Leben
19.02.2020

Mit Handtuch und Seife gegen Keime

Immer schön einseifen: Regelmässiges und gründliches Händewaschen ist wichtig für die Hygiene. (Bild: zvg)
Die Tastatur am Geldautomaten, der Haltegriff in der Bahn und noch viel schlimmer: andere Menschen! Keimschleudern lauern in unserem Alltag hinter jeder Ecke – regelmässiges Händewaschen ist daher unumgänglich. Doch kaum jemand weiss, wie es richtig geht.

von Tobias Hanraths

Nach der Toilette – klar! Vor dem Kochen – logisch! Aber sonst? Was das Händewaschen betrifft, hat fast jeder seine eigenen Regeln. Manche sind strenger, manche weniger. Und einige fragen sich: Ist das wirklich so wichtig? Experten haben darauf eine klare Antwort: Ja, absolut. «Wir leben nicht in einer keimfreien Welt», sagt Volkhard Kempf, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Frankfurt. «Unsere Hände kommen täglich mit einer Vielzahl von Erregern in Kontakt, die beispielsweise Grippe, Magen-Darm-Infektionen oder Atemwegs-Infektionen verursachen können.» Doch wie gelangen die Erreger von den Händen in unseren Körper? Sie werden über eine Kette von Berührungen weitergereicht. Wenn zum Beispiel ein Grippe-Patient in die Hand niest, haften die Viren im Anschluss an der Handfläche. Gibt der Erkrankte einem anderen Menschen die Hand, können die Viren weiterwandern.

Führt dieser Mensch danach die Hand zu Mund, Nase oder Augen, kann er sich über die Schleimhäute anstecken. Und der Handkontakt ist nicht der einzige Weg zur Infektion: Die Erreger können auch auf Haltegriffen in der U-Bahn, auf Touchscreens oder an Türklinken lauern.

Lang genug waschen

Müsste man sich dann nicht eigentlich permanent die Hände waschen? «Nein», sagt Kempf. «Das ist alltagsfern und auch nicht nötig.» Dennoch gibt es viele Situationen im Alltag, bei denen Händewaschen ein Muss sein sollte. «Nach dem Toilettengang auf jeden Fall», so Kempf. «Auch vor dem Kochen und vor dem Essen sollten die Hände sauber sein.» Beliebte Aufenthaltsorte für Krankheitserreger seien ausserdem Fitnessstudios. «Nach dem Training sollte man sich auf jeden Fall die Hände gründlich waschen», rät Kempf. Das Gleiche gilt, wenn wir vom Stadtbummel nach Hause kommen, Windeln wechseln oder Kontakt mit Tieren, Abfällen und Tierfutter hatten.

Wasserhahn an und Hände kurz unter den Strahl

halten reicht allerdings nicht aus. Viele Menschen waschen sich ihre Hände nicht lang genug und trocknen sie nicht ab. Das ist problematisch, denn in einer feuchten Umgebung können sich Mikroorganismen besser halten und vermehren. Tipp: Die Hände nach dem Waschen zügig abtrocknen. Durch die Reibung mit dem Handtuch werden zusätzlich Keime entfernt, die noch an den Händen haften.

Für empfindliche Haut

Kempf rät ausserdem, Seife zu benutzen: «Sie löst Fettstoffe von der Haut, in denen die Keime anhaften.» Doch wer die Hände regelmässig mit Seife wäscht, handelt sich dadurch vielleicht ein neues Problem ein: trockene, juckende oder schuppende Haut. Wasser und Seife greifen die natürliche Hautbarriere an. Um das zu verhindern, sollte man sich mit einer pH-neutralen Flüssigseife die Hände waschen. Für besonders empfindliche Haut gibt es spezielle Seifen mit rückfettenden Substanzen. Leiden Patienten unter starken Hautproblemen aufgrund von Wasser und Seife, empfiehlt sich in Einzelfällen auch ein rückfettendes Desinfektionsmittel aus der Apotheke, das sich wie ein leichter Fettfilm auf die Haut legt. Ein solches Desinfektionsmittel ist für die Haut verträglicher als wiederholtes Händewaschen.

Der tägliche Gebrauch eines Desinfektionsmittels ist aber nicht notwendig. Sinnvoll ist es, wenn etwa Familienmitglieder an Infektionen mit Bakterien wie Salmonellen erkranken, mit multiresistenten Erregern besiedelt sind oder an hochansteckenden Erkrankungen wie dem Norovirus leiden.

Tobias Hanraths