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Sport
02.05.2021
05.05.2021 11:29 Uhr

Jeff Tomlinson: «Was diese Familie erreicht hat, ist unglaublich»

Abschied: Jeff Tomlinson lässt sich ein letztes Mal von seinen Spielern und den Lakers-Fans feiern. Bild: Lars Morger
Die Rapperswil-Jona Lakers scheiden mit der 3:6-Heimniederlage am Samstag aus den Playoffs aus. Der Abschied fiel äusserst emotional aus, weil Trainer Jeff Tomlinson letztmals an der Bande der Lakers stand.

Um 22.45 Uhr fand Jeff Tomlinson den Weg in den Presseraum der SCRJ Lakers. Die Tränen glitzerten noch immer in den roten Augen des Lakers-Trainers, als er sich der wartenden Schar der Journalisten stellte. Gut eine halbe Stunde zuvor ging der Playoff-Halbfinal gegen den EV Zug und damit auch die Ära Tomlinson in der Rosenstadt zu Ende.

3:6 verloren die SCRJ Lakers das vierte Spiel. Entscheidend war rückblickend das erste Drittel, das die Rapperswiler mit 0:3 verloren – auch wegen des ersten richtig grossen Fehlers von Goalie Melvin Nyffeler in den Playoffs. Er wollte die Scheibe hinter dem Tor stoppen, verlor sie aber an Bachofner, der Senteler bediente und zum 0:2 traf. Nach dem grossen Rückstand stemmten sich die Lakers mit aller Kraft gegen das drohende Saisonende. Sie kamen sowohl auf 2:3 als auch auf 3:4 heran, hatten noch mehr Chancen auf mehr Tore. Doch immer hatten die Zuger eine Antwort parat. Nach dem 2:3 hatten sie auch das nötige Glück auf ihrer Seite, als ein Schuss von Topskorer Kovar Dario Simion an den Arm und von dort ins Tor prallte. Und Klingbergs Antwort auf das 3:4 war ein herrlicher Treffer über Nyffelers Schulter. «Zug war heute einfach zu souverän», sagte Jeff Tomlinson.

«Mir gingen all die schönen Sachen durch den Kopf, die ich in den letzten sechs Jahren erleben durfte.»
Jeff Tomlinson, scheidender Trainer der SCRJ Lakers

Mehr als nur ein Job

Doch das Spiel war zu dieser späten Stunde im Presseraum der Lakers irgendwie nebensächlich. Tomlinson gab denn auch zu, wie schwer es ihm gefallen ist, in den Schlussminuten zu coachen. «Mir gingen all die schönen Sachen durch den Kopf, die ich in den letzten sechs Jahren erleben durfte», erzählte er mit brüchiger Stimme. «Ich schaute Spieler an und dachte: Wow, ist das ein guter Junge geworden.»

Für Tomlinson war die Aufgabe als Cheftrainer der SCRJ Lakers mehr als einfach nur ein Job. «Ein Job ist etwas, was ich machen muss, aber nicht ­besonders gerne hingehe.» Die Arbeit bei den Lakers sei für ihn wie eine Familie, die Spieler seien für ihn wie Kinder. «Manchmal muss ich hart sein zu ihnen, aber ich liebe sie trotzdem.» Er sei zu hundert Prozent «so stolz wie ein Vater auf seine Kinder». Die Zeit, die er mit den Lakers in den letzten Wochen erlebt habe, sei sehr intensiv gewesen.

Er erinnert auch daran, dass es wegen seiner Nierentransplantation 2019 nicht immer einfach war, weil er nicht immer für seine «Familie» da sein konnte. «Aber die Mannschaft war immer für mich da.»

Die Familie verabschiedete ihren Vater bereits nach dem Spiel. Bild: Keystone

In seinen sechs Jahren im Verein setzte sich Tomlinson – der schon seit dem Aufstieg und Cupsieg 2018 Kultstatus hat – die Krone ganz zum Schluss auf. Mit der Qualifikation für das Playoff-Halbfinale übertraf er die kühnsten Erwartungen der Klubverantwortlichen, Fans, Sponsoren und Gönner. Schon die Viertelfinal-Qualifikation war ein Grosserfolg.

Dass die Lakers dann aber den HC Lugano gleich mit 4:1-Siegen in die Ferien schicken würden, sorgte bei Eishockey-Experten landesweit für Erstaunen. Sie taten dies mit einem grossen Kampfgeist, viel Aufopferung und einer guten Chancenauswertung in der Offensive. Mit typischem Playoff-Hockey also. «Was diese Familie ­erreicht hat, ist unglaublich. Ich bin sehr stolz», sagte Tomlinson mit emotionaler Stimme.

Die überragenden Akteure in Tomlinson Mannschaft waren anders als in der Qualifikation nicht die Ausländer Cervenka oder Clark. Es waren Spieler wie Daniel Vukovic, der sich ohne Rücksicht auf Verluste in jeden Schuss warf. Spieler wie Jeremy Wick, der mit seiner Härte und einer guten Chancenauswertung Playoff-Topskorer der Lakers wurde. Oder Spieler wie Marco Lehmann und Andrew Rowe, die mit ihrem Speed und ihrem Kampfgeist die gegnerischen Verteidigungen Mal für Mal vor Probleme stellten.

«Ich werde die Entwicklung weiterverfolgen.»
Jeff Tomlinson

Zug war eine Nummer grösser

Dass es im Halbfinal nicht mehr zum Seriensieg wie gegen Lugano reichte, hatte auch mit dem Gegner zu tun. Obwohl die Zuger phasenweise alles andere als überzeugen konnten, waren sie eine, wenn nicht zwei Nummern grösser als die Luganesi. Doch auch gegen Zug hätte es mit ein wenig mehr Wettkampfglück in den beiden Heimspielen zu mehr reichen können. Ein Finaleinzug der Lakers wäre aber ein wenig gar kitschig und des Guten zu viel gewesen – auch wenn es Tomlinson zu gönnen gewesen wäre.

Dieser hat nun erstmal Zeit für seine Tochter, die er sehr geniessen werde. Die Lakers werde er auch in der nächsten Saison eng weiterverfolgen. «Ich werde die Entwicklung der Spieler und der Mannschaft beobachten.» Und dann beginnt schon bald die Suche nach einer neuen Aufgabe. Ob er nochmals so eine intensive Erfahrung wie bei den Lakers finden wird? «Ich hoffe es. Aber es wird nicht leicht.»

Die Fans verabschiedeten ihren Helden nach Spielschluss trotz strömendem Regen. Bild: Keystone
Lars Morger, Sportredaktion March24 & Höfe24