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Sport
18.02.2021

Jeff Tomlinson: «Ich bin ein Laker und werde es immer bleiben»

Viele Emotionen im Spiel: Für Jeff Tomlinson ist das Engagement bei den Rapperswil-Jona Lakers mehr als nur einfach ein Job. Bild: Franz Feldmann
Jeff Tomlinson und die Rapperswil-Jona Lakers: Das ist eine spezielle Verbindung. Der 50-jährige ­Deutschkanadier tut sich schwer mit dem Gedanken, dass seine Zeit beim Klub nach sechs Jahren abläuft.

Jeff Tomlinson, Sie haben bewegende Tage hinter sich. Deshalb muss diese Frage sein. Wie geht es Ihnen?
Diese Frage ist gut. Ja, wie geht es mir? Das frage ich mich selbst. Ich möchte es so sagen: Es ist wirklich nicht leicht, nach sechs Jahren den Klub verlassen zu müssen, der zu einem Teil von mir geworden ist, den ich liebgewonnen und dem ich viel zu verdanken habe. Irgendwie ­habe ich gar noch nicht realisiert, dass ich Ende Saison die Lakers verlassen werde. Denke ich ­daran, werde ich traurig.

Sie sagen, dass Sie die Lakers verlassen müssen. Sie haben aber doch von sich aus entschieden, die ­Zusammenarbeit zu beenden?
Ich wäre sehr gerne bei den Lakers geblieben. Als mir die sportliche Leitung bei den Vertragsverhandlungen jedoch sagte, dass sie den Trainermarkt sondieren würde und ich le­diglich eine Option sei, wurde mir klar, dass sie nicht vorbehaltlos auf mich setzen wird. Das ist legitim. Ich hätte aber erwartet, dass ich nach den Erfolgen in den vergangenen Jahren nicht bloss eine Option bin, sondern der Bewerber mit den besten Karten. Deshalb musste ich für mich eine Entscheidung treffen. Ich wollte kein Wischi-Waschi. Das ist nicht meine Art. Ich wollte, dass Klarheit herrscht. So ist der Kopf frei und wir können uns ganz auf die sportlichen Aufgaben in den nächsten Wochen fokussieren.

«Ich bin manchmal auch mit den Entscheidungen meiner Kinder nicht einverstanden, liebe sie aber trotzdem.»

Fühlen Sie sich und Ihre Arbeit zu wenig wert­geschätzt?
Nein, überhaupt nicht. Wir haben gemeinsam viel erreicht und darauf bin stolz. Seine eigenen Vorstellungen zu verwirklichen ist der Job eines Sportchefs. Wenn ich für ihn der richtige Mann gewesen wäre, hätte ich ein Angebot erhalten. Die sportliche Leitung hatte aber andere Vorstellungen. Ich kann die Lakers erhobenen Hauptes und mit einem guten Gefühl verlassen. Das passiert in unserem Business selten. Ich habe dem Klub sehr viel zu verdanken. Er hat mir die Möglichkeit gegeben, erfolgreich zu arbeiten. Die ­Lakers schulden mir so gesehen nichts. Ich bin dankbar, dass ich sechs Jahre ein Teil von ihnen sein konnte. Die Entscheidung der sportlichen Leitung ist für mich zwar schwer zu verstehen. Aber manchmal bin ich mit den Entscheidungen meiner Kinder auch nicht einverstanden, liebe sie aber trotzdem – so wie ich die Lakers-Familie immer lieben werde.

Es ist bestimmt hart, dass man als Trainer, der mit den Lakers bisher alle Ziele erreicht hat, plötzlich erfahren muss, dass man für die ­geplanten nächsten Schritte nach vorne nicht mehr gut genug ist?
Einfach ist es tatsächlich nicht. Das ist aber Sport. Manchmal ist er gemein. Gerne hätte ich diesen nächsten Schritt mit den SCRJ Lakers gemacht. Aber die sport­liche Führung hat ­anders entschieden. Sie hat offensichtlich einen grösseren Plan, und die ­Lakers sind definitiv grösser als ich. ­Jede Mannschaft braucht ihre Identität. Vielleicht brauchen die Lakers auch eine neue Identitität. Die Zeit wird zeigen, ob das so ist und ob die neuen Trainer dem Team eine andere Identität geben können. Und dann wird sich auch weisen, ob die Entscheidung der Sportführung richtig gewesen ist.

