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Wangen
25.04.2021

Regionale Buchverlage kämpfen mit Absatzproblemen

Der Wörtherseh-Verlag brachte im letzten Jahr ein Dutzend Bücher heraus. Foto: zvg Bild: zvg
Was machen eigentlich Buchverlage während der Corona-Pandemie? Wir haben beim Antium Verlag in Wangen, dem Giger Verlag in Altendorf sowie dem Wörterseh Verlag in Lachen nachgefragt, wie sie das letzte Jahr erlebt haben.

Man könnte denken, dass die Schweizer in den letzten Monaten mangels Ausgeh-Möglichkeiten mehr gelesen haben. Was meinen drei Ausserschwyzer Buchverlage zu diesem Thema? «Sie lesen sicher mehr, aber halt nicht unbedingt Bücher. Die allgemeinen Verkaufszahlen der Branche zeigen in diese Richtung», stellt Gabriella Baumann-von Arx vom Wörterseh-Verlag fest.  Beat Hüppin vom Antium Verlag gibt zu bedenken, «dass es sehr viel schwieriger geworden ist, dem Publikum unbekannte Titel vorzustellen». Sabine Giger vom Giger Verlag findet, dass sich die Leute im ersten Lockdown etwas orientieren mussten, bevor sie wieder zum Lesen fanden. «Unsere Hauptkunden sind aber schon die Buchhandlungen», sagt sie.

Neue Wege gegangen

Die Pandemie – und vor allem die damit verbundenen Schliessungen von Buchhandlungen – stellten die Verlage vor Herausforderungen, ist man sich einig.

Wörterseh vermeldet deutlich weniger abgesetzte Bücher während der Zeit, in der die Buchhandlungen geschlossen waren. Antium gibt zu bedenken, dass die letzten Vertreterreisen nur virtuell stattfanden und Vorbestellungen allgemein nur sehr zögerlich eingingen. Auch der Giger Verlag pflichtet bei, dass man auf dem Markt sichtbar bleiben müsse. E-Books wurden in den letzten Monaten nicht stärker nachgefragt als sonst, jedoch vermelden alle drei Verlage, dass der Direktverkauf auf der eigenen Webseite für sie stärker zum Thema wurde.

Auch die fehlenden Anlässe spürten alle. «Lesungen sind ein wichtiger Bestandteil des Geschäfts. Hier können Autoren direkt mit ihrem Publikum in Kontakt treten», betont Beat Hüppin. Man habe mit Lesungen über Zoom experimentiert, das sei aber nicht dasselbe. Auch Sabine Giger betont, dass sich alle Autoren wieder auf Anlässe freuen. Als Alternative wurden Facebook-Lesungen angeboten und Webinare aufgezeichnet.

Die neusten Werke des Altendörfler Giger Verlags. Foto: zvg Bild: zvg

Verschiebungen im Programm

Im Laufe der letzten zwölf Monate brachten sowohl der Antium- wie auch der Wörterseh-Verlag je ein Dutzend Bücher heraus. Beim Giger Verlag waren es über das ganze letzte Jahr hinweg ebenfalls zwölf.

Grösstenteils hielten die befragten Ausserschwyzer Verlage am geplanten Buchprogramm fest. Gabriella Baumann-von Arx erklärt, dass im Frühling 2020 drei auf diesen Zeitpunkt geplante Neuerscheinungen «in letzter Sekunde» auf den Herbst verlegt worden waren. Antium und der Giger Verlag entschieden sich bewusst gegen eine Verschiebung im Programm. 

Die staatliche Unterstützung für die Buchverlage hielt sich in Grenzen. Wörterseh und der Giger Verlag konnten zwar für einige wenige Monate Kurzarbeit anmelden, trotzdem sind und waren die Fixkosten hoch. Dazu kommt, dass Einnahmen, zum Beispiel aus Seminaren (Giger), fehlten. Da bei Antium alle ehrenamtlich arbeiten «fällt ein Betrieb wie der unsere durch die Maschen», so Hüppin. Dazu seien Umsatzausfälle schwierig zu belegen. Die grösste Herausforderung liege für den Wangner Verlag aktuell darin, die Finanzierung der Produktionen weiterhin sicherzustellen. 

