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Sport
22.02.2021

Für die Krebsforschung mit dem Rennrad nach Paris

Eines der über 50 Rynkeby-Teams auf dem Weg nach Paris. Bild: PD
Team Rynkeby – Hohes C ist ein europäisches Charity-Fahrradteam, das jedes Jahr eine Fahrradtour nach Paris unternimmt, um Geld für schwer kranke Kinder und ihre Familien zu sammeln. Alexander Eckes-Chantre erklärt das Projekt.

Eine gemütliche Velofahrt von hier nach Paris gefällig? So mit Kollegen und Kolleginnen fröhlich schwatzend durch Wälder, Felder und an malerischen Schlössern vorbei in die Stadt der Liebe radeln und dort die Zieleinfahrt der Tour de France bestaunen? Wäre das was?

Diese Idee entstand vor 19 Jahren in Dänemark, war aber nie als gemütliche Plauschfahrt geplant. Sondern es war ein Projekt, das einem krebskranken Kind helfen soll. Die Mutter war Angestellte des dänischen Fruchtsaftproduzenten Rynkeby Foods A/S. Elf Freizeitradler schlossen sich dieser Idee 2002 an, heute sind es europaweit über 2000 Radfahrer, die den Weg von verschiedenen Ländern aus nach Paris unter die zwei Räder nehmen. Das Ganze ist ein riesiges Projekt geworden, die Warteliste für die Teilnahme lang. 59 verschiedene Mannschaften aus acht Ländern sind zu koordinieren, darunter eines aus der Schweiz.

Das Team Rynkeby – Hohes C Zürich wird vom Schweden Göran Håkansson als Landesmanager organisiert. Alexander Eckes-Chantre hat zwar noch nie als Radfahrer an der Tour teilgenommen, war aber aus gesundheitlichen Gründen im letzten Jahr «nur» als technische Unterstützung mit dabei, obwohl er diszipliniert mit dem Fahrrad trainiert hatte. «So kenne ich bereits beide Seiten», lacht der Unternehmer aus Pfäffikon. Momentan sind 19 Teilnehmer in der Mannschaftsliste des einzigen Schweizer Teams eingeschrieben. Mitmachen können alle, die bestimmte Bedingungen erfüllen.

Alexander Eckes-Chantre Bild: Lars Morger

Geld für die Krebsforschung

Ziel der ganzen Aktion ist es weiterhin, möglichst viel Geld zu sammeln. Geld, das der Krebsforschung für Kinder zugutekommen soll. Jedes Team entscheidet, wo das Geld hingeht. In der Schweiz wird für die Stiftung Kinder­krebsforschung Schweiz gesammelt «Jeder gespendete Franken kommt voll der Forschung zugute», erklärt Eckes-Chantre. Der deutsche Fruchtgetränke-Konzern Eckes-Granini deckt durch seine drei Marken Rynkeby, God Morgon und Hohes C die Kernkosten des Projekts zusammen mit den Organisationen, für die gesammelt wird.

Die Teilnehmer müssen sich also auch verpflichten, möglichst viel Geld sammeln zu können. Seit 19 Jahren sind so, vor allem in Skandinavien, über 65 Millionen Euro zusammengekommen. In Dänemark sind es über 34, in Schweden über 19 Millionen. Das Schweizer Team hat im letzten Jahr zum ersten Mal ­teilgenommen und über 80 000 Franken gesammelt. Das soll in Zukunft viel mehr werden. Auch aus ­diesem Grund ist Alexander Eckes-Chantre bestrebt, ein zweites Schweizer Team auf die Beine zu stellen, eines in der Westschweiz.

Die Strapazen meistern

Auf der anderen Seite muss eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer auch in das Team passen. «Es sind praktisch alles Amateurfahrer», so der Pfäffiker Unternehmer weiter. Es gibt auch Teammitglieder, die sind vorher noch nie auf einem Rennrad­sattel gesessen. «Zwar sind sie schon Velo gefahren, aber mit einem Rennrad nach Paris zu fahren, ist dann schon noch etwas ganz anderes», weiss Alexander Eckes-Chantre. Aus diesem Grund muss jeder Teilnehmende mindestens 2500 Trainingskilometer vorweisen können. «Die Tour ist streng, viele kommen im Verlauf der über 1000 Kilometer an ihre Leistungs­grenze», erklärt er. Pro Tag müssen während der Fahrt nach Paris um die 150 Kilometer absolviert werden, die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt zirka 25 km/h.

«Amateure müssen die notwendigen Zeichen und Absprachen lernen, um Unfälle zu vermeiden.»

Aber nicht nur Fitness und Ausdauer sind wichtig, weiss der Unternehmer zu berichten. «Es können auf der Fahrt gefährliche Situationen entstehen, denn oft sind wir zu zweit nebeneinander unterwegs.» Da ist es wichtig, vorgängig im gemeinsamen Training das richtige Verhalten zu lernen. Momentan coronabedingt praktisch unmöglich. «Profis können das, Amateure müssen die notwendigen Zeichen und Absprachen lernen, um Unfälle zu vermeiden.»

Alles in allem werden bei der nächsten Durchführung über 3000 Personen des Teams Rynkeby am Ziel in Paris erwartet. Das erfordert eine minuziöse Planung, die zentral bei Rynkeby in Dänemark vorgenommen wird. Nicht nur, dass das Eintreffen in der Metropole praktisch auf die Minute genau stimmen muss, auch das ganze Material muss bestellt, Hotelbetten müssen organisiert werden.

Das Material müssen alle selbst neu kaufen

Jeder kauft seine Ausrüstung selbst, auch das Fahrrad, das von Bianchi extra für diesen Zweck zu einem günstigen Spezialpreis von zirka 1300 Euro hergestellt wird. Das Tenü ist pro Land einheitlich, die Farbe für alle gleich. Sowohl das Rad als auch das Tenü ist in Gelb gehalten, so wie das Leadertrikot der Tour de France. Sponsoren können sich immer noch einen Platz auf dem Trikot reservieren, das dann im Frühling innert zwei Wochen hergestellt wird.

Es versteht sich von selbst, dass bei einer solch grossen Anzahl Fahrer auch Serviceteams benötigt werden, die auf der Strecke Defekte beheben und die Teams mit Verpflegung unterstützen. 550 Helfer werden ebenfalls unterwegs sein. «Alle Teilnehmenden nehmen die Strecke in ihrer Freizeit unter die Räder», erklärt Eckes-Chantre. «Interessierte Fahrer wären viele da, die Schwierigkeit besteht eher, an geeignete Radmechaniker zu kommen, die bereit sind, uns zu begleiten.» Erlaubt es die aktuelle Situation, wäre dann im Juli alles für eine gemütliche Radfahrt nach Paris bereit …

Franz Feldmann, Sportredaktion March24 & Höfe24