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Sport
31.03.2021
01.04.2021 09:48 Uhr

Wendy Holdener: «Diese Saison habe ich sehr viel lernen müssen»

Im Slalom zeigte Wendy Holdener in einer durchzogenen Saison stets solide Leistungen. Bild: Keystone
Die Unteribergerin hat eine durchzogene Saison hinter sich. Die grösste Enttäuschung musste sie an der WM hinnehmen, an der sie erstmals seit 2015 ohne Medaille blieb. Positiv sind die drei dritten Plätze im Weltcup.

Die abgelaufene Saison stand für Wendy Holdener schon von Beginn an unter keinem guten Stern. Anfang September erlitt sie beim Slalomtraining in Saas-Fee eine nicht verschobene Fraktur des rechten Wadenbeinkopfes und musste sich schon früh mit einem Trainingsrückstand herumschlagen. Diesen konnte sie die ganze ­Saison über nicht mehr richtig wettmachen.

Sorgendisziplin Riesenslalom

Der Rückstand habe sich vor allem auf den Riesenslalom ausgewirkt, wie Holdener sagt. «Ich habe nie wirklich Zeit gehabt, Riesenslalom ausgiebig zu trainieren und mich in dieser Disziplin wohlzufühlen.» Durch die Verletzung im Sommer gabs nie mehr als zwei ­Tage Zeit am Stück, um diese Disziplin zu trainieren. So habe sie nicht mehr eine Selbstverständlichkeit und ein Selbstvertrauen aufbauen können, wie es in den letzten Jahren der Fall gewesen sei. «Und dann verläuft auch nicht ­jedes Training immer ­optimal», fügt sie hinzu. Dementsprechend waren auch ihre Riesenslalom-Resultate weniger gut, als dies im Vorjahr der Fall gewesen war. So stand am Schluss ein achter Platz als Bestleistung in der Grunddisziplin des alpinen Skisports zu ­Buche.

«Von der Sprache und vom Typ her hatten wir wohl nicht die gleiche Wellenlänge.»

Trennung von Trainer

Überhaupt sei es eine schwierige Saison gewesen. «Die Resultate waren nicht zufriedenstellend», sagt die Unteribergerin. Hinzu kam die unerwartet schnelle Trennung von ihrem Trainer Klaus Mayrhofer, der erst vor der Saison begonnen hatte, mit Holdener zu arbeiten. «Von der Sprache und vom Typ her hatten wir wohl nicht die gleiche Wellenlänge.» Mayrhofer sei sicher ein guter Trainer, aber «unser Zusammenspiel hat für mich nicht gepasst».

So kam es, dass Holdener anders als in anderen Jahren nicht restlos überzeugen konnte. «Diese Saison habe ich sehr viel lernen und selber bewältigen müssen», sagt sie. Auffallend war ausserdem, dass Holdener in dieser Saison nur wenige Speed-Rennen bestritt. «Es war schade, dass ich an der WM im Super-G nicht an den Start konnte, weil ich zu wenige Rennen gefahren bin.» Geplant hat sie eigentlich mehr, konnte aber unter anderem aufgrund von Verschiebungen wie in St. Moritz nicht starten. «Es gab in diesem Jahr einige Änderungen, die mir nicht in die Planung gepasst haben.» So hofft sie auch, dass nächstes Jahr alles ein wenig besser zusammenspielt.

Enttäuschende WM

Die grösste Enttäuschung erlitt Holdener an den Weltmeisterschaften in Cortina d’Ampezzo. In den ­Parallel-Rennen, der alpinen Kombination und im Slalom reiste sie mit berechtigten Medaillen-Ambitionen an, musste aber eine Enttäuschung nach der anderen verkraften.

Im Slalom hatte sie Pech und wurde Vierte, in der Kombination schied sie bereits nach wenigen Toren im Slalom aus und im Riesenslalom blieb sie mit Rang 8 ausserhalb der Medaillen-Reichweite. Skandalös war auch, wie Holdener im Parallel-Rennen um eine Medaille betrogen wurde – trotz des deutlichen Siegs in der Qualifikation. Durch eine Regelung, wonach der Vorsprung nach dem ersten Lauf maximal 0,5 Sekunden betragen durfte, wurde Holdener im zweiten Viertelfinallauf vom um gut 1,5 Sekunden langsameren roten Kurs gebremst und schied aus. Damit blieb die Unteribergerin erstmals seit 2015 an einem Grossanlass ohne Medaille.

«Ich hatte nie zwei Slalom-Durchgänge, in denen alles perfekt gepasst hat.»

Slalom war positiv

Doch nicht alles war schlecht in Holdeners Saison. Im Slalom fuhr sie gewohnt solide und fuhr dreimal auf das Podest. Ingesamt steht sie nun bei 27 Slalom-Podesten. Doch noch immer fehlt ihr der langersehnte Sieg. «Ich hatte gute Abschnittszeiten in den ­Slalomläufen, aber nie zwei Durchgänge, in denen alles perfekt gepasst hat», sagt Holdener. Ein wenig habe zusätzlich auch das Selbstvertrauen gefehlt. Hinzu kommt, dass die ­Spitze im ­Slalom noch nie so gut war wie in diesem Jahr. Neben den üblichen verdächtigen Mikaela Shiffrin und ­Petra Vlhova fuhren auch Disziplinen­gewinnerin ­Katharina Liensberger und die ­Obwaldnerin Michelle Gisin ­konstant auf die vorderen Plätze.

Wendy Holdener darf zufrieden mit ihrer Slalom-Leistung sein. Bild: Keystone

Die Saison nahm für Holdener ein abruptes Ende. Vor dem Weltcupfinale auf der Lenzerheide wurde sie positiv auf Covid-19 getestet. So ist sie im Moment zu Hause in Unteriberg und hat Zeit, Büro zu machen und sich mit Trainern und Betreuern über die abgelaufene Saison zu unterhalten – um dann frisch gestärkt in die Vorbereitung zur nächsten Saison zu starten.

Lars Morger, Sportredaktion March24 & Höfe24