Drei Corona-Bücher erschienen

Wörterseh und Antium haben schnell reagiert und in diesem Frühjahr zwei und ein Buch zum Thema Coronavirus herausgebracht. In Lachen waren es: «Corona. Das Virus für Kinder erklärt» und «Lockdown – Wie Corona die Schweiz zum Stillstand brachte» des Recherchedesks der Tamedia.

Beim Wangner Verlag heisst das Werk «Polenta, Prosecco und Corona» und handelt von einem Deutschschweizer, der über den Winter 19/20 öfters im Tessin weilt. «Diese Publikation wollten wir wegen der Aktualität nicht unnötig hinauszögern», sagt Hüppin. Die Fertigstellung der drei Bücher in den Verlagen erfolgte innerhalb der normalen Bearbeitungszyklen.

Die Messen fehlen

Trotz der schwierigen letzten Monate halten die Verlage an ihrem Kerngeschäft fest. Gabriella Baumann-von Arx brachte die Pandemie die Erkenntnis, «dass Bücher für die Menschen sehr wichtig sind. Die Herausforderungen liegen darin, nicht nachzulassen im Bemühen gute Stoffe zu finden und diese sorgfältig umzusetzen», sagt sie.

Vielleicht nutzten einige die zusätzliche Zeit in den letzten Monaten auch zum Schreiben. Zum Beispiel der Giger Verlag in Altendorf erhielt mehr Manuskripte. «Das freut mich», so Sabine Giger. 

Beat Hüppin freut sich vor allem wieder auf Anlässe. Aktuell «mangelt es an Gelegenheiten, neue Autoren und ihre Werke überhaupt an den Mann beziehungsweise an die Frau zu bringen». Er denkt hier ausser an Einzellesungen auch an Bücherfestivals, Messen und vieles mehr. Dazu hängen, ähnlich wie in der ganzen Musikszene, einige Zulieferer-Jobs an den Verlagen.

Die Antium-Buchpalette. Foto: zvg Bild: zvg

Antium

Die Bücher des Antium Verlags handeln von «Sehnsuchtsorten». Getreu den Spezialinteressen der Gründer präsentiert der Verlag Übersetzungen aus dem Finnischen und Italienischen. Dazu soll auch die nationale und regionale Literatur gefördert werden. Der Ort Antium (heute Anzio) war in der Antike ein beliebter Badeort für vornehme Römer – ebenfalls ein «Sehnsuchtsort». Der Verlag wurde 2018 gegründet und hat seinen Sitz in Wangen. Alle Mitarbeiter sind ehren- oder nebenamtlich tätig.

 

Giger

Der Giger Verlag bietet in der Auswahl der Bücher und Autoren der Themenrubrik «Bewusster Leben» einen grossen Platz. «Unser Leben in Zeiten der Hektik, der weltweit tiefen Umwälzungen wieder bewusster und nachdenklicher zu gestalten, ist unser Wunsch und Ziel», so Geschäftsführerin Sabine Giger. Der Verlag hat seinen Sitz in Altendorf, wurde 2005 gegründet und hat eine feste sowie mehrere freie und projektbezogene Mitarbeiter. In letzter Zeit freute man sich bei Giger speziell über den Nummer 1-Erfolg von Pascal Voggenhuber. 

 

Wörterseh

Mit seinem Programm setzt der Wörterseh Verlag auf Menschen und deren Lebensgeschichten. Nach dem Erfolg ihres Buches «Lotti, la Blanche» wollte Autorin Gabriella Baumann-von Arx ein zweites Buch über die Schweizerin Lotti Latrous schreiben. So gründete sie 2004 ihren eigenen Verlag, heute mit Sitz in Lachen und total 250 Stellenprozenten. Das neuste Wörterseh-Werk ist «Paris» von Autorin Blanca Imboden. Der Roman ist direkt auf Platz vier der Schweizer Belletristik-Bestsellerliste eingestiegen. 

 

Patrizia Baumgartner, Redaktion March24 & Höfe 24