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Sport
25.03.2021

Schwinger-Unmut im Linthgebiet trotz Lockerungen

Aus Solidarität verzichtet auch Kranzgewinner Dominik Oertig aus Uznach vorderhand auf das Training. Bild: zv
Die besten 120 Schwinger dürfen wieder mit Körperkontakt trainieren. Bei vielen sorgt diese Vorgabe aber für grossen Unmut, so auch beim Nordostschweizer Schwingerverband, wo sogar aufs Training verzichtet wird.

Solidarität sieht anders aus. Nachdem seit dem 1. März Schwinger mit Jahrgang 2001 und jünger trainieren und Wettkämpfe bestreiten durften, wurde nun auch bei den Spitzenschwingern gelockert – 120 der besten Schweizer Schwinger können nun endlich wieder trainieren. Was auf den ersten Blick als grosser Schritt erscheint, ist aber für viele Schwinger der Weg in die «Zweiklassengesellschaft.»

Die einen dürfen, die anderen nicht

Denn die 120 «Bevorzugten» werden nach Leistungskriterien klassifiziert. Allen voran kommen die eidgenössischen Kranzschwinger zum Zug, gefolgt von Kranzgewinnern von Berg- und Teilverbandsfesten. Dass dies die Schwinger spaltet, bei dem die einen trainieren und den Formstand verbessern können, die anderen quasi zu Zuschauer degradiert werden, liegt auf der Hand. Gerade im Schwingsport aber, bei dem keiner von «Profistatus» sprechen will, kommt der Solidarität eine ganz grosse Bedeutung zu.

Klare Stellungnahme des NOSV

Ob es nun gefällt oder nicht, der Entscheid ist Tatsache. Nun wird jedem Teilverband ein Kontingent zugewiesen und vorerst sind mit der neuen Regelung nur Trainings und noch keine Wettkämpfe geplant. Im Nordostschweizer Schwingverband (NOSV), zu dem neben dem Kanton St.Gallen weitere sechs Kantone zählen, können folglich 15 Eidgenossen und 11 Berg- und Teilverbandskranzer wieder trainieren. Wobei das Schutzkonzept vorsieht, dass dies nur «zu viert» durchgeführt werden darf.

Adrian Oertig, Präsident des Schwingerverband Rapperswil und Umgebung: "Die einen können wieder trainieren, die anderen müssen zusehen..." Bild: L24

Doch wirklich glücklich darüber scheint man weder im NOSV noch beim hiesigen Schwingerverband zu sein. «Auch ich kann diesen Entscheid nicht unterstützen, denn dadurch entsteht klar eine Zweiklassengesellschaft», formuliert Adrian Oertig vom Schwingerverband Rapperswil und Umgebung seinen Unmut. Und er denkt dabei auch ganz speziell an die jüngeren Schwinger, die in der Karriere noch nicht auf dem Topniveau sind: «Dass die bis 20-jährigen Mitglieder wieder trainieren dürfen, darüber bin ich sehr froh, aber was ist denn mit den etwas älteren Schwingern, zum Beispiel den 21- und 22-jährigen, die letztes Jahr keinen Durchbruch machen konnten, weil sie wegen Corona keine Wettkämpfe bestreiten konnten und jetzt weiter nur zuschauen und nicht trainieren dürfen?»

Verzicht als Zeichen der Solidarität

Fragen über Fragen, die zur Zeit noch unbeantwortet bleiben. Ein klares Statement hat aber schon mal der Nordostschweizerische Schwingverband formuliert. Denn dort wird auf der Webseite ein starkes Signal Richtung Solidarität ausgestrahlt. So ist folgendes nachzulesen: «Anlässlich einer Videokonferenz der Technischen Kommission NOSV und den eidg. Kranzschwingern des NOSV wurde die Solidarität zu den Mittelschwingern bestärkt. Es wurde beschlossen, den Trainingsverzicht bis Mitte April aufrecht zu erhalten. Dem Verzicht haben sich nun beinahe alle Eidgenossen des NOSV angeschlossen. Hintergrund ist die entstandene Zweiklassengesellschaft von Mittel- und Spitzenschwingern durch die Ungleichbehandlung im ESV (Eidgenössischer Schwingerverband). Negativ davon betroffen sind im NOSV 50% aller Aktivschwinger, respektive 90% aller mit Jahrgang 2000 oder älter. Die Eidgenossen des NOSV setzen damit ein starkes Zeichen z.H. der Trainingskollegen und dem heutigen Wettkampfmodus, bei dem bis dato alle Schwinger in derselben Kategorie angetreten sind.»

Was macht Kranzgewinner Dominik Oertig?

«Es kribbelt unwahrscheinlich und ich würde wahnsinnig gerne wieder ins Training steigen», meint auch der Kranzgewinner von 2019, Dominik Oertig. Doch der Uzner steht voll und ganz hinter der Entscheidung des NOSV: «Ich war bei der Entscheidungsfindung dabei und stehe voll und ganz hinter der Entscheidung. Es sollen alle gleich behandelt werden, denn sonst entspricht das nicht mehr den Werten des Schwingsports.»

Es kribbelt ganz schön, aber aus Solidarität trotzdem nicht im Training: Kranzgewinner Dominik Oertig. Bild: L24

Man kann mit dem Erfolgsschwinger aus unserer Region mitfühlen. Deshalb meint Verbandspräsident Adrian Oertig dann auch: «Man hätte mit diesem Lockerungs-Entscheid auch noch etwas zuwarten können, denn die meisten Kranzfester sind erst ab Mai geplant, viele sogar in den Spätsommer verschoben worden. Zum Beispiel  das St.Galler Kantonale, das neu am 1.August stattfindet, wenn es dannzumal überhaupt möglich ist.»

St. Galler Kantonalschwingfest 2021 wird verschoben auf den 1. August 2021

Das St. Galler Kantonalschwingfest 2021 wird in Absprache mit dem Kantonalen Schwingerverband und dem Schwingerverband Rapperswil und Umgebung ein letztes Mal verschoben und zwar auf den Sonntag, 1. August. Die Festlegung dieses Datums ist nur dank des grosszügigen Entgegenkommens des OK’s Rickenschwinget möglich, denn sie verzichten zugunsten der Veranstaltung auf die Durchführung des am 1. August geplanten, traditionellen Rickenschwinget.

Sonntag, 1. August 2021, Sportplatz Stiggleten, Benknerstrasse 

Rolf Lutz, Linth24