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Leserbrief
Leserbriefe
19.01.2021

Selbsternannte Experten

Bild: keystone
Spannend, was man im Alter noch alles lernt. Seit einiger Zeit schiesst die Zahl der «Viren-Experten» wie Pilze aus dem Boden. Ich ging immer davon aus, dass es für diese Disziplin ein längeres Studium braucht.

Offenbar sind meine Kenntnisse über Berufe und Ausbildungen passé: Heutzutage reicht es, eine einfach gestrickte Meinung zu haben, und schon ist man Covid-19-diplomiert. Mit diesem «Speedy Master» kann man die Wissenschaft, die Fachgremien und den Bundesrat pauschal und meisterlich als unfähig – ja bewusst böswillig – bezeichnen.

Sogar, wenn man selber Regierungsrat war, obwohl nur kurz, darf man die ehemaligen Kollegen via Megafon als «Verbrecher» abkanzeln. Und die Tatsache, dass diese «Verbrecher» keine Ehrverletzungsklage einreichen, «beweist» doch, dass der ehemalige Magistrat in Schwyz magistral analysiert und seine Brandrede ohne falsche Note rausposaunt hat. Schon vergessen, dass die Schwyzer Spitaldirektorin letztes Jahr den Regierungsrat um dringende Hilfe bat?

Aktuell geht ein Dauerkritikus aus dem Vorderthal mit Gemeinden, Kanton und Bern hart ins Gericht. Kurze Frage: Wo bietet der junge SVP-Kantonsrat, oder sein Kollege, auf über 70 Zeilen eine Lösung im Kampf gegen das unsichtbare C-Tierchen an?

Eine noch bessere Voraussetzung zum Experten haben jene, die sich auf ihre Vorurteile abstützen können. Einstein: «Es ist leichter, einen Atomkern zu spalten als ein Vorurteil.» Offensichtlich noch leichter ist es, als selbsternannter Alleswisser ein Volk zu spalten. Ein Blick über den grossen Kanal zeigt, wohin das führen kann.

Auch wenn man nicht mit allen Massnahmen einig geht und seine eigene Meinung lautstark vertreten darf: Etwas mehr Bescheidenheit und eine Portion Relativierung stünde manchem Schreibtischtäter und Megafonträger relativ gut an.

Armando Pirovino, Wangen