Tomlinson hätte mit den Lakers gerne den nächsten Schritt gemacht. Bild: Keystone

Obwohl sie bei den Lakers ausgemustert werden, sind Sie gegenüber Ihrem Arbeitgeber sehr loyal.
Ja, das ist so. So bin ich. Das ist mein Charakter. Obwohl ich die Lakers verlassen muss, bin ich nicht sauer. Ich war nicht immer ­gleicher Meinung mit unserem Sportchef Janick Steinmann. Aber wir sind stets sehr professionell miteinander umgegangen. Unsere ­Beziehung wird sich nicht ändern. Wir gehen zukünftig getrennte Wege, können uns aber weiterhin in die ­Augen schauen.

«Am Schluss geht es immer um das Team. Das verstehen nicht immer alle Spieler.»

Was haben Sie falsch gemacht, dass der Vertrag mit Ihnen nicht verlängert wurde?
(atmet tief durch). Jeder macht Fehler. Vermutlich trifft jeder Mensch in seinem Leben mehr falsche als richtige Entscheidungen. Ich kenne jedenfalls niemanden, der keine Fehler macht. Als Trainer betreue ich rund 25 Spieler. Da kann es sein, dass ich den einen oder anderen mal zu hart angefasst, ihn falsch oder zu wenig eingesetzt habe. Aber am Schluss geht es immer um das Team. Das verstehen nicht immer alle Spieler. Und dann sind da noch die verschiedenen Aufgaben, die ein Trainer-Team hat. Auf der einen Seite müssen die jungen Spieler, welche die Lakers haben, weiter ausgebildet und auf der anderen Seite Siege eingefahren werden. Dieser Spagat ist nicht einfach.

Wie haben die Spieler reagiert, als Sie sie über ihren Wegzug informierten?
Es war sehr emotional. Ich denke, ­viele wussten nicht, wie sie reagieren sollten. Emotional wurde es später nochmals, als ich die Nachrichten von Spielern auf meinem Handy las. Diese zu lesen war schön, aber auch schmerzlich.

Gab es auch Reaktionen ausserhalb des Vereins, von Fans?
Ja, ich habe sehr viele Nachrichten erhalten, schöne Nachrichten, die mir nahe gegangen sind.

Ist ein Arbeitsende, das man selbst nicht suchte, nach so langer Zeit nicht noch schwieriger zu verarbeiten als eine sofortige Entlassung?
Ich wurde schon entlassen nach drei Niederlagen hintereinander aber auch schon nach drei Siegen in Folge. So zu gehen wie jetzt bei den Lakers, ist aber emotional schwieriger zu verarbeiten. Für mich war der Job bei den Lakers nie einfach nur ein Job, den ich machen musste. Er war mehr, er war etwas Spezielles. Meine Beziehung zu den Lakers ist speziell und wird es immer bleiben. Ich ging und gehe immer noch jeden Tag mit grosser Freude an die Arbeit. Das ist auch ein Grund, weshalb ich immer so früh in der ­Eishalle bin. Ich habe meinen Job hier geliebt und auch meine Spieler. Die Lakers ­waren wie eine grosse Familie für mich. Ich werde den Klub immer in guter Erinnerung behalten und an die schöne Zeit hier zurückdenken. In Erinnerung bleiben werden mir auch Persönlichkeiten wie Cyrill Geyer oder Antonio Rizzello, bei denen ich stolz wäre, sie meine Kinder nennen zu können und natürlich die tollen Fans. Mir ist bewusst, dass ich so etwas wie bei den Lakers in meinem Eishockey-Leben nicht mehr erleben werde. Ich bin ein Laker und werde es immer bleiben.

Ruedi Gubser, Südostschweiz Glarus