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Kanton
06.04.2021
06.04.2021 12:02 Uhr

Ex-Kapo-Logistikchef droht eine mehrjährige Freiheitsstrafe

Dem Ex-Logistikchef der Kantonspolizei Schwyz wirft die Anklage mehrfache qualifizierte Veruntreuung, mehrfache ungetreue Amtsführung, mehrfache Widerhandlung gegen das Waffengesetz und Versuch dazu sowie mehrfache Verletzung des Amtsgeheimnisses und mehrfache Urkundenfälschung vor. Bild: Keystone
Am Donnerstag beginnt am Bundesstrafgericht in Bellinzona der Prozess gegen den 57-jährigen ehemaligen zivilen Mitarbeiter der Schwyzer Kantonspolizei.

Der Fall löste im Frühjahr 2018 nationales Interesse aus. Ein ziviler Mitarbeiter der Kantonspolizei Schwyz, der als Logistikchef angestellt war, soll im grossen Stil auf eigene Rechnung mit Waffen und Munition gehandelt haben (wir berichteten). Der Mann wurde sofort entlassen. Nun findet am 8. April vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona der Prozess gegen den Ex-Kadermann statt. Das Gericht hat die Fortsetzung der Verhandlung auf den 9. April in Betracht genommen. Sollten die Verhandlungen dann nicht abgeschlossen werden können, hat das Bundesstrafgericht auf den 13. April ein Reservedatum bestimmt.

Dem Ex-Logistikchef der Kantonspolizei Schwyz wirft die Anklage führende Bundesanwaltschaft mehrfache qualifizierte Veruntreuung, mehrfache ungetreue Amtsführung, mehrfache Widerhandlung gegen das Waffengesetz und Versuch dazu sowie mehrfache Verletzung des Amtsgeheimnisses und mehrfache Urkundenfälschung vor. Für diese Delikte sieht das Strafgesetz Freiheitsstrafen pro Delikt von bis zu drei und fünf Jahren vor. 

Dem heute 57-Jährigen wird vorgeworfen, er habe zwischen 2009 und 2018 in seiner damaligen Funktion als Leiter Logistik der Kantonspolizei Schwyz Munition und Material im Wert von rund 180' 000 Franken bestellt und durch die Kantonspolizei auch bezahlt zu haben. Diese Bestellungen soll der Beschuldigte aber, statt für die Polizei, privat zu seinem eigenen Vorteil verwendet haben. Weiter wirft ihm die Bundesanwaltschaft vor, zwischen 2012 und 2013 etliche Waffen sowie Munition ohne Berechtigung an verschiedene Personen gewerbsmässig verkauft und über einen Darknet-Account angeboten zu haben. Bei seiner Verhaftung 2018 wurden beim Beschuldigten 80 Waffen und mehrere Zehntausend Patronen sichergestellt.

Komplize bereits verurteilt

Offenbar hatte der Mann einen Komplizen in Deutschland. Mit ihm zusammen soll der Ex-Kapo-Logistikchef die Waffen und Munition angeboten und verkauft haben. Dem Komplizen, der inzwischen in Deutschland verurteilt worden ist, soll der Angeklagte polizeiinterne Informationen betreffend die in Deutschland hängige Strafuntersuchung weitergegeben haben. Deswegen wird ihm vorgeworfen, das Amtsgeheimnis verletzt zu haben.

Schliesslich wird dem Beschuldigten zur Last gelegt, im Zusammenhang mit der Übertragung einer Waffe sowie einer Munitionsbestellung Urkunden gefälscht zu haben.

Der Angeklagte, der seit 2002 bei der Kantonspolizei Schwyz die Funktion des Logistikchefs innehatte, war im Februar 2018 verhaftet und fristlos entlassen worden. Nach rund zweieinhalb Monaten Untersuchungshaft wurde er auf freien Fuss gesetzt. Der Beschuldigte war ein ziviler Mitarbeiter der Kantonspolizei. Er war nicht Mitglied des vereidigten Polizeikorps.

Ruggero Vercellone, Redaktion March24 & Höfe24