauberes Wasser trinken können, muss das Volk das nun selber an die Hand nehmen.

Jeder kann sich eine ganz einfache Frage selber beantworten ! Antworte aber ehrlich und nicht Parteiverblendet. Würdest du deinem Kind verseuchtes Wasser zum trinken geben ? Jeder der auf die Frage mit nein antworten würde, muss am 13. Juni 2x Ja zur Trinkwasser und Pestizidinitiative stimmen. Alle dijenigen die mit Ja geantwortet haben, schaden unserer Umwelt massiv und hinterlassen unseren Kindern, Enkeln und Urenkeln verseuchtes Trinkwasser. Ist dir die Parteiparole tatsächlich wichtiger als unser Trinkwasser, deine Kinder, Enkel und Urenkel ?

Arnold Rauchenstein, Lachen

Es ist an der Zeit

Unser Trink- und Grundwasser ist belastet, unsere Böden sind teilweise ausgelaugt, die chemische Belastung ist ein Problem. Resistenzen bei Obst und Gemüse sind allseits bekannt. Noch mehr Spritzen und Düngen ist keine Lösung. Es ist an der Zeit zu handeln. Nachhaltige Landwirtschaft berücksichtigt die Biodiversität und ermöglicht ein natürliches Gleichgewicht. Die zwei Agrarinitiativen sind ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Mit ihnen wird der Kreislauf der Superoptimierung in der Landwirtschaft durchbrochen, sie sind ein Weg in Richtung Ökologisierung der Landwirtschaft und helfen, die Trinkwasserqualität langfristig zu sichern. Deshalb lege ich zwei überzeugte Ja zu den Agrarinitiativen ins Abstimmungscouvert.

 Verena Vanomsen, Freienbach

Viel Schwarz-Weiss-Denken

Interessiert lese ich eine Vielzahl der Leserbriefe zu den beiden Agrarinitiativen. Dabei bin ich oftmals erstaunt über das einfache Schwarz-Weiss-Denken. Doch die vielseitigen, ineinander verflochtenen landwirtschaftlichen Strukturen lassen sich nicht so leicht in Gut und Schlecht auftrennen.

Damit einem Bauer überhaupt Direktzahlungen entrichtet werden, muss er verschiedene, vom Bund bestimmte Auflagen und Leistungen erfüllen. Dazu muss er unter anderem den ökologischen Leistungsnachweis erbringen: Artgerechte Nutztierhaltung, betrieblich ausgeglichene Nährstoff-Düngerbilanz, mindestens sieben Prozent der Betriebsfläche müssen Biodiversitätsförderflächen sein, geregelte Fruchtfolge, geeigneter Bodenschutz und so weiter. Diese Direktzahlungen möchte die Trinkwasserinitiative den Bauern unter anderem dann verbieten, wenn sie Pestizide einsetzen.

Ein Verzicht auf Pestizide, zu denen auch die Pflanzenschutzmittel gehören, hätte einen Ertragsverlust bei Obst, Reben und Beeren zwischen 50 und 80 Prozent zur Folge. Selbst im Biolandbau würde ein Verlust zwischen 24 und 78 Prozent resultieren. Denn auch biologische Pflanzenschutzmittel gehören – dem Schwarz-Weiss-Denken zum Trotz – zu den Pestiziden. Diese Ertragsausfälle hat eine Studie der Agroscope zur Trinkwasserinitiative berechnet.

Wer ist nun bereit, diese Ertragsverluste zu tragen? Der Konsument will nicht, der Produzent kann nicht und der Bund will, kann und darf nicht. Dem Bauern bleiben zwei Szenarien übrig:

  • Er verabschiedet sich von den Direktzahlungen und damit auch vom ökologischen Leistungsnachweis und versucht, den Wegfall der Direktzahlungen mittels Intensivierung der Produktion aufzufangen.
  • Er stellt die Produktion dieser sensitiven Kulturen ein.

Diversifizierte Familienbetriebe, welche ihr Einkommen durch verschiedene Betriebszweige generieren, können weder auf die Direktzahlungen verzichten, noch können sie die Einkommenseinbussen tragen:

  • 51 bis 93Prozent der Spezialkulturbetriebe (Obst-, Beeren-, Reben- und Gemüsebetriebe) werden ohne Direktzahlungen und mit stark verminderten ökologischen Vorgaben weiterproduzieren.
  • 87Prozent der Betriebe, die ein Standbein mit Rindviehhaltung haben, werden im Direktzahlungssystem verbleiben und sich somit nötigenfalls von den Spezialkulturen trennen.
  • Der Selbstversorgungsgrad wird auf jeden Fall rückläufig sein, wodurch mehr Nahrungsmittel importiert werden müssen.

Kann so die Schweizer Landwirtschaft der Zukunft aussehen? Sie entscheiden am 13. Juni.

 Manfred Ziegler, Landwirt, Siebnen

Wenn die Natur eine Stimme hätte

Die Natur ist ein Wunderwerk der Schöpfung, die den Menschen nur staunen lässt. Wir Menschen brauchen die Natur, um Lebensmittel anzupflanzen, in der Natur wieder Energie aufzutanken und vieles mehr. Braucht die Natur uns Menschen?

