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Leserbrief
Kanton
24.02.2021
27.05.2021 11:37 Uhr

Rathaus und «Leutschen»: Leserbriefe

Der Bezirk will Verwaltung und Justiz an einem Standort zusammenführen.
Der Bezirk will Verwaltung und Justiz an einem Standort zusammenführen. Bild: Archiv
Der Bezirk will Verwaltung und Justiz an einem Standort im freiwerdenden Schulhaus Leutschen zusammenführen. Die heutigen Rathäuser Roosstrasse und Bahnhofstrasse in der Kernzone von Wollerau sollen verkauft werden. 21,95 Millionen Franken soll das Ganze kosten und rund 16 Millionen Franken aus dem Verkauf einbringen. Die Leserbriefe zur Sachvorlage, über die am 7. März im Bezirk Höfe abgestimmt wird.

Hast du auch was zu dem Thema zu sagen?

Schicke uns deinen Leserbrief mit den Argumenten dafür oder dagegen an redaktion@march24.ch oder redaktion@hoefe24.ch. Spätestens bis 4. März.

Standort Leutschen ein Glücksfall?

Der Bezirksrat Höfe preist uns den Standort Leutschen für das (neue) Rathaus und Justizgebäude als Glückfall an. Da habe ich doch einige Bedenken.  Die bisherige Erreichbarkeit der Bezirksverwaltung und seiner Amtsstellen in Wollerau war sowohl mit ÖV als auch von der Autobahn her optimal. Die Amtsstellen werden mehrheitlich mit dem privaten PW aufgesucht, was mit dem Standort Leutschen einen nicht unwesentlichen Verkehr von Wollerau via Wilen oder Pfäffikon her ergeben wird. Zudem liegt der Standort Leutschen in einem Wohnquartier.

Auch nach einem Umbau des Schulhauses in ein Verwaltungsgebäude wird der Charakter als Schulhaus bleiben, sowohl von aussen (z. B. Fensterfronten) als auch innen (z. B. überdimensioniertes Treppenhaus). Ein Neubau auf einer grünen Wiese müsste nicht zwingend in der Gemeinde Freienbach sein. Der Bezirk umfasst ja auch die Gemeinden Feusisberg und Wollerau.

Das Schulhausareal Leutschen umfasst auf der Südseite an der Wiesenstrasse auch Schulanlagen der Gemeinde Freienbach. Diese werden offenbar weiterbetrieben. Ist es das A und O ist, neben einem Schulbetrieb ein Justizgebäude, das Betreibungsamt, das Vermittleramt und das Konkursamt – alle mit mehrheitlicher spezieller Kundschaft – zu betreiben.

Mit diesen Überlegungen frage ich mich, ob der Standort Leutschen für ein Rathaus und Justizgebäude tatsächlich ein Glücksfall ist.

Eugen Hegner, Schindellegi

 

Schliessentscheid fiel unabhängig von Rathausfrage

Zum Leserbrief von Markus Ruh vom 12. Februar

Der Schulstandort Leutschen wird nicht geschlossen, um Platz für ein Rathaus zu schaffen. Der Schliessungsentscheid fiel vorher und unabhängig von der Rathausfrage. Dabei ging es um pädagogische und betriebliche Vorteile, die sich durch die Konzentration auf zwei Standorte ergeben, zum Beispiel beim Wahlfachangebot und bei der Klassenbildung. Ebenfalls lassen sich durch die Reduktion auf zwei Schulstandorte Kosten einsparen. Es geht also auch um den kostenbewussten Umgang mit Steuergeldern.

Dasselbe gilt für die geplante Umnutzung der bezirkseigenen Liegenschaft Leutschen als Rathaus und Justizgebäude. Es ist die mit Abstand kostengünstigste Variante, um das dringende Problem des sanierungsbedürftigen und zu kleinen Rathauses in Wollerau zu lösen. Der Kauf und Umbau einer bestehenden Gewerbeliegenschaft oder die Sanierung des bestehenden Rathauses mit einem dazu nötigen Provisorium wurden geprüft und kämen deutlich teurer. Es entbehrt also nicht einer gewissen Ironie, wenn Herr Ruh dem Bezirksrat Geldverschleuderung vorwerfen will.

