Home Region Sport Agenda In-/Ausland Magazin
Altendorf
05.05.2021

Eiserne Hochzeit: Alte Liebe rostet nicht

Die beiden 89-jährigen Eheleute feiern heute das eiserne Hochzeit. «Es ist alles vorhanden, was wir zum Glück brauchen.» Bild: Heidi Peruzzo
«Und wenn der Rost ansetzte, haben wir das Eisen wieder poliert», so Edith und Alois Bruhin-­Schumacher aus Altendorf. Sie sind seit 65 Jahren verheiratet und dürfen heute ihr eisernes Hochzeit feiern.

Beim nächsten Mal gibts einen Halbliter», sagte der 18-jährige Alois Bruhin aus Altendorf zur jungen Frau, welche ihm auf der Aabrücke in Siebnen bereits zum zweiten Mal begegnete. «Ja gerne», antworte besagte junge Frau salopp, «um welche Zeit und wo?» Die ebenfalls 18-jährige Edith Schumacher aus Schübelbach war an diesem Sonntag mit ihrer Mutter am Siebner Märt unterwegs, als sie angesprochen wurde. Nach dem Umtrunk an diesem Abend gab es bereits ein erstes Küsschen, «aber mit Abstand», beteuern beide, «das Velo stand noch zwischen uns.» Von da an trafen sich die jungen Leute regelmässig.

Alois Bruhin war noch in der Lehre als Sattler/Tapezierer, er musste jedoch seine Lehrstelle nach Aarau und Sargans wechseln, so dass er nur am Wochenende nach Hause konnte. Der Sonntagnachmittag war jeweils der gemeinsame Tag des jungen Paares. Nach der Lehre arbeitete Alois Bruhin in Hinwil, wo er Geld für die geplante Hochzeit sparen konnte. Sechs Jahre nach der ersten Begegnung konnte endlich geheiratet werden. 

Der schönste Tag im Leben

«An unserem Hochzeitszeit war es schön und warm», erinnert sich Edith Bruhin. Der Wunsch der jungen Ehefrau, in der Kirche in Schübelbach heiraten zu dürfen, wurde erfüllt. «Um 10 Uhr war die Hochzeitsmesse, nachher fuhren wir mit 35 Gästen nach Hurden zum Mittagessen, genossen eine Fahrt um den Rigi und abends feierten wir im Restaurant Traube in Buttikon. «Es war der schönste Tag in meinem Leben und ich würde ihn sofort wieder heiraten.»

Edith und Alois Bruhin auf der Terrasse ihres Zuhauses. Bild: Heidi Peruzzo

In Erinnerung geblieben ist der Ehefrau auch, dass damals die Kinder beim Feuersteinwerfen die Worte «händ ihr ä Wohnig, händ ihr ä Wohnig» zuriefen. «Das war damals Brauch, denn es war damals sehr schwierig, eine Wohnung zu bekommen. Das junge Brautpaar hatte das Glück, bei Verwandten in Altendorf eine Wohnung mieten zu können.  

Ein gemeinsames Leben aufbauen

Alois Bruhin ist ein tatkräftiger und engagierter Mensch, «genau das gefiel mir so gut an ihm», erzählt Edith Bruhin. Nebst dem eigenen Geschäft, der A. Bruhin AG in Altendorf, gründete er den Turnverein Altendorf. Von 1972 bis 1988 war der Altendörfler auch im Gemeinderat tätig, Ressort Fürsorge. «Das soziale Gedankengut wurde mir in die Wiege gelegt», so Bruhin. «Meine Eltern hätten niemals einen Bettler abgewiesen, wir hatten nicht viel, aber das wurde geteilt.» 

Bruhin erinnert sich, dass er schon als Kind nach Afrika gehen wollte, um dort den Menschen zu helfen. «In der Schule hatten wir ein Negerkässeli, und jedes Mal, wenn ein Batzen eingeworfen wurde, nickte es. Das hat mich fasziniert.» Nach der Pensionierung fand der Altendörfler seine Berufung in Tanzania. Er gründete das Hilfswert Bassotu, für welches der heute 89-jährige immer noch mit Herz und Seele einsteht. «Wenn ich sehe, was wir in diesen 22 Jahren alles aufbauen durften, macht mich das stolz». Mit dem gesammelten Geld konnten Schulen, Krankenhäuser und Brunnen geschaffen werden. «Das Elend in Afrika ist riesig. Ich bin froh, dass ich einen Nachfolger für meine Projekte in Aussicht habe.»

Das Rezept für Glück gefunden

Die Eheleute können auf ein schönes Leben zurückschauen. Das Geschäft lief erfolgreich, sie haben viele Freunde und durften Reisen in der ganzen Welt unternehmen. Edith unterstützte ihren Mann in all seinen Projekten, und er war für sie da, als sie mit 62 Jahren an Krebs erkrankte. 

Und wie lautet das Rezept für ihr Eheglück? «Gewisse Ansprüche zurückstellen, die gemeinsamen Ziele besprechen, gegenseitige Rücksichtnahme», erklärt der Jubilar. «Und ganz wichtig ist natürlich die Gesundheit», ergänzt die Jubilarin. «Wir wollen die gemeinsame Zeit noch nutzen und geniessen, es ist alles vorhanden, was wir zum Glück brauchen.» 

Heidi Peruzzo, Redaktion March24 und Höfe24