Geld & Energie
19.02.2020
23.02.2020 14:02 Uhr

Coop trotzt der Krise im Detailhandel

Im Schweizer Detailhandel hat Coop seinen Umsatz leicht steigern können. Im Bild: Die Coop-Filiale im Obersee Center in Lachen.
Coop ist es im vergangenen Jahr gut gelaufen. Obwohl die Zeiten im Detailhandel nicht einfach sind, vermeldet der Grossverteiler aus fast allen Geschäftsbereichen steigende Umsätze und insgesamt einen höheren Gewinn.

von Jürg Rüttimann

Mit 531 Millionen Franken ist der Gewinn der Coop-Gruppe im vergangenen Jahr um zwölf Prozent höher ausgefallen als noch im Jahr davor. Das hat unterschiedliche Gründe: Einerseits hatte 2018 die Einstellung der Onlineplattform Siroop das Ergebnis von Coop belastet. Andererseits begünstigten Steuereffekte letztes Jahr das Ergebnis – ohne diese wäre der Gewinnzuwachs nicht ganz so markant ausgefallen, wie es nun der Fall war, wie Coop-Chef Joos Sutter gestern an der Bilanzmedienkonferenz ausführte.

Allerdings hat Coop sich auch operativ gut entwickelt: Der Betriebsgewinn auf Stufe Ebit stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Prozent auf 782 Millionen Franken. Der Gesamtumsatz der Coop-Gruppe stagnierte derweil bei 30,7 Milliarden Franken, wie bereits Anfang Januar bekannt wurde. Zurückzuführen ist die Stagnation allerdings hauptsächlich auf Wechselkurseffekte. Rund ein Drittel des Umsatzes macht Coop nämlich im Grosshandelsgeschäft ausserhalb der Schweiz – namentlich in Deutschland, Frankreich und Österreich, aber auch in Osteuropa und Russland. Die Transgourmet-Gruppe, in welcher dieses Geschäft zusammengefasst ist, hat 2019 in Landeswährungen gerechnet gar ein Wachstum von 3,7 Prozent verzeichnet.

Verstecktes Wachstum

In der Jahresrechnung von Coop sieht man dieses Wachstum allerdings nicht auf den ersten Blick. Laut Sutter sind durch den schwachen Euro bei der gesamten Coop-Gruppe in Franken gerechnet nämlich 380 Millionen Franken Umsatz weggefallen. Da der gleiche Effekt allerdings genau so auch bei den Kosten auftritt, habe der Wechselkurseffekt für Coop «keinen wesentlichen Einfluss auf das Ergebnis». Dennoch: Die ausgewiesene Umsatzentwicklung verdeckt das tatsächliche Wachstum des Unternehmens. Denn insbesondere im Kerngeschäft, dem Detailhandel in der Schweiz, agiert Coop in einem tendenziell stagnierenden Markt. «Wir befinden uns in einem klassischen Verdrängungskampf», so Sutter. Und darin hat sich Coop gut geschlagen.

Im Total hat Coop im Schweizer Detailhandel den Umsatz um 1,4 Prozent auf 18 Milliarden Franken steigern können. Neben dem klassischen Supermarktgeschäft haben abgesehen von wenigen Ausnahmen alle Geschäftsfelder von Coop in der Schweiz ein Wachstum verzeichnet. Selbst in schwierigen Märkten wie dem Möbelmarkt verzeichnete Coop ein Umsatzplus.

««Wir befinden uns in einem Verdrängungskampf.»»
Joos Sutter, Coop-Chef

Besonders hervorgestrichen hat Sutter an der Bilanzmedienkonferenz zudem die Umsatzentwicklung von Coop City. Obwohl Warenhäuser in bestimmten Kreisen fast schon totgesagt werden, weist Coop für seine Warenhäuser ein Umsatzplus von 0,4 Prozent aus. Dies allerdings nur, wenn die Zahlen um die durch Umbauarbeiten in zwei wichtigen Filialen weggefallenen Verkäufe bereinigt werden. Coop-Chef Sutter glaubt dennoch stark an eine Zukunft von Coop City. «Wir hegen absolut keine Pläne, hier auszusteigen. » Coop habe den Vorteil, dass durch die integrierten Lebensmittelabteilungen die Warenhäuser gute Kundenfrequenzen hätten.

Bio als Umsatztreiber

In den Supermärkten, wo Coop ein Wachstum von 0,4 Prozent ausweist, erwiesen sich einmal mehr Produkte mit einem Bio- oder Nachhaltigkeitslabel als Umsatztreiber. Mittlerweile macht Coop 1,8 Milliarden Franken Umsatz mit Bio-Produkten. Vor 20 Jahren lag dieser Wert bei gerade einmal 300 Millionen Franken. Dem ursprünglich gesetzten Ziel, bis 2025 insgesamt zwei Milliarden Franken Bio-Umsatz zu haben, rückt Coop so immer näher. «Wir werden das Ziel definitiv früher erreichen als geplant», sagte Coop-Marketingchef Philipp Wyss.

Am Ausbauen ist Coop aber auch das Billigsortiment. Das Prix-Garantie- Sortiment, das ursprünglich als Antwort auf den Markteintritt der deutschen Discounter Aldi und Lidl lanciert wurde, wird seit vergangenem Jahr neu ausgerichtet, nachdem die Jahre davor die Umsatzzahlen mit der Billiglinie kontinuierlich zurückgegangen waren.Weil die Kunden nicht nur günstige Produkte wollten, sondern auch einen Qualitätsanspruch stellten, werden die Verpackungen nun neu gestaltet und das Sortiment neu ausgerichtet. So gibt es mittlerweile Prix-Garantie- Produkte mit einem Nachhaltigkeitslabel, und bis Ende Jahr soll die Billiglinie 1000 Artikel – mehr als doppelt so viele wie zuvor – umfassen. Wie Marketingchef Wyss ausführte, zeitigt der Relaunch bereits Erfolg: Die Umsätze mit den Billigprodukten sind im vergangenen Jahr bereits wieder deutlich gestiegen.

Jürg Rüttimann