Ebenfalls falsch ist die Vermutung, dass der Bezirk in vier bis fünf Jahren eine neue Schule bauen muss, weil die Kapazitäten nicht ausreichten. Die bleibenden Schulstandorte Weid und Riedmatt können sowohl die Schülerinnen und Schüler aus der Leutschen aufnehmen als auch einen leichten Anstieg bewältigen. Ein dramatischer Anstieg ist nicht in Sicht, denn die Zahlen an den Primarschulen und Kindergärten in Feusisberg, Wollerau und Freienbach sind bekannt und stabil.

Bestehende öffentliche Infrastruktur wird nicht zerstört, sondern sinnvoll und kostenbewusst umgenutzt. Deshalb sage ich Ja zum Rathaus und Justizgebäude Leutschen.

Guy Tomaschett, Bezirksschulpräsident Höfe, Freienbach

 

«Ratsschloss» und «Justizpalast»

Im «Höfner Volksblatt» und «March-Anzeiger» vom Mittwoch, 3. Februar, hat die Bezirkskanzlei Höfe Details zu den Plänen um das «Rathaus und Justizgebäude Leutschen» publiziert. Unterdessen ist auch die Abstimmungsvorlage für den Sonntag, 7. März, in die Haushalte der Stimmbürger des Bezirks geflattert.

Wer die Sachvorlage studiert, kommt nicht mehr aus dem Staunen heraus. Satte 21,95 Millionen Franken (+/- 10%) soll das Projekt kosten, wenn’s dabei bleibt. Das wird so nicht nur ein «Rathaus», sondern ein «Ratsschloss»; nicht nur ein «Justizgebäude», sondern ein «Justizpalast». O.ensichtlich sind da Projektverantwortliche am Werk, die nicht wissen (wollen?), dass hier übermässig Gelder verschleudert werden, Gelder, die nicht ihnen, sondern den Steuerzahlenden gehören. Bekanntlich soll im Zusammenhang mit diesem – es muss gesagt werden – grössenwahnsinnigen Projekt, der Schulstandort Leutschen geschlossen werden. Dies gegen den deutlichen Willen der Freienbacher Bevölkerung, welche anlässlich der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom Mittwoch, 22. Februar 2017, also vor ziemlich genau vier Jahren, fast einstimmig das Projekt missbilligte und für die Beibehaltung des Schulstandortes Leutschen stimmte.

In diesem Kontext sei darauf hingewiesen, dass bei den Verantwortlichen des Bezirks Höfe jegliches Demokratieverständnis fehlt. Eine Prognose: In vier bis fünf Jahren wird der Ruf zum Bau einer neuen Schule laut, weil die Kapazitäten nicht mehr ausreichen. Es wird die Erkenntnis kommen, dass die damalige Schliessung der Schule in der Leutschen «vielleicht» doch nicht so weitsichtig war, wie zum jetzigen Zeitpunkt herumposaunt wird. Folgekosten: zig Millionen, natürlich wieder auf dem Buckel der Steuerzahlenden, ohne rechtliche Folgen für die Verantwortlichen in der Bezirksbehörde. Es ist widersinnig, bestehende öffentliche Infrastruktur praktisch zu zerstören und dermassen öffentliche Gelder zu vernichten. 

Deshalb gehört diese Vorlage «Rathaus und Justizgebäude Leutschen» beerdigt. Sie soll von den Stimmbürgerinnen und -bürger an der Urne abgelehnt und so die Projektplaner zurück auf Feld 1 gestellt werden. In der Gemeinde Freienbach hat es mehrere grosse (Gewerbe-)Liegenschaften, die saniert, technisch aufgerüstet werden und so mit deutlich (!) weniger Geld einer neuen Bestimmung zugeführt werden könnten. Aber: Wo der Wille fehlt, ist auch kein Weg. Aus Überzeugung sage ich Nein zur Vorlage «Rathaus und Justizgebäude Leutschen».

Markus Ruh, Bäch

 

 

Redaktion March24 und Höfe24