Viele Menschen schreiben und sagen auch, sie seien naturverbunden. Ich frage jetzt alle diese Bürgerinnen und Bürger, hören Sie die Stimme der Natur wirklich? Wie geht es ihr? Möchte sie mit uns Menschen und Tieren in Einklang so weiterleben? Wer genau und achtsam hinhört und hinsieht, kann die Stimme der Natur hören und sehen – sie leidet. Sie leidet dort am meisten, wo der Mensch mit Pestiziden (Insektizide, Fungizide, Akarizide und Herbizide) in den natürlichen Kreislauf eingreift.

Jetzt werden wir bei den Trinkwasser- und Pestizidinitiativen «geprüft». Möchten, sprich können wir zusammen (Mensch, Tier und Natur) so weiterfahren? Es geht nicht gegen die Landwirte, sondern nur mit den Landwirten, der Industrie und der Gesellschaft für eine nachhaltige Ökologie.

Wir müssen zusammen Lösungen und Wege finden, die es uns und unseren Kindern erlauben, noch viele Jahre mit diesem Wunderwerk zusammenzuleben. Liebe Landwirte: Wir bezahlen euch gerne einen angemessenen Lohn für eure tägliche wertvolle Arbeit. Aber nur für eine «giftfreie Ökologie». Zusammen können wir der Natur auch eine Stimme geben. Deshalb stimme ich zweimal Ja zu Trinkwasser- und Pestizidinitiative.

Daniel Kälin, Lachen

Schädliche Agrar-Initiativen?

Zu den Leserbriefen von Kantonsrat Bruno Hasler und Gemeinderat Sepp Bruhin vom 15. April.

Die Agrar-Initiativen sind nicht schädlich, wie Kantonsrat Bruno Hasler behauptet. Die Agrar-Initiativen sind eine Chance für die Landwirtschaft, auf eine nachhaltige Produktion umzusteigen und dadurch unser Trinkwasser und unsere Gesundheit zu schützen.

Im Kanton Schwyz ist das Grundwasser zum Glück noch von guter Qualität, dies gilt es, zu erhalten. Wir müssen uns aber nichts vormachen, denn auch im Kanton Schwyz gibt es Grundwassergebiete mit erhöhten Nitratwerten. In der ganzen Schweiz gibt es eine Zunahme von Grenzwertüberschreitungen bei der Nitratkonzentration. Im Berner Seeland ist die Situation mittlerweile prekär. Trinkwasserfassungen mussten geschlossen werden wegen zu hoher Gehalte an Pestizid- Rückständen und Nitrat als Folge der intensiven Landwirtschaft.

Zum Rundumschlag über die kommunale Abwasserreinigung von Gemeinderat und Landwirt Sepp Bruhin muss ich auch noch etwas loswerden. Das Abwassersystem und die ARA sind modernste technische Anlagen, die jede geringstmögliche Menge an Schmutzstoffen aus dem Abwasser holen und gesäubert wieder in die Gewässer einleiten. Künftig müssen sogar Mikroverunreinigungen (Medikamentenrückstände, Schwermetalle, Hormonaktive Stoffe etc.) rausgefiltert werden. Dies kostet die Gesellschaft Milliarden und das ist es uns wert. Bezahlt wird dies verursachergerecht von den an der Kanalisation angeschlossenen Bürger. Die Landwirte müssen sich übrigens mit keinem Rappen an diesen Kosten beteiligen, weil sie ihr häusliches Abwasser weiterhin in die Gülle mischen dürfen.

Nur durch den Zukauf aus dem Ausland von jährlich 1,2 Millionen Tonnen Tierfuttermittel wie Soja kann der hohe Tierbestand aufrechterhalten werden. Es entsteht dadurch aber auch ein Überschuss an Gülle. Dieser Überschuss wird nicht zurück exportiert, sondern wird auf dem Schweizer Landwirtschaftsland ausgebracht. Mittlerweile wird von Februar bis Dezember fast jeden Monat gegüllnet. Die Nährstoffbilanz in der Schweiz stimmt schon lange nicht mehr.

Die Agrar-Politik hat diesbezüglich ganz klar versagt. Gesamtschweizerisch bestand 2019 ein massiver Stickstoffüberschuss von 100'000 Tonnen. Wohin geht dieser Überschuss? In den Boden, in die Luft, ins Grundwasser und in die Gewässer. Man muss sich nur mal die überdüngten Gewässer in der Linthebene anschauen. Die Ursache – die intensive Landwirtschaft –kann nicht geleugnet werden. Entgegen der Behauptung von Sepp Bruhin hat dies überhaupt nichts mit dem kommunalen Abwassersystem zu tun. Das Übel ist die zu intensive Düngung auf drainierten Böden. Die Böden können die immer grösseren Mengen an Gülle nicht mehr aufnehmen. Die Nährstoffe gelangen mit dem Regen in die Drainagen und dann in die Gewässer oder ins Grundwasser.

Es braucht ein Umdenken in der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft muss nachhaltiger werden. Viele Landwirte sind auf dem richtigen Weg. Die Vergangenheit hat uns aber leider gezeigt, dass wir dieses Umdenken nicht mit Selbstverantwortung erreichen können. Deshalb braucht es zweimal ein Ja bei den Agrar-Initiativen.

Berthil van Brussel, Siebnen

Redaktion, March24 & Höfe24