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Sport
04.04.2021

Yassin Mikari: «Das sind Erlebnisse, die für mich unvergesslich bleiben»

Bild: zvg
Er wurde mit GC Meister, spielte in Frankreichs Ligue 1 und 45 Mal für die tunesische Nati. Heute trainiert Yassin Mikari die U15 des FC Rapperswil-Jona.

Yassin Mikari hat eine glänzende Fussballkarriere hinter sich. GC, Sochaux, Club Africain, tunesische Nationalmannschaft – er hat alles erlebt, hat gegen die ganz Grossen des Weltfussballs gespielt. Vor zwei Jahren hat er sich entschlossen, die Fussballschuhe definitiv an den Nagel zu hängen und sein Können und seine immense Erfahrung an junge Spieler weiter zu geben. Heute trainiert er die U15 beim FC Rapperswil-Jona.

Was bedeutet Ihnen die Arbeit mit den jungen Fussballern?
Sehr viel. Als meine Fussballkarriere langsam dem Ende zuging, da stand damals für mich die Frage im Vordergrund, soll ich noch weiterspielen oder soll ich als Trainer beginnen? Ich habe mich dann dafür entschieden, mein Wissen und meine Erfahrungen im Juniorenfussball einzubringen. Ich bin dankbar, dass der FCRJ mir diese Möglichkeit gegeben hat. Was es mir bedeutet? Ich bin einfach dankbar und glücklich, wenn ich den Kindern vieles von meiner Erfahrung weitergeben kann.

Ging es immer steil bergauf?
Nein, es war ganz klar ein Auf und Ab. Meine Karriere ging zwar gleich zu Beginn rasant aufwärts, als ich in der ersten Saison mit GC Meister wurde. Im ersten Spiel erzielte ich gleich ein Tor. Im Rückblick war dies eine prägende Zeit für mich, denn ich war wohl geblendet vom raschen Erfolg. Ich dachte, jetzt geht alles ganz von alleine weiter. Dem war natürlich nicht so. Ich musste Lehrgeld zahlen. Das tat mir im Rückblick ganz gut.

Mit GC wurden Sie Schweizer ­Meister. Wie war das?
Ich war damals 19 Jahre alt. Es ist ein unvergessliches Erlebnis, etwas unheimlich Schönes, wenn man am Schluss der Saison den «Becher» in die Höhe stemmen kann. Es gab für mich aber in der Retroperspektive auch eine Kehrseite. Ich dachte, ich hätte nun schon alles erreicht und wurde in gewissem Masse überheblich.

Yassin Mikari (links) im Einsatz mit dem GC-Trikot. Bild: Keystone

Wie kam es zum Engagement in ­Sochaux?
Ich muss vielleicht etwas ausholen. Ich hatte im Jahr davor schon Angebote aus dem Ausland, unter anderem auch aus der Bundesliga. Aber keines hat mir richtig zugesagt. Ich habe also nochmals ein Jahr bei GC angehängt. Dann kam das Spiel mit der Nationalmannschaft gegen Frankreich. Da machte ich ein riesiges Spiel. So kamen sehr viele Angebot herein und ich konnte mir wirklich die Vereine aussuchen. Doch wie es das Schicksal wollte, genau da verletzte ich mich schwer, war drei Monate out. Trotz der Verletzung wollte mich Sochaux unbedingt. So wechselte ich 2009 nach Frankreich.

Was haben Sie da erlebt?
Der Rummel war immens und das Stadion bei jedem Spiel voll. Für mich war es eine faszinierende Zeit. Ich konnte gegen so viele bekannte Clubs wie ­Marseille, PSG, Lyon und gegen viele heutige Weltstars spielen.

Zum Beispiel?
Meine Gegenspieler hiessen Eden Hazard, James Rodriguez, Zlatan
Ibrahimovic, Pierre-Emerick Aubameyang, Karim Benzema, Franck Ribéry und viele andere mehr. Gegen Cristiano Ronaldo spielte ich einst in den jüngeren Jahren, als er bei Manchester spielte.

Eine ganze wichtige Station war die tunesische Nationalmannschaft.
Ich habe 45 Einsätze für die tunesische Nationalmannschaft gespielt. Dabei habe ich so viel erlebt, dass ich mir wirklich überlege, ob ich nicht darüber ein Buch schreiben soll. Was in Tunesien mit der Nationalmannschaft abgeht, die Emotionen, das kann man sich hier in Europa nicht vorstellen.

Heute trainieren Sie die U15-Juniorenmannschaft beim FCRJ. Wie kam dieses Engagement zustande?
Die Juniorenausbildung beim FCRJ geniesst einen ausgezeichneten Ruf in der Schweiz. Mit Jakob Turgut hat der FCRJ einen Topfachmann als Ausbildungschef. Rocco Delli Colli kenne ich schon lange als Präsidenten, Dani ­Welti, den CEO, ebenfalls. Die beiden haben mich damals angefragt, ob Juniorentrainer für mich ein Thema sein könnte. Nach reiflicher Überlegung ­habe ich zugesagt und bei der U14 als Juniorentrainer begonnen. Jetzt trainiere ich mit Leidenschaft die U15.

Sehen die Jungs in Ihnen den ehemaligen Fussballstar oder einfach einen Trainer, der ihnen sehr viel beibringen kann?
Zu Beginn haben mich ein paar ­erkannt und mich natürlich ausgefragt. Viele andere haben mich dann gleich gegoogelt. Ich hatte als Junior auch mal einen Ex-Profispieler als Trainer. Das war ein grossartiges Erlebnis. Dies möchte

Rolf Lutz, Linth24