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Pfäffikon
17.04.2021

In Pflegezentrum werden Geimpfte bevorteilt

Wer geimpft ist, darf sich wieder «uneingeschränkt» im Alterszentrum Roswitha in Pfäffikon bewegen. Das belegt ein Schreiben vom 5. März.
Wer geimpft ist, darf sich wieder «uneingeschränkt» im Alterszentrum Roswitha in Pfäffikon bewegen. Das belegt ein Schreiben vom 5. März. Bild: Pro Senectute Kanton Zürich (PSZH)
Geimpfte geniessen im Pflegezentrum Roswitha in Pfäffikon offenbar Freiheiten, die Ungeimpften verwehrt bleiben. Die Gemeinde Freienbach ringt um eine Erklärung.

Impfprivilegien, Zweiklassengesellschaft, Ausgrenzung. Davor fürchten sich jene, die noch auf eine Covid-19-Impfung warten oder sie gänzlich ablehnen. Eine Bewohnerin im «Roswitha» in Pfäffikon erlebt das hautnah. Die Frau entschied sich gegen die Impfung. Nun werde sie ausgeschlossen, dürfe gewisse Aktivitäten im Pflegezentrum nicht mehr mitmachen. Das beklagte ihre Familie kürzlich in der SRF-Radiosendung «Espresso».

«Es gibt keinen Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften»

Unsere Zeitung hat das Pflegezentrum mit den Vorwürfen konfrontiert. Das rief aber nicht nur die Heimleitung auf den Plan, sondern gleich den Freienbacher Gemeinderat. Denn beantwortet hat die Anfrage Monika Lienert, Ressortvorsteherin Gesellschaft. Dass etwa Jassen oder Treffen mit anderen Bewohnern im Aufenthaltsraum für Ungeimpfte nicht mehr möglich seien, sei falsch, so die Gemeinderätin. «Diese Aussage stimmt so in der Realität nicht.» Sie betont: «Einen Unterschied zwischen Geimpften und Nichtgeimpften gibt es diesbezüglich nicht.» Aktivitäten und Veranstaltungen sowie gemeinsame Mittagessen fänden «im gewohnten Rahmen wieder für alle statt».

Schreiben bestätigt Ungleichbehandlung

Widersprüchlicher könnten zwei Aussagen kaum sein. Aufschluss gibt ein Schreiben von Heimleiter Martin Lohr, datiert auf den 5. März. Darin steht: «In Absprache mit dem kantonsärztlichen Dienst» wolle man die Massnahmen «langsam, aber kontinuierlich» lockern. Doch: «Die ersten Schritte gelten, und dies ebenfalls in Absprache mit unserem Kantonsarzt, nur für die geimpften Bewohner.» Ausserdem seien Masken für Geimpfte seit dem 8.März nur noch eine Empfehlung, keine Pflicht mehr. Ebenso würde für sie die zehntägige Quarantänepflicht nach auswärtigen Besuchen entfallen: «Geimpfte Bewohner dürfen sich nach einem auswärtigen Aufenthalt ohne Einschränkungen wieder im Haus bewegen.» Es wurden noch vier weitere Impfprivilegien aufgelistet.

Kanton und Gemeinde weichen aus

Dafür hat die Gemeinde Freienbach nicht wirklich eine Erklärung. Betont wird aber, das Schreiben sei veraltet und sein Inhalt werde «heute nicht mehr so gelebt». Warum man sich im «Roswitha» dazu entschieden hat, Geimpften besondere Privilegien zuzugestehen, wird wie folgt begründet: «(…) Es war uns wichtig, darauf hinzuweisen, dass nicht alles so ist, wie vor der Pandemie. Das heisst, dass es immer noch gilt, gewisse Massnahmen einzuhalten, insbesondere, um Nichtgeimpfte zu schützen.»

Der Kanton Schwyz hat sich noch nicht dazu geäussert, ob die Ungleichbehandlung von Geimpften und Ungeimpften auf Anordnung des kantonsärztlichen Diensts erfolgte. Ebenso ist bislang unklar, ob das «Roswitha» ein Einzelfall ist oder ob sich noch andere Alters- und Pflegezentren dazu entschieden haben, Geimpfte zu bevorteilen.

Anja Schelbert, Bote der Urschweiz