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Siebnen
07.04.2021

Minus-Temperaturen machen Obstbauern zu schaffen

Die Schneedecke hat die Erdbeeren gut geschützt, stellt Obstbauer Kilian Diethelm fest.  Bild Heidi Peruzzo Bild: hp
Der späte Wintereinbruch bereitet den Obstbauern schlaflose Nächte. Vor allem bei den bereits blühenden Kirschbäumen richtet der Frost grosse Schäden an.

Minus 5,5 Grad zeigte das Thermometer der naheliegenden Messstation beim Früchtehof Diethelm in Siebnen am Dienstagmorgen an. «Das ist deutlich zu kalt für das vegetative Stadium unserer Obstkulturen», erklärt Kilian Diethelm. «Der Schneefall anfangs Nacht kam uns wahrscheinlich zugute. Die Schneeschicht auf den Bäumen oder den Beeren gibt eine gute Isolation ab.» Um die zurzeit blühenden Kirschbäume zu schützen, hat der Obstbauer um Mitternacht die Bewässerungsanlage eingeschaltet und nochmals die Wetterprognosen studiert. Morgens um 4 Uhr klarte es auf und dadurch sanken die Temperaturen noch tiefer. «Da habe ich zusätzlich noch die Frostkerzen aufgestellt», so der Obstbauer. «Ja, in Frostnächten ist nicht mit viel Schlaf zu rechnen», bestätigt der Bauer.  

Eis schützt vor Kälte

Diethelm kann seine Kirschbäume auf verschiedene Arten vor Kälte schützen: mit überspannenden Folien, Frostkerzen oder mit einer Sprinkleranlage, welche die Obstbäume auf Bodenhöhe mit Wasser berieselt. «Die Eisschicht auf dem Boden und an den Blüten schützt vor Frost. Die Temperaturen unter dem Eis liegen bei genau 0,0 Grad Celsius.» Die Folien konnten wegen des Schnees jedoch nicht gespannt werden, «die hätte es auf den Boden gedrückt».

Die Kirschen begannen kurz vor Ostern mit dem Blühen, in diesem Stadium sind sie besonders empfindlich für Frost. «Ein Kontrollgang durch unsere Plantagen wird uns heute zeigen, wie gross der Schaden ist. Ich bin jedoch zuversichtlich, weil ich bereits verschiedenen Blüten gesehen habe, die noch unbeschadet sind. Vor allem die Blüten, die von oben mit Schnee bedeckt waren und durch weitere Blüten geschützt wurden, sind noch intakt. Wenn 20 Prozent der Blüten den Frost überstehen, können wir noch mit einem Vollertrag rechnen.» Für den Obstbauern wird sich in den nächsten Wochen zeigen, was weiterwächst. Apfel- und Birnenbäume werden nicht speziell geschützt, bei diesen ist keine sinnvolle Frostbekämpfung möglich, erklärt der Fachmann. 

Erdbeeren wieder einpacken

Auch bei den Erdbeeren wirkte die dicke Schneeschicht wie ein Vlies, da rechnet Diethelm mit keinen Schäden. Ein Schnitt durch die Pflanze bestätigt auch seine Vermutung. Diese sind bis zum Wurzelballen grün und zeigen keinerlei Frostschäden auf. Für die kommenden kalten Nächte werden die Erdbeeren, welche nicht in Gewächshäusern stehen, jedoch nochmals auf den Boden gesetzt und mit Vlies zugedeckt. «Der Frost bereitet uns eine Menge zusätzlicher Arbeit, wir werden heute Vollgas geben müssen», sagt der Geschäftsmann. 

Auf verschiedene Kulturen setzen

Der Anbau von verschiedenem Obst, Früchten und Gemüse sichert die Existenz der Familie Diethelm. «Wenn der Ertrag an Kirschen mager ausfällt und dafür die Erdbeeren gut gedeihen, gleicht sich das für uns wieder aus», so Diethelm. Eine Versicherung für Frostschäden lohnt sich nicht, «die wäre viel zu teuer». Dieses Geld investiert Diethelm lieber in den Aufbau einer neuen Plantage. «Die jetzigen Kirschbäume sind bereits 25-jährig, damals waren das die ersten Zuchten für niedrigwachsende Kirschbäume. Bei einer Pflanzung von neuen Kirschbäumen kann von Anfang an ein moderner Folien-Frostschutz rund um den Baum eingeplant werden. «Das wird sich für uns lohnen, denn in den letzten fünf Jahren hatten wir nun bereits zum dritten Mal späten Frost und damit Ertragsausfälle», so der Siebner.  

Heidi Peruzzo, Redaktion March24 & Höfe 24